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Auf Zuruf geht das Licht an - Akademiehof Ludwigsburg soll sicherer werden

Unter Kontrolle: Der Ludwigsburger Akademiehof wird auch in diesem Jahr nicht von der Polizei aus den Augen gelassen. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Unter Kontrolle: Der Ludwigsburger Akademiehof wird auch in diesem Jahr nicht von der Polizei aus den Augen gelassen. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Wie sichert man einen Platz, der nicht unsicher genug ist, um wirklich hart durchgreifen zu können? Mit dieser Frage setzen sich die Ludwigsburger Stadtverwaltung und der Gemeinderat auseinander. Es geht um den Akademiehof. Im vergangenen Sommer kam es hier mehrfach zu Ausschreitungen. Nun hat die Verwaltung ihr Sicherheitskonzept vorgestellt und erklärt, warum es keine Videoüberwachung geben wird - selbst, wenn man wollte.

Ludwigsburg. Der Akademiehof hat im vergangenen Sommer immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Es ging um nächtliche Ruhestörungen, Krawalle, Vermüllung, Sachbeschädigungen und gewalttätige Übergriffe und mündete schließlich in einem Verweilverbot ab 23 Uhr.

„Wir möchten keine Überwachungssystematik sondern Gefahrenabwehr“

Dabei sind es nach Informationen der Polizei meist einzelne, die Auslöser für diese Vorfälle sind. Das Gros der jungen Leute, die sich dort abends trifft sei friedlich. Deshalb ist für Stadtverwaltung und Gemeinderat ein dauerhaftes Verweilverbot keine Lösung. Stattdessen ist nun ein Sicherheitskonzept erarbeitet worden, das sowohl vom Ausschuss für Mobilität und Umwelt als auch beim Jugendgemeinderat positiv aufgenommen worden ist. Im Wesentlichen geht es um Beleuchtung, Aufklärung, Platzbespielung und Toiletten. „Wir möchten keine Überwachungssystematik sondern nur Gefahrenabwehr“, betonte Bürgermeister Sebastian Mannl.

Flutlicht wird per Codewort ausgelöst

„Im Frühjahr soll die Beleuchtung in Betrieb gehen“, sagte Heinz Mayer, Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung. Auf Anforderung hin könne der Akademiehof dann „taghell erleuchtet“ werden. Entlang der Akademien werden Bewegungsmelder installiert, um Wildpinkler von ihrem Vorhaben abzuhalten.

Aktiviert wird die Beleuchtung erst dann, wenn Polizei oder Kommunaler Ordnungsdienst (KOD) dies bei der Leitwarte der Stadtwerke anfordern. „Die Aktivierung wird mit einem Codewort ausgelöst“, erklärte Mayer. Man müsse allerdings nicht befürchten, dass dies dreimal die Woche der Fall sei.

Auch über Videoüberwachung hatte man im Vorfeld nachgedacht, doch dafür gibt es keine rechtliche Grundlage, legte der Leiter des Polizeireviers Ludwigsburg, Christian Zacherle, dar. „Um den Platz per Video zu überwachen, müssten hier die Kriminalitätsfälle deutlich über dem Durchschnitt in der Stadt liegen. Das ist aber nicht der Fall.“

2020 gab es 18 Straftaten auf dem Akademiehof

Aus dem selben Grund könne man den Platz auch nicht zu einer „messerfreien Zone“ ausweisen, wie es FDP-Stadträtin Stefanie Knecht ins Spiel brachte. 2020 seien 18 Straftaten auf dem Platz angezeigt worden. „Jeder zweite, dritte Jugendliche, der nach 22 Uhr unterwegs ist, hat ein Messer dabei“, so Zacherle. Aber das sei kein Phänomen des Akademiehofs.

Freie Wählern fordern dauerhafte Toiletten-Lösung

Problematisch gestaltet sich nach wie vor die Frage der Toiletten. Immer wieder gibt es Ärger, weil Feiernde an Hauswände urinieren. „Die Toilettenanlage ist ursprünglich als Provisorium gebaut worden“, so Mayer. Sie sei nicht vandalismussicher und müssen über den Winter abgestellt werden, weil die Leitungen nicht witterungsbeständig seien. Eine Dauer-Toilette wie etwa auf der Bärenwiese würde 200 000 Euro kosten. Andreas Rothacker kündigte für seine Fraktion der Freien Wähler an, einen Antrag auf eine ordentliche Toilettenanlage zu stellen. „Das ist so wichtig! Da können doch die Jugendlichen nichts dafür.“

Food Truck und Musik

Mit Veranstaltungen, Programm, Hintergrundmusik und beispielsweise Food Trucks soll der Platz an den Wochenenden bespielt werden und sich zu einem Treffpunkt für alle Bürger entwickeln. Gleichzeitig werden ab 23 Uhr Einsatzkräfte in Uniform sowie mobile Jugendarbeit vor Ort sein. Mit einer Aufklärungs- und Präventionskampagne zum Beispiel über Social Media erhofft man sich einen weiteren Schritt hin zu mehr Sicherheit. „Der Akademiehof wird nach wie vor ein Begegnungsplatz sein. Aber wenn die Stimmung kippt, dann sind wir da“, so Heinz Mayer.

Zustimmung von Jugendgemeinderat und Gemeinderat

Tim Tibi, stellvertretender Vorsitzende des Jugendgemeinderats, betonte: „Es ist wichtig, dass alle Gruppen den Akademiehof nutzen. Niemand möchte Krieg führen gegen Jugendliche. Es soll ein sicherer Platz für alle sein.“

Und auch vonseiten der Gemeinderäte gab es Zustimmung für das Vorgehen. „Wir wollen nicht gängeln“, sagte Klaus Hermann (CDU). „Aber wir müssen die wenigen, die sich nicht korrekt verhalten, in die Schranken weisen.“ Nathanael Maier zeigte sich erleichtert, dass es keine Videoüberwachung gibt. „Den Platz zu bespielen und zu betreuen, das finden wir gut.“