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„Die Straße lebt, das funktioniert nur mit Parkplätzen“

Anlieger der Myliusstraße starten eine Unterschriftenaktion – Für Organisator Markus Stammberger gehört die hohe Frequenz in der Straße zum Leben dazu

Die Myiusstraße ist eine der am stärksten frequentierten Straßen. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Die Myiusstraße ist eine der am stärksten frequentierten Straßen. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Keiner möchte, dass ihm im Café das Auto über den Teller fährt. Markus Stammberger geht es da nicht anders. Doch die Myliusstraße, sagt der Inhaber des Optikergeschäfts Brillen-Mosqua, ist eine besondere Straße, sie ist vielleicht sogar einmalig in der Stadt: „Die Straße lebt“, sagt er, und fügt gleich an, dass dies nur funktioniert, wenn es genügend Parkplätze gibt. Hier in dieser Straße, die die Achse zwischen Bahnhof und Innenstadt ist, gibt es nicht nur Cafés und ein Eiscafé, deren Stühle bis an die Straßenkante stehen. Da sind mehrere Arztpraxen, ein Hörakustiker, mehrere Optiker.

Stammberger spricht von einem „geballten Auftreten von Gesundheitsdienstleistern“, die gut erreichbar sein müssen – für ältere Menschen, für Kranke. Tür aufhalten, manchmal auch aus dem Auto helfen: das alles gehöre zum Alltag dazu. Ohne Parkplätze wären all diese Wege nicht denkbar, die Patienten und Kunden wie auch die Geschäfte und Arztpraxen hätten das Nachsehen, würde man die Stellplätze komplett streichen.

Er möchte alles versuchen, um das zu verhindern. Richtig ärgerlich findet der Geschäftsmann, dass nach einer Entscheidung im Gemeinderat, bei der Grüne und SPD unterlagen, immer wieder die autofreie Straße gefordert wird. Nach der Aktion des Verkehrsclubs VCD, der sich auf einen Parkplatz stellte und erneut die autofreie Variante propagierte, startete er eine Unterschriftenaktion.

Bislang hätten schon Hunderte unterschrieben, sowohl auf Zetteln, die ausliegen, als auch online. Dass er sich derart engagiert und Zeit dafür aufbringt, habe einen einfachen Grund, sagt er. Er möchte jetzt aktiv werden und nicht hinterher jammern. Dabei mache er sich nicht Sorgen um seine eigene Existenz, ihm gehe es um die Innenstadt, um deren Fortbestand. „Wir sollten uns freuen, dass die Stadt lebt“, sagt er – und schließt dabei nichts aus: weder Autos noch Fußgänger oder Busse. Auch Umweltschutz und Grün darf in der Stadt sein, findet er. Allerdings, so seine Sicht, an der richtigen Stelle. In der Myliusstraße wäre es die falsche.

Nur noch elf Parkplätze

Elf Parkplätze gebe es noch, vor Jahren seien es etwa zwanzig gewesen. Der Optiker kritisiert, dass ohne Konzept Veränderungen vorgenommen werden sollten. Dabei hängen, ergänzt er dann doch, auch (Unternehmer-)Existenzen und Arbeitsplätze an den Parkplätzen, zumal der Einzelhandel ohnehin schon schauen muss, wie er zurechtkommt. Manchmal reiche dann ein weiterer Schritt in die falsche Richtung, um Unternehmen oder Praxen zu ruinieren. Statt Stellplätze zu reduzieren, sollten weitere geschaffen werden, so der Initiator der Aktion.

Wie berichtet, hat der Gemeinderat kurz vor der Sommerpause auf Antrag der Grünen über die Streichung der Parkplätze beraten, bei der Abstimmung wurde das Anliegen bei Stimmengleichheit von 20 zu 20 Stimmen knapp abgelehnt. Die Stadtverwaltung verwies darauf, die weiteren Gesamtplanungen rund um den Bahnhof abzuwarten und erst dann über die Myliusstraße zu entscheiden.

Die Zeit möchte Stammberger nutzen, sich bemerkbar zu machen und zu verhindern, dass ohne sie entschieden wird. Er glaubt nicht, dass Änderungen in der Straße nötig sind, zumal alle Anlieger und Kunden damit gut leben könnten. Sie alle werben für die Unterschriftenaktion, die ganze Straße mache mit, so Stammberger. Er bekomme auch viel Zuspruch von älteren Menschen. Die Aktion (auch online: http://chng.it/JXpzbbYL) soll noch bis in den November hinein gehen, danach will man die Liste dem OB übergeben.

Die Myliusstraßen-Aktivisten verweisen auch auf Busfahrer, die ihnen gegenüber angegeben hatten, dass sie trotz der Enge der Straße mit den Bussen gut durchkämen. Im Gemeinderat hatte jedoch Frank Metzger, Betriebsleiter der Ludwigsburger Verkehrslinien (LVL), ausgeführt, dass durch den Parksuchverkehr und ein- und ausparkende Autos die Busse erheblich behindert würden. „Die Straße ist sehr eng und viele Autos parken einfach nicht sauber“, sagte Metzger damals. Er zeigte jedoch Verständnis dafür, dass Arztpraxen auch mit dem Auto erreichbar sein müssen.

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