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Schlossfestspiele

Aufbruch in die Gegenwart: „Schöpfung“ als Großprojekt im Ludwigsburger Forum

Eine bravouröse Aufführung der „Schöpfung“ gibt es mit Kindern und Jugendlichen sowie der Gaechinger Cantorey der Bachakademie im Forum. Sogar ein Ex-Astronaut ist mit dabei – zumindest per Sprachnachricht.

Jubel und Riesenbeifall: 200 Schülerinnen und Schüler aus Ludwigsburg und Besigheim beim Konzert im Forum. Foto: Holger Schneider/p
Jubel und Riesenbeifall: 200 Schülerinnen und Schüler aus Ludwigsburg und Besigheim beim Konzert im Forum. Foto: Holger Schneider/p

Ludwigsburg. „Unsere Erde – wie ein winziges Raumschiff fliegt unsere Erde durch die unendlichen Weiten des Weltraums. Unsere Erde ist wunderschön…“ – so klingt eine Stimme wie aus dem All aus den Lautsprechern im Forum. Es ist die des Astronauten Ulf Merbold, die dann am Ende von eineinviertel Stunden einer erlebnisreichen Aufführung der „Schöpfung“ nach Joseph Haydn noch einmal, von Streicherklängen umrahmt, das Wort ergreift: „Dass wir alle, die wir hier und jetzt leben, eine ethische Pflicht akzeptieren müssen, diesen Planeten, unsere Erde, den Nachgeborenen in einem intakten Zustand zu hinterlassen.“

Das groß gedachte Projekt der Stuttgarter Bachakademie mit über 1000 Kindern und Jugendlichen aus der Region passt natürlich sehr gut zum Anliegen der Ludwigsburger Schlossfestspiele als „Fest der Künste, Nachhaltigkeit und Demokratie“. So waren die Festspiele Kooperationspartner bei einem der sechs Konzerte von „Bachbewegt! Singen!“, bei dem im Forum 200 Schülerinnen und Schüler der Grundschule Hoheneck, der Maximilian-Lutz-Realschule und des Christoph-Schrempf-Gymnasiums aus Besigheim mitwirkten.

Alle sind mit großer Intensität dabei

Ein schon optisch eindrucksvolles Bild, die Mädchen und Jungen in einem Meer weißer Blusen, Hemden und T-Shirts zwischen dem Orchester und den Sängern der Gaechinger Cantorey auf der Bühne zu sehen. Und wenn sie, unter der Leitung ihrer Dirigentin Sabine Layer, ihre anspruchsvollen Einsätze singen, ist das überwältigend und ruft beim Familienpublikum im Saal regelmäßig Spontanbeifall hervor.

Mächtiges Getöse leitet das Vorspiel zu Haydns „Schöpfung“ in der Version des Dresdner Komponisten Karsten Gundermann ein. Aber bald klingt es nach Haydn, und im Verlauf der 29 Nummern ist doch erstaunlich, wie viel von den Originalsätzen des Oratoriums für den riesigen Kinderchor singbar bleibt. Toll, wie beim Finale des ersten Teils („Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“) die Solisten Dorothee Mields (Gabriel), Julian Habermann (Uriel), Tobias Berndt (Raphael), der Gaechinger Chor und die intonationsreinen jungen Stimmen zusammenwirken, wie Adler, Lerche, Nachtigall im Dialog von Kindergruppe und Mields lebendig werden, wie auch die Finali von Teil zwei („Vollendet ist das große Werk“) und Teil drei noch einmal alle Kräfte bündeln und von Gundermanns Neukomposition („Halt, Mensch, halte ein! Besinne dich!“) mit Adam und Eva die Botschaft von Haydns Oratorium in unsere Gegenwart weitertragen: „Lasst uns seine Schöpfung ehren, um die Wette hegen und pflegen!“ Sogar beim Bewegungschor der „Geschöpfe jeder Art“, wo Löwe, Tiger, Hirsch, Pferde, Rinder, Schafe, Insekten und Gewürm gestisch animiert werden, ist die große Intensität spürbar, mit der alle dabei sind.

Gänsehautmomente beim Sonnenaufgang

Klar, dass auch Hans-Christoph Rademann mit seiner Gaechinger Cantorey – zum Beispiel beim berühmtesten Sonnenaufgang („In vollem Glanze“) der Musikgeschichte – für Gänsehautmomente sorgt. Und zu Anfang des Teils drei ist beim Konsumkapitel („Wir wollen mehr!“) sogar eine Prise Musical dabei. Jubel und Riesenbeifall am Schluss der begeisternden Aufführung im Forum.

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