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Gewalt gegen Frauen

Bedrohung in der Ehe und im Job

Rückblick und Wunschliste bei einer Podiumsdiskussion im MIK-Museum – Zu wenig Frauenhausplätze in Ludwigsburg

Beschimpft, bedroht und geschlagen: Mehr als 140.000 Menschen wurden dem Bundeskriminalamt zufolge 2018 Opfer von Partnergewalt, im Kreis Ludwigsburg waren es knapp 500 Erwachsene, der Großteil Frauen.

Bei einer von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Ludwigsburg Judith Raupp geleiteten Podiumsdiskussion am Montagabend im MIK-Museum wurde Bilanz eines 20-jährigen, durchaus vorbildhaften Einsatzes für Betroffene in Ludwigsburg gezogen. Aber der von den Diskussionsteilnehmern genannte Wunschzettel war lang: Mehr Forschung, mehr Frauenhausplätze, eine ausreichende Finanzierung der Beratungsstellen und eine Gesellschaft, die hinschaut. Gertraud Selig von der Stadt Ludwigsburg war vor 20 Jahren eine der Initiatorinnen der Kampagne „Aktiv gegen Männergewalt“. Wie Selig berichtete, wurde im Vorfeld kontrovers diskutiert, aber schließlich leistete die Stadt hier Pionierarbeit. „Dass wir das Thema in die Öffentlichkeit gebracht haben, hat zur Enttabuisierung geführt“, so Selig. Aus dieser Kampagne ist laut Selig schließlich der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt in Stadt und Landkreis entstanden. Stadt, Justiz, Landkreis, Kliniken und Polizei haben sich ein vernetztes Vorgehen bei Opferberatung, Täterarbeit und Kinderschutz auf die Fahnen geschrieben.

Die Bedeutung des Runden Tisches unterstrich auch die Opferschutzkoordinatorin beim Polizeipräsidium Ludwigsburg, Karin Stark. Inzwischen gebe es in allen Polizeirevieren Kollegen, die für Fälle häuslicher Gewalt geschult seien und auch die nötige Empathie für solche Einsätze mitbrächten. „Wir machen polizeiinterne Veranstaltungen, hier hat sich in den letzten Jahren viel getan“, so Karin Stark. Aber bei aller Sensibilität für das Thema reichen die Schutzangebote für Gewaltopfer nicht aus. „Frauen kommen mit ihren Kindern zu uns und brauchen Hilfe“, berichtete Arezzo Shoaleh von der pädagogischen Leitung des Vereins Frauen für Frauen. Die 19 Frauenhausplätze reichten aber nicht aus und für einen Beratungstermin gebe es Wartezeiten von vier Wochen. Hinzu komme die Wohnungsknappheit in Ludwigsburg. „Frauen wollen sich trennen, sie wissen aber nicht wohin“, so Shoaleh.

Dass Gewalt am Arbeitsplatz ebenfalls ein Thema ist, machte Andrea Hödebeck-Höfig, Personalchefin der Kreissparkasse und stellvertretende Vorsitzende des Kinderschutzbundes, deutlich. „Wir haben über 50 Prozent weibliche Mitarbeiter beschäftigt. Die jungen Frauen und die Männer werden bei ihrer Tätigkeit am Service oder am Schalter häufig körperlich angegriffen und beleidigt“, berichtete sie. Die Hauptursache: Täter rasten aus, wenn sie kein Geld ausbezahlt bekommen. Deshalb werde bei der KSK seit drei Jahren ein Deeskalationstraining angeboten. „Die Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft nimmt zu und wir wollen unsere Mitarbeiter stärken“, resümiert die Personalchefin, die überdies Kinder in den Blick nahm. Sie würden nicht nur unter der Gewaltbeziehung der Eltern leiden, sondern auch selbst Opfer von Gewalt werden. Die Rechtsanwältin Ingrid Hönlinger erinnerte daran, dass die 2011 beschlossene Istanbul-Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zwar 2018 in Deutschland in Kraft getreten, das Sexualstrafrecht aber nicht angepasst worden sei. „Gewalt gegen Frauen ist eine Menschenrechtsverletzung und eine Diskriminierung“, so Hönlinger.

Dass auch Paarkurse präventiv wirken, machte der Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung, Jörg Maihoff, deutlich. „Richtiges Kommunizieren verhindert, dass eine Beziehung in Aggression und Gewalt mündet“, so Maihoff. Er machte außerdem auf ein weiteres Thema aufmerksam: Auch Prostitution sei Gewalt, das zeige der Film „Bordell Deutschland“, den die Katholische Erwachsenenbildung am 11. Dezember im Scala-Kino mit anschließender Diskussion zeigt.

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