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Eine Welt: Bunte Afrika-Gala mit Tanz, Reden und Köstlichkeiten

„Ihr Deutschen habt die Uhr, wir Afrikaner die Zeit.“ Selbst der städtische Entwicklungskoordinator Saliou Gueye musste lachen, dass der Galaabend zum Abschluss der Ludwigsburger Afrikatage, wieder mit ordentlicher Verspätung begann. Dafür wurde umso länger gefeiert.

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Bamba Gueye sorgte mit seinen Trommeln für Rhythmus.Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Es war aber auch irritierend: Der Beginn war auf 19 Uhr festgesetzt, auf den Eintrittskarten stand aber 20 Uhr. Das machte so manchen der 250 Gäste im Louis-Bührer-Saal der Kreissparkasse ungewollt unpünktlich. Am Ende störte die Verzögerung aber niemanden. Ausgelassen war die Stimmung, locker die Atmosphäre, gut die Gespräche, schweißtreibend die Tänze und lecker das Büffet.

Auch Oberbürgermeister Werner Spec kam mit seiner Partnerin zu spät. Er sagte, „nicht nörgeln, sondern machen“ sei das Gebot der Stunde. Der Galaabend sei eine gute Gelegenheit, Bande zu knüpfen, so Spec. Wichtig sei, die Verhältnisse in Afrika zu stabilisieren und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Gefestigte Strukturen seien die besten Waffen gegen extremistischen Terror. „Daran führt kein Weg vorbei.“

Ludwigsburg als Vorreiter

Ludwigsburg spiele bundesweit eine Vorreiterrolle in Afrikaengagement und Nachhaltigkeit, betonte Stefan Wilhelmy, der Kommunen in Sachen „Eine Welt“ berät. „Die Stadt übernimmt seit Jahren globale Verantwortung und ist Vorbild für andere Städte und Gemeinden.“ Ideenreich gebe Ludwigsburg den Takt vor.

Nachdenklicher eine Hommage an einem ansonsten heiteren Abend. Mit einem Bilderbogen wurde dem kürzlich verstorbenen Paulos Tesfazghi gedacht – Erinnerung an einen Mann, der sich immer für die Menschen aus und in seinem Kontinent starkmachte.

Ansonsten wurde die dreimal Zehn zelebriert. Zehn Jahre Afrikatage in Ludwigsburg, zehn Jahre Förderkreis Burkina Faso, zehn Jahre Initiative „Afrika hilft Afrika“. Bürgermeister Konrad Seigfried erläuterte nach einem kurzen Einspieler, wie sich alles entwickelt hatte und was in dieser Zeit alles umgesetzt wurde. „Entwicklungsarbeit liegt Ludwigsburg am Herzen“, betonte er.

Exotisch und üppig war die Speisenauswahl: Injara aus Eritrea, Fladenbrot mit Rindfleisch oder Linsensoße. Reis mit Curry und Kokos, mit Thunfisch gefüllte Teigtaschen namens Fataye, Lamm mit Erdnusssoße aus dem Senegal. Frittierte Kochbananen, Akume mit Spargel, Shrimps und Rind, Reistörtchen Ablo mit Fisch und frischer Tomatensoße aus Togo. Cuscus mit Rind und Gemüse aus Marokko. Von dort kamen auch der Pfefferminztee und die vielfältigen Süßigkeiten.

Einen kleinen Ausschnitt aus ihrem Projekt zur Migration „Hoffung Europa – Flüchtlinge aus Afrika“ präsentierten Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums. Dieses Theater-Musical hatte schon im Februar seinen großen Auftritt. Die Botschaft ist klar: Toleranz und Vielfalt ja, Rassismus nein.

Soul gegen Rassismus

Sagt auch Thabilé. Die Südafrikanerin aus einem Township von Soweto stellte ein paar Songs aus ihrem Debütalbum „Dlamini Echo“ vor. Mit ausdrucksstarker und warmer Stimme thematisiert sie Erinnerungen an unbeschwerte Tage des Zusammenhalts, aber auch von Armut. Ihre Lieder sind authentisch, positiv und traurig. Sie setzt mit Soul Statements gegen Rassismus, Armut und Missbrauch. Zwischendurch amüsierte das Improtheater Harlekin. Es komponierte den „Starlight“- in „Kongussi-Express“ um.

Der senegalesische Tänzer und Choreograf Bamba Gueye hatte das abwechslungsreiche, über vierstündige Programm eingetrommelt. Kurz vor Mitternacht leitete er über zur Party mit Afropop und HipHop, die bis in die Nacht hinein ging. Auf die Uhr schaute zu diesem Zeitpunkt längst keiner mehr.