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Begegnungen in den Steillagen
Der schönste Arbeitsplatz der Stadt

Drei Generationen im Weinberg: Christian, Rainer und Anna Kopp im Terrassenweinberg in Neckarweihingen. Der Weinberg wurde vor Jahren aus vollster Überzeugung und für viel Geld gekauft. Heute ist er kaum noch einen Euro wert. Foto Uli Ostarhild
Drei Generationen im Weinberg: Christian, Rainer und Anna Kopp im Terrassenweinberg in Neckarweihingen. Der Weinberg wurde vor Jahren aus vollster Überzeugung und für viel Geld gekauft. Heute ist er kaum noch einen Euro wert. Foto Uli Ostarhild
Im Weinberg mit Rainer und Christian Kopp in Neckarweihingen – Viel Leidenschaft, aber geringe Wirtschaftlichkeit

Von den 2,5 Hektar Rebflächen im landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaften Rainer und Christian Kopp rund ein Drittel in den Steillagen, wo kein Traktoreinsatz möglich ist. Die wilde Romantik der Steillagen am Neckar hat Rainer Kopp schon als jungen Mann fasziniert. „Nichts war zu steil, zu hoch oder zu anstrengend, um das nicht zu schaffen. Also habe ich vor mehr als 30 Jahren einen Steillagenweinberg nach dem anderen gekauft oder gepachtet“, erzählt er. Die Weingärtnerfamilie Kopp hatte ursprünglich nur „Normallagen“ in der Nähe des Dorfes. „Die grünsten Weinberge an den Neckarhängen sind dem Kopp seine“, hieß es damals im Dorf. Darauf war man dann schon ein bisschen stolz.

Für seinen Sohn Christian ist der Steillagenweinberg der schönste Arbeitsplatz in ganz Ludwigsburg. „Wirklich ein Traum, bei diesem Blick auf den Neckar im Weinberg zu arbeiten“, so der Landwirtschaftsmeister. Aber bei allem Herzblut, das die ganze Familie in die Weinberge setzt, ist es leider fraglich, wie lange sie die Steillagen noch bewirtschaften können. Denn der Kostendruck auf den Betrieb wächst enorm.

Doch die Arbeit im Kopp’schen Weinberg läuft etwas anders als im herkömmlichen Wengert. „Um das Unkraut zu unterdrücken und um Humus nachhaltig aufzubauen, bringen wir schon seit 20 Jahren Stroh zwischen den Rebzeilen aus“, erläutert Rainer Kopp. Durch das Stroh werde auch der Boden gegen Austrocknung und gegen die Erosion bei Starkregen geschützt. Jahr für Jahr wächst die Humusschicht auf den Terrassen heran. Aber die Strohballen müssen Stück für Stück mühsam in die Weinberge getragen und das Stroh verteilt werden.

Round-up, das kritisierte Total-Herbizid, wird im ganzen Betrieb, auch im Gemüse und in den Normallagen, bei Kopps nicht eingesetzt. Er hat allerdings auch Verständnis für die Kollegen, die es von der Arbeitswirtschaft her nicht ohne das Unkrautbekämpfungsmittel schaffen.

Die Arbeit in den Steillagen ist mühevoll und zeitintensiv. „Wenn man die Trauben an die Genossenschaft abliefert und den Aufwand mit dem Traubengeld entlohnen muss, ist das nicht rentabel“, so Rainer Kopp. „Wenn man wie wir die Weine selbst ausbaut, vermarktet und über die Weinstube verkaufen kann, steht man etwas besser da.“ Allerdings müsste der Liter Wein aus den Steillagen zehn Euro kosten, wenn man die Stunden rechnet, so Christian Kopp.

„Die Arbeit im Weinberg ist nicht hart. Sie ist knüppelhart. Ohne unsere rumänischen Saisonarbeiter würden wir das nicht schaffen.“ Wenn sie diese Mitarbeiter nicht mehr beschäftigen könnten, aus welchem Grund auch immer, sei es kaum vorstellbar, die Steillagen in der Form der jetzigen Finanzierung weiter zu bewirtschaften. Die Finanzierung der Steillagen müsse ihrer Meinung nach künftig über verschiedene Schienen laufen: Erstens über einen vernünftigen Preis, der dieser Qualität und diesem Aufwand entspricht. Zweitens über eine auskömmliche staatliche Förderung. Bislang ist dies nicht ausreichend. Betriebswirtschaften haben berechnet, dass zur Kostendeckung 7000 bis 8000 Euro staatlicher Zuschuss erforderlich wäre, pro Hektar – zusätzlich zu dem Traubengeld der Genossenschaft. Derzeit gibt es 3000 Euro pro Hektar für die Bewirtschaftung der Steillagen von staatlicher Seite. Die Wengerter-Kollegen der Kopps sagen klipp und klar: „Es lohnt sich nicht.“

„Die Stadt hat jahrelang profitiert von der Kulturlandschaft, jetzt macht man sich Sorgen um die Landschaft. Die Steillagenweinberge verholzen so langsam. Im vorderen Bereich Richtung Neckarweihingen werden nur noch zwei von fünf Weinbergen bewirtschaftet, der Rest ist gerodet oder verbuscht“, beobachtet Christian Kopp.

Die Stadt zeigt Entgegenkommen: „Was mich richtig freut, ist, dass die Stadt Ludwigsburg die Kosten für den Hubschraubereinsatz für den Pflanzenschutz übernommen hat“, so Kopp Senior. „Ohne Zweifel wären die Steillagen von heute auf morgen nicht mehr zu bewirtschaften, wenn es keinen Helikoptereinsatz mehr gäbe. Stellen Sie sich vor, einen langen, schweren Spritzschlauch zehnmal im Jahr 100 Meter in den Weinberg zu ziehen. Das ist nicht machbar.“

Ob seine Enkelin Anna, wenn sie groß ist, auch im Weinberg schaffen will, weiß sie noch nicht.