Deponie
Ludwigsburg | 19. Juli 2017

Wieder offene Fragen auf dem Froschgraben

Die AVL hat in Schwieberdingen kontinuierlich Vertrauen verspielt. Das hat sich am Montagabend auf der Demo gegen den Neckarwestheimer Atomschutt erneut gezeigt. Jetzt tauchen auf der Deponie neue Merkwürdigkeiten auf: Schlammseen.

„Wir glauben Euch nicht mehr“: Ein Bauer demonstriert in Schwieberdingen gegen die Müllpolitik des Landes und des Kreises. Foto: Oliver Bürkle
„Wir glauben Euch nicht mehr“: Ein Bauer demonstriert in Schwieberdingen gegen die Müllpolitik des Landes und des Kreises. Foto: Oliver Bürkle

Eigentlich haben Bauern in diesen Tagen Besseres zu tun, als Demonstrationen anzuführen. Seit einigen Wochen läuft die Getreideernte, die Aussichten sind nicht rosig. Das gilt auch für die Schwieberdinger Deponie am Froschgraben, auf der ab Herbst Freimessmüll aus dem Neckarwestheimer Atomkraftwerk eingelagert werden soll. Knapp 600 Menschen demonstrierten am Montagabend gegen diese Mülltransporte – ganz vorne im Zug fuhren Bauern auf mehr als 15 Traktoren. Warum, das hatte einer auf ein Plakat gepinselt: „Wir glauben Euch nicht mehr.“ Adressaten sind der Umweltminister Franz Untersteller (Grüne), Landrat Rainer Haas und die kreiseigene Abfallverwertungsgesellschaft AVL, deren Aufsichtsratschef er ist.

Gerade die AVL hat in den vergangenen Jahren kaum etwas ausgelassen, um das Vertrauen der Menschen, die mit der Deponie leben müssen, zu beschädigen: Vor sieben Jahren brennt es auf dem Grundstück eines AVL-Subunternehmers. Dann kommt heraus, dass jahrelang Freimessmüll aus dem Kernforschungszentrum in Karlsruhe im Kreis gelandet ist. Viele Jahre lang gibt es zudem Ärger um Asbesttransporte aus Süditalien, die in den Augen der Interessengemeinschaft Deponien Schwieberdingen-Horrheim „häufig unsachgemäß eingelagert wurden“. Die Sprecherin und promovierte Agrarwissenschaftlerin Monika Leder am Montagabend auf dem Schwieberdinger Schlosshof bei der Abschlusskundgebung: „Es ist absolut inakzeptabel, dass die AVL Deponiekapazitäten europaweit verschachert hat.“

Wenn sich die AVL doch nur auf Geschäfte innerhalb Europas beschränkt hätte: Auf der Deponie Burghof im Vaihinger Ortsteil Horrheim landeten radioaktive Abfälle, die offenbar aus dem Kongo stammten.

Das nächste Fass macht jetzt die Aktive Bürgergemeinschaft (ABG) aus Schwieberdingen auf, die im Gemeinderat sitzt und auf dem Froschgraben Schlammseen ausgemacht hat. Sie vermutet, dass es sich um Gemische aus Stäuben und Schlämmen handelt, wie sie etwa zur Verfüllung von Hohlräumen zwischen den Paketen mit asbesthaltigen Abfällen verwendet werden. „Die nun verstärkt vorgenommene großflächige Ablagerung solcher Gemische in Schlammseen wirft Fragen auf“, sagt ABG-Sprecher Volker Kairies.

Der Verein will vor allem wissen, ob die Schlammseen die Statik der Deponie gefährden. „Bezogen auf die geplante Einlagerung von freigemessenen Abfällen aus dem Rückbau des Atomkraftwerks in Neckarwestheim muss die Sicherheit vollends gewährleistet sein“, so Kairies weiter. Schon vor Wochen habe sich die ABG nach eigenen Angaben an die AVL mit der Bitte um Stellungnahme gerichtet – eine Antwort steht noch aus.

Gefühlt muss der Landrat und Aufsichtsratschef Haas in regelmäßigen Abständen Geschichten einfangen, die ihm die AVL einbrockt, zuletzt, als die Geschäftsleitung Gedankenspiele anstellte, die Schwieberdinger Deponie nicht erst 2025 vom Netz zu nehmen, sondern 2042.

Verlassen kann sich Haas dagegen auf den Widerstand der Demonstranten. Die haben bereits angekündigt am kommenden Freitag in den Kreistag zu kommen und vorher eine Versammlung in Ludwigsburg abzuhalten – und zwar gegen den Atomschutt aus Neckarwestheim auf den Kreisdeponien. Wo sie ihn besser aufgehoben sehen, sagt der Schwieberdinger Mediziner Dierk-Christian Vogt: zentral gelagert und unter Atomaufsicht auf dem Gelände des AKW.

Aus dem Nähkästchen plauderte auf der Kundgebung am Montagabend Urban Krappen, der Vorstand der VR-Bank Asperg-Markgröningen, wie er einmal Eimer mit Bauschutt auf der Deponie abgeben wollte, die allerdings mit Tapete versetzt waren. „Ich wurde abgewiesen“, so der Banker. Per Hand musste er den Bauschutt erst von den Papierfetzen befreien.

Philipp Schneider
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