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Kapelleninsel

Auf der Kapelleninsel im Monrepos erschließt sich einen verzauberte Welt

Normalerweise versteckt sich die Ruine der alten Kapelle am Monrepos im Grün der Bäume, das Betreten der Insel ist verboten. Doch die Hofkammer macht eine Ausnahme für unsere Zeitung und rudert Fotograf und Redakteurin über das Wasser in eine versteckte Welt.

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Früher standen rund um die Kapelle Tannen. Inzwischen wachsen dort nur noch Laubbäume, die die kleine Kirche von allen Seiten vor Blicken schützen.
Ruhig liegt es da, das Ruderboot, das die Besucher wieder zurück in die Wirklichkeit bringt. Foto: Holm Wolschendorf
Ruhig liegt es da, das Ruderboot, das die Besucher wieder zurück in die Wirklichkeit bringt. Foto: Holm Wolschendorf

Es ist noch ganz ruhig an diesem Vormittag. Plötzlich durchdringen die Schreie von zwei Gänsen die Ruhe. Sanft gleitet das Ruder des Holzbootes durch das Wasser. Die Sonnenstrahlen wärmen die Haut, eine leichte Brise weht. Es ist ein idyllischer Morgen, noch ist niemand auf dem See unterwegs. Als ich den ersten Schritt auf die Kapelleninsel setze, fühle ich mich, als sei ich in einer anderen Welt angekommen. In einer Welt, die sich normalerweise vor den Augen von Spaziergängern und Bootlesfahrern versteckt.

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Eindrücke von der Kapelleninsel im Monrepos

Das Laub raschelt unter meinen Füßen. Die Kapelle ist von Laubbäumen umgeben. Doch das war nicht immer so. Ursprünglich standen auf der Kapelleninsel nur Nadelbäume. Tannen, die spitz zulaufen, genauso wie der Turm der kleinen Kirche. „Es sollte ein Echo auf die Form der Kapelle sein“, erklärt Thomas Bachmann, der bei der Hofkammer als Konservator angestellt ist. Da Tannen keine so lange Lebensdauer haben, haben auf der Insel irgendwann die Laubbäume überhand genommen.

Zuerst geht es ins Gewölbe. Mein Blick geht sofort nach oben, die Decke ist viel höher als gedacht. Die Augen gewöhnen sich nur langsam an die Dunkelheit, durch die Fenster fällt grünliches Licht wegen der Sonne, die durch einen Blätterwald scheint. Rechts geht es in einen zweiten Raum. Ein altes Eisentor hängt davor, es steht halb offen. Wenn wir es öffnen müssten, würde es sicherlich quietschen und knarzen. Wir steigen über eine niedrige Absperrung am Boden und stehen im nächsten Raum. Hier saßen früher lebensgroße Puppen mit Ritterrüstung um einen riesigen Tisch, berichtet Thomas Bachmann. Mit Schilden ausgestattet, die Schwerter über den Tisch gekreuzt, so als ob sie gerade jemandes Todesurteil entschieden haben. „Das sollte Besucher zum Gruseln bringen“, so Bachmann. Damit die Erleichterung größer war, wenn man die Kapelle, also das Himmlische, erreichte. Bis zu den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts müssten die Ritterpuppen um den Tisch gesessen haben, vermutet Bachmann. Wo sie und auch der große Tisch hingekommen sind, weiß niemand.

Die Kapelle wirkt wie in einem Märchen

Durch die Fenster und Eingänge ins Gewölbe sieht man zwar das Licht. Aber einen Ausblick auf den See hat man nicht. Vor den Eingängen stehen große Steine, Monolithen, die den Blick verwehren. „Das sieht vielleicht zufällig aus, aber hier ist alles kalkuliert“, sagt Thomas Bachmann. Schließlich ist die Insel, der gesamte See künstlich angelegt. Die Steine vor den Eingängen sollten die Kapelle verstecken, damit man vom Wasser nichts sehen kann. Das sollte die Spannung halten. Und auch von der Insel aus bekommt man von der Außenwelt kaum etwas mit. Man hört ein Rauschen von den Tretbooten, von denen mittlerweile mehrere auf dem See unterwegs sind und deren Schaufelräder das Wasser durchmischen. Doch den Bootlesfahrer bleibt die Kapelle auf der Insel fast vollständig verborgen.

