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Ausstellung

Die Eier zu Ostern als filigrane Kunstwerke

In knapp fünf Wochen ist Ostern. Doch überall wird schon jetzt österlich geschmückt. Im Mittelpunkt stehen dabei bunt bemalte und verzierte Eier. Im Hornmoldhaus trafen sich am Wochenende jede Menge Künstler, um ihre Eier und die dazugehörigen Techniken vorzustellen.

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Filigrane Eierkunst von Georg Binder und zum Größenvergleich die kleinen und großen Werke von Dragica Reister.Fotos: Alfred Drossel
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Filigrane Eierkunst von Georg Binder und zum Größenvergleich die kleinen und großen Werke von Dragica Reister.Fotos: Alfred Drossel

Ludwigsburg. Es ist eine der ersten Ostereierausstellungen im Landkreis. Zehn Kunsthandwerker aus der ganzen Region zeigten ihre unterschiedlichen Techniken. Bewundert wurde Georg Binder aus Steinheim, der mit winzigen Bohrern und Fräsern filigrane Kunstwerke aus Eiern unterschiedlicher Größe perforiert.

Die Ostereierkunst ist ein alter Brauch. Unzählige Verzierungstechniken stehen dem Osterfreund zur Verfügung und gewöhnlich wird auf die Schale etwas aufgetragen. Bei den perforierten Ostereiern ist es umgekehrt, hier entspringen die Motive durch abtragen der zerbrechlichen Eierschale.

Mit ruhiger Hand und stundenlanger Konzentration wird mit einem Bohrer der fragilen Schale zu Leibe gerückt. Bei Straußeneiern kommt ein kleiner Fräser zum Einsatz. Georg Binder ist ein Meister der filigranen Perforation. Er fertigt Sammlerstücke aus Gänse- und Enteneier mit vielen Motiven. Leise surrt die Maschine mit der biegsamen Welle. Voll konzentriert umschließt er das ausgeblasene Gänseei. Nicht zu locker, nicht zu fest, um Vibrationen und Risse zu vermeiden. Binder fräst feine Stege, kleinste Dornenspitzen aus. Je nach Schwierigkeitsgrad braucht er bis zu 40 Stunden für ein fertiges Ei.

Antje von Döhren aus Bissingen praktiziert die mittlerweile sehr beliebte Serviettentechnik. Diese Technik ist auch als Découpage bekannt. Das Motiv wird einer Serviette entnommen, ausgeschnitten und auf das Ei geklebt.

Eine ganz andere Technik praktiziert Dragica Reister aus Tamm. Sie liebt die Maniermalerei und findet feine, meist Blumen-Motive, die sie auf winzige Wachteleier oder auf riesige Straußeneier malt. Da findet sich schon mal auch ein Elefant auf dem Ei.

Nelli Coca aus Neckarsulm zeigt, wie in Schlesien die Ostereier in Kratztechnik verziert werden. Auch Ursula Remmele und Emma Schläger vom Bietigheimer Böhmerwaldverein pflegen die Kratztechnik aus der alten Heimat. Die Kratz- oder Ritztechnik besticht durch die filigranen Ornamente und den geringen technischen Aufwand, da neben einem Farbtopf nur ein spitzer Gegenstand benötigt wird. Dafür erfordert diese Technik viel Geduld. Etwa vier Stunden werden zum Verzieren eines Eies benötigt. Die Eier sollten eine feste Schale und eine glatte Oberfläche aufweisen. Zunächst wird das Ei kräftig gefärbt. Mit einem spitz geschliffenen Gegenstand werden nun die Ornamente auf das Ei gekratzt, wobei unter der Farbschicht die weiße Eischale zum Vorschein kommt.

Hannelore Nowocien aus Beilstein klöppelt feine Motive, die freilich keine Eierwärmer sind, sondern kleine filigrane Kunstwerke. Doris Söhner aus Untergruppenbach zeigt Eierkunst aus Osteuropa. Die Kunst Ostereier fantasievoll zu bemalen wurde vor allem in den östlichen Teilen Europas gepflegt.

Den Mustern und Bildern auf den bunten Ostereiern kommt eine besondere Symbolik und Bedeutung zu. Hier stehen die aufgemalten Tropfen oder Punkte für die Tränen der Gottesmutter Maria. Ein Dreieck symbolisiert die geistliche Dreieinigkeit. Wellen sind das Zeichen für Wasser, die in der christlichen Theologie ja auch für den Heiligen Geist steht. Die Endloslinien symbolisieren die Auferstehung und damit das ewige Leben. Gemalte Pflanzen und Tiere stehen stellvertretend für die Natur, das Leben und die Gesundheit.

Ergänzt wurde die Eierschau im Hornmoldhaus durch Konditorenkunst von Theo Lang aus Pforzheim und mit frühlingshaften Papierarbeiten von Evi Dannenberg aus Bietigheim-Bissingen. Michaela Schwarz aus Lichtenstein zeigte Modeln aus dem Änis-Paradies Feller. Kinder konnten im Aktionsraum Eier dekorieren.