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Hoheneck

Eine Traglufthalle für Ludwigsburg?

Bekommt das Freibad Hoheneck im Winter eine Überdachung? Darüber tauschen sich derzeit die Stadtwerke und der SV Ludwigsburg aus. Ein Nutzungskonzept, das erstellt wird, soll die Grundlage für die bald anstehende Entscheidung bilden.

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Eine Traglufthalle, hier ein Beispiel aus Düsseldorf (oben), könnte das Schwimmbecken im Freibad Hoheneck überdecken. Fotos: dpa, Kuhnle (Archivfoto)
Eine Traglufthalle, hier ein Beispiel aus Düsseldorf (oben), könnte das Schwimmbecken im Freibad Hoheneck überdecken. Foto: dpa, Kuhnle (Archivfoto)

Ludwigsburg. Fünf Monate werde das Hohenecker Freibad im Winter praktisch nicht genutzt. Die Bundesliga-Wasserballer des SV Ludwigsburg müssen ihre Spiele nach Stuttgart verlegen und man sei ohnehin „an einer gewissen Kapazitätsgrenze in Ludwigsburg angekommen“, sagt Volker Heyn, der Präsident des SVL. Aus diesem Grund liegt die Lösung für das Urgestein, das schon seit 40 Jahren im Verein ist, auf der Hand: Eine sogenannte Traglufthalle, eine Halle aus luftdichten Stoffen, die durch ständigen Überdruck der innen befindlichen Luft ohne sonstige Stützen steht und die im Sommer abgebaut werden kann. Eine solche soll ab 2020 im Hohenecker Freibad eingesetzt werden. Mit einem Nutzungskonzept, das der SVL derzeit erstellt, muss man jedoch noch den Betreiber, die Stadtwerke Ludwigsburg, überzeugen.

So modern das Konzept einer Traglufthalle klingt, ein Pionierprojekt wäre es keineswegs. Eine Traglufthalle in Untertürkheim macht bereits seit Anfang der 1990er Jahre das Inselbad winterfest. Beim HTC Stuttgarter Kickers kann seit Ende 2018 in den Wintermonaten in einer Traglufthalle Tennis gespielt werden. „Das Thema ist kein neues, das kenne ich schon, seit ich Mitglied im Schwimmverein bin“, sagt auch Heyn. Nun scheint es aber ernst zu werden. Derzeit arbeitet der Schwimmverein an dem Nutzungskonzept.

„Es gibt ein verbindliches Angebot für unser Freibad. Die Kosten hat man zusammengestellt. Jetzt bin ich gespannt, wie die Ausnutzung in den nächsten Jahren sein wird. Das macht der Schwimmverein“, berichtet Christian Schneider, Geschäftsführer der Stadtwerke Ludwigsburg. In gut zwei Wochen wisse man Genaueres. „Da werden deutliche sechsstellige Beträge investiert, da muss genau gegengerechnet werden“, sagt Schneider nüchtern. „Was kommt rein? Wie wird es finanziert? Wofür wird es genutzt? Wenn wir Antworten auf diese Fragen haben, wissen wir mehr“, so Schneider.

Euphorischer klingt dagegen SVL-Präsident Heyn: „Wenn ich sehe, wie ausgelastet das Campusbad ist, bin ich zuversichtlich, dass das Anklang findet.“ Man könne mit verhältnismäßig geringem Aufwand viel erreichen, ist sich Heyn sicher. „Vor dem Hintergrund, dass ein Neubau nicht kommen wird, sich die Stadtwerke aber auch Gedanken machen, wie sie das Bäderkonzept weiterentwickeln, sehe ich gute Chancen für die Traglufthalle.“

Bei dem SVL-er schwingt jedoch auch ein wenig Emotionalität im Kampf um die Heimspielstätte seines Vereins mit. „Da hängt Herzblut mit dran“, gibt er zu. „Nun, da das Thema erste Wasserball-Bundesliga hinzukommt, ist es Zeit, das ganze nochmal aufs Tablett zu bringen“, so Heyn, der aber bekräftigt, dass das nicht der primäre Punkt für die Überlegungen seien. „Wir sehen, dass es langsam eng wird, wenn man sich weiterentwickeln möchte“, sagt er.

Bislang habe der Schwimmverband bei den Wasserballspielen in der Pro B der Wasserball-Bundesliga ein Auge zugedrückt und unter Strafzahlung ein Spiel auf kleinem Feld im Ludwigsburger Stadionbad zugelassen. „Nach dem Aufstieg in die Pro A macht er das aber nicht mehr mit, da ist er kompromisslos“, sagt Heyn. In dieser Saison werde man daher in Untertürkheim spielen. „Der Heimspielcharakter ist damit natürlich nicht mehr gegeben. Das ist ein bisschen schade, weil wir viele Zuschauer haben. Das Stadionbad war eigentlich immer ausverkauft.“

Zumindest könnte das Untertürkheimer Inselbad den Sportlern helfen, sich an die Gegebenheiten in einer Traglufthalle zu gewöhnen. Denn seit Anfang der 1990er Jahre wird das Inselbad in den Wintermonaten auf diese Weise überdacht. Das Fazit des Pressesprechers der Bäderbetriebe Stuttgart, Jens Böhm, könnte für Heyn und den SVL allerdings ernüchternd ausfallen: Zwar leiste die Traglufthalle einen wichtigen Beitrag, um in Wintermonaten Vereinen und Schulen dringend benötigte Wasserfläche zur Verfügung zu stellen. „Der Einsatz einer Traglufthalle ist für die Bäderbetriebe aber ein Defizitgeschäft. Die Erstattung für die Belegungen durch Vereine und Schulen ist nie kostendeckend“, erklärt Böhm.

Anschaffungskosten für eine Traglufthallenhaut würden laut Böhm heute bei bis zu 1,2 Millionen Euro liegen. Doch damit ist es nicht getan. „Zu beachten ist, dass es in den Freibädern aufgrund der reinen Sommernutzung keine beheizten Umkleiden und sanitären Bereiche gibt. Diese Kosten sind je nach Einrichtung oftmals deutlich höher als die Traglufthalle selber. „Im Inselbad wurden damals im Jahr 1993 etwa 2,5 Millionen D-Mark hierfür investiert“, sagt Böhm. Hinzu kämen sehr hohe Verbrauchswerte. Auch der Auf- und Abbau sei kostenintensiv.

Welche Kosten auf das Ludwigsburger Freibad zukommen werden und welcher Nutzen dem gegenübersteht, wird in den kommenden Wochen abgewogen. Dann soll eine Entscheidung getroffen werden, ob Ludwigsburg ebenfalls eine solche Traglufthalle erhalten soll. Heyn hofft dabei, dass die Stadtwerke Ludwigsburg mitspielen. „Ich bin relativ zuversichtlich“, sagt er, um sich dann zu korrigieren: „Sagen wir, verhalten zuversichtlich. Am Ende wird es natürlich an den Kosten hängen.“

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