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Die Partnerschaft trägt erste Früchte

Die Ecuador Brass Band setzt sich für ein gutes Leben der Menschen in Ecuador ein. Foto: Holm Wolschendorf
Die Ecuador Brass Band setzt sich für ein gutes Leben der Menschen in Ecuador ein. Foto: Holm Wolschendorf
Ludwigsburg und Ambato in Ecuador verbindet eine Klimapartnerschaft. Angestoßen vom ecuadorianischen Honorarkonsulat Baden-Württemberg mit Sitz in Ludwigsburg, hat diese Partnerschaft schon einiges bewirkt. Wenngleich noch nicht alle Ziele erreicht wurden.

Am 10. August steht der Nationalfeiertag im ecuadorianischen Terminkalender. Denn an diesem Tag im Jahre 1809 lehnte sich die Bevölkerung in der Hauptstadt Quito erstmals erfolgreich gegen die spanischen Kolonialherren auf, nach einem Aufstand wurde damals der spanische Statthalter abgesetzt. Bereits einige Tage vor diesem einschneidenden Datum der Geschichte des Andenstaates fand am Samstag anlässlich des Nationalfeiertags ein Fest im ecuadorianischen Honorarkonsulat am Marktplatz statt. Eine Ausstellung machte deutlich, dass die von Honorarkonsul Siegfried Rapp initiierte Klimapartnerschaft zwischen Ludwigsburg und Ambato erste Früchte trägt.

Auch wenn 2019 sowohl in Ludwigsburg als auch in Ambato ein neuer Bürgermeister ins Amt gewählt wurde, halten beide Kommunen an der Kooperation fest. Die Partnerschaft sei für beide Seiten ertragreich, betonte Cristina Orphal, Mitarbeiterin des Honorarkonsulats, als sie die Besucher durch die Ausstellung führte. Ludwigsburg könne von Ambatos Erfahrungen im nachhaltigen Tourismus profitieren, Ambato wiederum erhoffe sich Potenzial beim Bau einer Kläranlage. Denn die fast 180000 Einwohner zählende Kommune ist ein Zentrum der Lederindustrie, verschmutztes Abwasser wird bislang nicht gereinigt.

2019 reisten junge Ludwigsburger gemeinsam mit Honorarkonsul Rapp nach Ecuador, um 1000 Bäume in Ambato zu pflanzen und so ein Zeichen im Kampf gegen den Klimawandel zu setzen. „Diese Reise werden wir so schnell nicht vergessen“, sagt Steve Bellmann, ein Teilnehmer der Delegation. Die Unterbringung in ecuadorianischen Familien habe ebenso wie ein Treffen mit hochrangigen Politikern in der Hauptstadt Quito oder drei Übernachtungen im amazonischen Regenwald dazu beigetragen, das Leben in dem südamerikanischen Land kennenzulernen. Ein Wermutstropfen: Für 1000 Bäume reichte es nicht ganz, so Bellmann, „immerhin konnten wir 444 Bäume pflanzen“.

Im Gegenzug soll auch Ludwigsburg grüner werden, denn das als Teil der Klimapartnerschaft vereinbarte Projekt heißt „1000 Bäume, 100 Bienenweiden.“ Die Bienenweiden entstehen in Ludwigsburg und sollen Rückzugsräume für bedrohte Insekten schaffen. Laut Konsulatsmitarbeiterin Orphal wurden bislang 60 solcher Biotope im gesamten Stadtgebiet angelegt.

Aus der Klimapartnerschaft hervorgegangen ist auch ein Projekt, das die in Ludwigsburg ansässige Deutsch-Ecuadorianische Gesellschaft und die Gemeinschaftsschule angestoßen haben. Schüler waren eine Woche lang im Rotenacker Wald unterwegs und erhielten dort unter anderem von zwei Förstern Einblicke in die Waldwirtschaft.

„Wir haben versucht, den Schülern das ecuadorianische ,Buen Vivir‘ näherzubringen“, berichtet Cornelia Wetzel, Vorstandsmitglied der Deutsch-Ecuadorianischen Gesellschaft. „Buen Vivir“, was ins Deutsche übersetzt „Gutes Leben“ bedeutet, bezeichnet eine Philosophie, die auf einem nachhaltigen Miteinander von Mensch und Natur basiert.

Für ein gutes Leben setzt sich auch die Ecuador Brass Band ein, die bei einer Tour durch Europa Spenden sammelt. Das Ensemble spielt vor dem Honorarkonsulat und unterhält auch die Gäste der umliegenden Gaststätten. Vor 22 Jahren gründete Bandleader Jorge Pachacama in Quito eine Musikschule und unterrichtet seitdem Kinder aus armen Familien, die sich weder Lehrer noch Instrumente leisten können. „Einige Schüler konnten an Musikhochschulen in Europa studieren“, erzählt Trompeter Bryan Pachacama, der Sohn des Maestros. Er selbst ist das beste Beispiel: Bryan studiert Musik in Luzern.