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39. Schwarzpulverschiessen

Böllerschüsse im Westernlager

8000 Besucher kommen ins größte Wildwestcamp im Süden – 1000 Schüsse aus Vorderladern und Modellkanonen abgefeuert

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Kanoniere von 1861 im Sersheimer Westernlager. Auch in diesem Jahr bevölkerten zahlreiche Freunde des Wilden Westen das Gelände beim Schützenverein.Fotos: Alfred Drossel
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Ludwigsburg. Zum 39. Schwarzpulverschießen des Schützenvereins Sersheim sind am Wochenende mehr als 8000 Besucher gekommen. Im schon seit Wochen aufgebauten Westernlager wohnten knapp 300 Verkleidete in Zelten und Tipis. Beim Schießen wurden rund 1000 Schüsse aus Vorderladern und Modellkanonen abgefeuert.

Der 55-jährige Jürgen Gekeller von der Schwäbischen Alb arbeitet in seinem Zivilberuf als Disponent. Am Wochenende aber war er Kanonier an einer Kanone von 1861 aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. Zusammen mit dem 50-jährigen Hans-Dieter Forster aus Bamberg, von Beruf Kraftfahrer, bedient er die Nachbildung der historischen Waffe.

Der 15-jährige Felix Donsbach aus Backnang hilft derweil seinem Vater. Die beiden handeln mit Indianer-und Westernkleidung und haben ihr Angebot auf großen Decken auf dem Boden ausgebreitet. Kevin Häussner fällt als Schotte etwas aus der Reihe in Sersheim. Ansonsten sind alle Facetten der amerikanischen Pionierzeit im größten Westerncamp Süddeutschlands zu erleben.

Vor dem Saloon bietet ein indianischer Verkäufer seine Mittelchen gegen Schlangenbisse und böse Schwiegermütter an. Im wohlbeheizten Saloon werden Steaks, Westernbrote und Eintopf serviert. Auf dem großen Marktplatz am Schützenhaus gibt es alles zu haben, von Fellen bis zum Silberschmuck und von Waffen bis zu stilechten Kleidungsstücken. Das Wetter ist natürlich auch ein Thema, wenn historisch Begeisterte zelten. Da verzichtet bei der Kälte der vergangenen Tage mancher schon einmal auf den Lendenschurz und das historische Schuhwerk.

Seit 39 Jahren organisiert Robert Supper (76) als Marschall Graubart dieses Westerntreffen. Nicht bloß um den 1. Mai findet das Spektakel auf der Baumwiese am Waldrand, nahe der Umgebungsstraße, statt. Schon von Ostern an tauchen Westernfans in die Zeit von Trappern und Indianern ab.

Robert Supper stellt fest, dass immer mehr junge Leute Spaß an dem Lager haben. Während die Zeltstadt noch nie so groß war wie diesmal, nimmt die Zahl der Schützen ab. Dennoch haben um die 80 Vorderladerschützen und Kanoniere mit Modellkanonen an dem Wettbewerb teilgenommen und dabei mehr als 1000 Schüsse abgefeuert. Supper braucht ein hundertköpfiges Team, um diese Veranstaltung durchziehen zu können. Sersheim hatte am Wochenende doppelt so viele Besucher wie Einwohner. Das Schwarzpulverschießen hat die Gemeinde bundesweit bekannt gemacht. Nächstes Jahr findet es zum 40. Mal statt.