Auf dem Weg nach draußen müssen sich die Augen wieder umgewöhnen. Die Helligkeit nach dem dunklen Gewölbe blendet. Über einen Trampelpfad geht es zur Kapelle. Oder dem, was von ihr übrig geblieben ist. An einer alten Holztür, die schon leicht aus den Angeln gehoben ist, warnt ein Schild: Betreten verboten. Eine leere Bierflasche steht auf einem Teil der Ruine. „Von uns ist sie nicht“, sagt Rainer Setzer. Er ist bei der Hofkammer zuständig für die Domäne Monrepos. Dabei waren er und seine Kollegen erst vor acht Wochen vor Ort. Zusammen haben sie die Ruine von Brombeerranken und anderem Klettergewächs befreit. Jetzt sieht es so aus, als seien sie nie da gewesen.

Die Kapelle war nicht immer eine Ruine. Hofbaumeister Reinhard Fischer hat sie um 1795 entworfen – und zwar für den Schlosspark Hohenheim. Die Fertigstellung und die aufwendige Innenraumgestaltung übernahm Fischers Nachfolger Nikolaus Friedrich Thouret. Kurz nachdem er die Malereien im Inneren beendet hatte, beschloss der spätere König Friedrich, dass er die Kapelle lieber am Monrepos stehen haben möchte. Die Kapelle war sogar ausgestattet mit Chorgestuhl, wurde aber nie genutzt. Wegen eines Bombenangriffs auf die Kapelle im Zweiten Weltkrieg sieht es jetzt ganz anders aus: Das Dach ist weg, der Boden überwuchert von Grünzeug.

Durch Brennnesseln und Brombeerranken geht es auf den höchsten Punkt der Insel, den Balkon mit Blick auf das Schloss Monrepos. „Das ist der dramaturgische Abschluss, man blickt aufatmend über den See“, so Bachmann. Damit das Schloss besser zu sehen ist, sind extra Steine ausgespart worden. Hier ist eben nichts dem Zufall überlassen.

Die Hofkammer bittet um Hilfe: Wer hat alte Bilder der Kapelle zuhause?

Es gibt viele Gründe, warum die Hofkammer des Hauses Württemberg jetzt aktiv wird und die Kapelle erhalten möchte. Zum einen greift die Natur immer mehr ein, Teile der Ruine sind bereits mit Gestrüpp überwuchert. „Die Kapelle ist ein Kunstwerk, das dürfen wir nicht komplett der Natur überlassen“, so Konservator Thomas Bachmann. Zum anderen wird die Hofkammer immer wieder gefragt, ob in der Kapelle nicht freie Trauungen stattfinden könnten. Die Verantwortlichen überlegen und diskutieren gerade viele Ideen, noch ist nicht sicher, was genau mit der Kapelle passieren wird. Denn da hat auch das Landesdenkmalamt noch ein Wort mitzureden.

Doch auf jeden Fall möchte die Hofkammer wissen, wie die Kapelle ursprünglich, bevor sie 1944 bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört wurde, aussah. Aber die Hofkammer hat nur ein Bild von der Kapelle vor dem Bombenangriff. Auf der Innenansicht sind ein Teil der Malerei an der Decke, der Altar und die Chorbestuhlung zu sehen. Doch was war wirklich los im Gewölbe? Wie sah die Kapelle von außen aus? Und gab es tatsächlich eine Brücke vom hinteren Teil der Insel auf das Festland? Das sind Fragen, die sich heute nur noch dank Bildern beantworten lassen.

Hier kommen alle Menschen aus der Umgebung ins Spiel. Die Hofkammer bittet Sie: Blättern Sie durch die Erinnerungsalben der Großeltern, schauen Sie auf dem Dachboden oder im Keller nach. Geben Fotos in einer alten Schatulle, die Sie eigentlich schon ganz vergessen haben, vielleicht über die Kapelle Aufschluss? Dabei ist es ganz egal, ob die Aufnahmen makellos oder etwas verschwommen sind oder vielleicht einen Knick oder ein Eselsohr haben. Es geht nur darum, dass die Kapelle vor 1944 darauf zu erkennen ist.

Zu gewinnen gibt es eine ganz besondere Tour durch das Schloss Monrepos

Und die Mühe wird belohnt: Die Hofkammer hat Preise für die hilfreichsten Bilder ausgelobt. Der Hauptpreis ist eine Führung mit S.K.H. Herzog Michael durch das Schloss Monrepos mit Sektempfang für fünf Personen. Dabei werden einige Räume besichtigt, zu denen kaum jemand Zutritt hat, denn es gibt aktuell keine buchbaren Führungen durch das Seeschloss. Außerdem verschickt die Hofkammer mehrere Wein- und Sektpakete vom Weingut Herzog von Württemberg als Dank für die Hilfe.

Info: Bilder schicken Sie bitte mit dem Betreff „Monrepos“ per E-Mail an stadtredaktion@lkz.de oder per Post an Ludwigsburger Kreiszeitung, Stichwort Monrepos, Körnerstraße 14–18, 71634 Ludwigsburg. Mitte Oktober werden die Preise verlost.

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