Verkehr
Ludwigsburg/Stuttgart | 05. Januar 2018

Bald fahren Busse ohne Busfahrer

In Ludwigsburg kommt vorerst ein autonomes Fahrzeug zum Einsatz – Teststrecke vom Bahnhof bis ins Gewerbegebiet

Ein solcher autonom fahrender Bus soll bald durch die Grönerstraße fahren. Foto: privat
Ein solcher autonom fahrender Bus soll bald durch die Grönerstraße fahren. Foto: privat

In Ludwigsburg und Stuttgart wird es bald einen, wenn auch kleinen, automatisierten Busverkehr geben. Das Land stellt für drei Vorhaben eine Million Euro bereit, wie das Verkehrsministerium gestern mitteilte. Ludwigsburg steuert das Projekt, die Leitung erhält Heinz Handtrack vom Referat Nachhaltige Stadtentwicklung.

Hintergrund ist die Digitalisierungsstrategie des Landes, in der dieses Thema Bestandteil ist. „Damit wollen wir die Zukunft des autonomen Fahrens auch im ÖPNV entwickeln und gestalten“, so Uwe Lahl, Amtschef und Ministerialdirektor im Verkehrsministerium. Als Pilotprojekt soll ein Busverkehr getestet werden, um künftig die richtigen Rahmenbedingungen schaffen zu können. „Automatisiertes Fahren ist eine Chance für den Busverkehr, weil Busse so flexibler und preisgünstiger fahren können“, so Lahl.

Ludwigsburg übernimmt einen wichtigen Part in diesem Test. Zwischen Bahnhof und Gewerbegebiet Weststadt soll ein automatisierter Bus im realen Fahrgastbetrieb eingesetzt werden. Schon in zwei Wochen laufen Gespräche, um Einzelheiten für die Bestellung des hochtechnischen Fahrzeugs festzulegen. Ende 2018, spätestens Anfang 2019 soll der Shuttle-bus im Einsatz sein. „Er wird vom Bahnhof durch die Grönerstraße fahren“, so Handtrack im Gespräch mit unserer Zeitung. Zusätzlich soll eine Strecke in Stuttgart getestet werden. „Ludwigsburg und Stuttgart arbeiten wie ein Tandem eng zusammen.“ Der Bus soll auch tatsächlich Personen befördern.

Gedacht ist an den Bus „Cloui“ der Firma Paravan GmbH aus Pfronstetten (Kreis Reutlingen), die sich bislang auf behindertengerechte Fahrzeuge spezialisiert hat. Technisch kann dieser Bus allein fahren, aus rechtlicher Sicht wird jedoch ein Fahrer im Fahrzeug sein. Der Bus ist für den Straßenverkehr zugelassen, ist also mehr als nur ein Testfahrzeug. Allerdings muss er auf einer vorher definierten Strecke fahren. Weil der Bus sich selbst steuert, darf er vorerst nur Tempo 25 fahren. „Vom Fahrzeug her könnte er natürlich schneller fahren“, so Handtrack. Rund 300 000 Euro kostet der Bus.

Der Einsatz des Shuttledienstes – die Stadt denkt bei den Fahrgästen insbesondere auch an die Arbeitspendler – ist nicht alles. Im Rahmen des Projekts werden Studien durchgeführt, Geschäftsmodelle überlegt. Geplant ist zudem, weitere Busse einzusetzen. „Wir würden gerne vier bis fünf Busse fahren lassen“, so der Projektleiter. Um die Strecken auch im Gegenverkehr bedienen zu können. Weitere Fördermittel werden dafür gesucht, auch die Stadt Ludwigsburg wird dafür zusätzlich Geld ausgeben, um etwa die Infrastruktur für diese Zwecke auszubauen.

„Automatisiertes, vernetztes und elektrisches Fahren kann die Zukunft der Mobilität in unseren Städten maßgeblich verändern“, erklärt Ludwigsburgs Erster Bürgermeister Konrad Seigfried. Gerade für die Infrastruktur und die Digitalisierung des Stadtraums ist dies eine Herausforderung. Seigfried: „Das generiert für uns zukunftsweisende Chancen, stellt uns aber auch vor größte technische und soziale Herausforderungen.“ Ludwigsburg sei stolz, in diesem Projekt Konsortialführer zu sein. Seigfried verweist auch auf die gute Arbeit der Geschäftsstelle Living Lab.

Das Projektkonsortium besteht aus den Städten Stuttgart und Ludwigsburg, der Stuttgarter Straßenbahn AG, dem Verband deutscher Verkehrsunternehmen, der e-mobil BW GmbH, dem Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen der Universität Stuttgart, dem Forschungszentrum für Informatik Karlsruhe, dem Testfeld autonomes Fahren Baden-Württemberg, der Daimler AG und der EvoBus GmbH.

Projekt besteht aus drei Arbeitspaketen

Das Projekt besteht aus drei Paketen. Bürger und künftige Fahrgäste sind dabei eingeladen, in den Dialog zu treten. Ihnen soll im Arbeitspaket 1 zum Beispiel mit Hilfe von Präsentationen, Erklärungen, Gesprächen in einem mobilen Schulungszentrum und mit einem echtem Testbus im Sinne einer Roadshow automatisierte Mobilität im ÖPNV erfahrbar und sichtbar gemacht werden. Das Projektkonsortium will die Nutzerinteressen besser kennenlernen, um künftige Angebote entsprechend ausgestalten zu können.

Parallel dazu wird im Arbeitspaket 2 die Technik auf Herz und Nieren geprüft und erprobt. Ein Standardbus der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) soll vollautomatisiert regelmäßige Arbeitsvorgänge im Betriebshof absolvieren, beispielsweise das Rangieren und die Fahrt durch die Waschstraße. Wichtig wird sein, wie die Technik auf unvorhergesehene Einflüsse, wie querende Personen, reagieren kann.

Das 3. Arbeitspaket betrifft die Städte Ludwigsburg und Stuttgart. Mit dem Projekt soll die Akzeptanz der Fahrgäste im Hinblick auf Fahrkomfort, Sicherheitsgefühl und Ticketpreise ermittelt und bewertet werden.

Hans-Peter Jans
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
Mein Ort
Wählen Sie Ihren Ort
GerlingenDitzingenKorntal-MünchingenHemmingenSchwieberdingenEberdingenVaihingen an der EnzMöglingenLudwigsburgAspergKornwestheimRemseck am NeckarMarkgröningenOberriexingenSersheimTammFreiberg am NeckarBenningenMarbach am NeckarErdmannhausenAffalterbachSteinheim an der MurrMurrPleidelsheimIngersheimBietigheim-BissingenSachsenheimFreudentalLöchgauBesigheimHessigheimMundelsheimGroßbottwarOberstenfeldPrevorstGemmrigheimWalheimErligheimBönnigheimKirchheim am NeckarOttmarsheim
Nachrichten und mehr aus Ihrer Region!
Kinoprogramm
Schnellsuche

Wählen Sie eine oder mehrere der folgenden Suchoptionen aus:

Anzeige