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Rathaussturm Mistelhexen Neckarweihingen
Erste Bürgermeisterin wehrt sich vergeblich gegen den Ansturm der Narren

Sehr traurig sieht Renate Schmetz auch nicht aus, als die Erste Bürgermeisterin den Neckarweihinger Mistelhexen mit Zunftmeister Stefan Diefenbach das Regiment überlassen muss.
Sehr traurig sieht Renate Schmetz auch nicht aus, als die Erste Bürgermeisterin den Neckarweihinger Mistelhexen mit Zunftmeister Stefan Diefenbach das Regiment überlassen muss. Foto: privat
Die Narren sind da: Die Mistelhexen eroberten das Rathaus Neckarweihingen im Sturm – die Insignie der Macht, der Narrenbesen, ist weithin zu sehen.

Ludwigsburg. „Narri-Narro, die Zeit ist nah – die Mistelhexen stehen wieder da!“ Mit dem Ruf von Zunftmeister Stefan Diefenbach und lautem Getöse wurde die Bürgermeisterin Renate Schmetz beim Rathaussturm der Mistelhexen in Neckarweihingen um ihren wohlverdienten Büroschlaf gebracht.

Rathaussturm bei sonnig-kaltem Wetter

Bei herrlichstem Winterwetter hatten sich die Neckarweihinger Mistelhexen am vergangenen Sonntag zum Narrenbesenstellen und Rathaussturm bei Glühwein, Punsch und Leckereien vor dem altehrwürdigen Neckarweihinger Rathaus versammelt.

Unterstützung im Rathaussturm bekommen die Narren von vielen Neckarweihingern.
Unterstützung im Rathaussturm bekommen die Narren von vielen Neckarweihingern. Foto: privat

Doch bevor der riesige Besen gestellt und der Stadtobrigkeit die Leviten gelesen wurden, ging es zum närrischen Gottesdienst in die Laurentiuskirche. Dieser ökumenische Gottesdienst ist fester Brauch und Bestandteil der Neckarweihinger Fasnet. Bisher fand er immer zum Umzug statt, doch weil der wegen der Bundestagswahl am 23. Februar ausfällt, wurde er vorverlegt. Laut Diefenbach bleibt das mit dem Gottesdienst auch so, „immer vor dem Narrenbesenstellen und Rathaussturm“.

Ökumenischer Gottesdienst mit Häs und Büttenrede

Der Hausherr der evangelischen Laurentiuskirche, Pfarrer Olaf Digel, und sein Kollege aus der katholischen Gemeinde, Frank Schöpe, freuten sich über eine gefüllte Laurentiuskirche. Die Predigt hielt Frank Schöpe in Form einer Büttenrede, in der er allen Anwesenden und auch seiner eigenen Kirche den „närrischen Spiegel“ vorhielt. Aktiver Hästräger bei den Reichenberger Burghexen aus Oppenweiler, hatte Schöpe sich mit seinem eigenen Hexenhäs dazu in Schale geworfen.

Gottesdienst vor dem Rathaussturm in der Laurentiuskirche.
Gottesdienst vor dem Rathaussturm in der Laurentiuskirche. Foto: privat

Nach dem Kirchgang machte sich der Tross mit den Kindern des Kinder- und Familienzentrums Neckarweihingen auf zum Rathaus, wo sich viele Schaulustige schon zusammengefunden hatten. Die Mistelhexen ließen es sich nicht nehmen, die Umzugsstrecke närrisch zu dekorieren. So zeigte sich das Narrendorf Neckarweihingen trotz aller widrigen Umstände von seiner schönen närrischen Seite.

„Aufstand Jahr für Jahr“

Aus dem Büroschlaf im Rathaus geweckt, tat Erste Bürgermeisterin Renate Schmetz schlaftrunken ihren Unwillen kund. „Das ist ja wohl nicht wahr – dieser Aufstand Jahr für Jahr“… „Ihr stört! Lasst mich nun weiter ruh`n – oder habt ihr nix besseres zu tun…?“

Der Zunftmeister der Mistelhexen, Stefan Diefenbach, umringt von Hexen und Schaulustigen vor dem Rathaus.
Der Zunftmeister der Mistelhexen, Stefan Diefenbach, umringt von Hexen und Schaulustigen vor dem Rathaus. Foto: privat

Beim verbalen Schlagabtausch zwischen Zunftmeister Stefan Diefenbach, der großen Narrenschar und der Stadtobrigkeit bekamen die Protagonisten aus Bund, Land und Kommune traditionell ihr Fett weg. „Ein Wort fällt hart, der Ton wird rau – doch Olaf tut ach so schlau: Was gestern war, das weiß ich nicht – das war doch sicher nur ein Gerücht!“.

Erste Bürgermeisterin Renate Schmetz übergibt Schlüssel

Zum guten Schluss beugte sich die städtische Obrigkeit dieser närrischen lauten Übermacht, und die Erste Bürgermeisterin gab klein bei: „Ich hörte das oberste Gesetz des Narren – ist, glaube ich, auch jedem klar. Keinem zum Leid, doch jedem zur Freud. Das ist mein Wunsch und soll gelten ab heut! Ich geb euch nun freundschaftlich die Hände – überreiche euch den Schlüssel, und der Streit hat ein Ende!“

Das Narrenbaumstellen vor dem Rathaus gehört natürlich dazu.
Das Narrenbaumstellen vor dem Rathaus gehört natürlich dazu. Foto: privat

Unter Jubel wurde der Rathausschlüssel vom Hexensamen vertrauensvoll entgegengenommen und als Zeichen der Herrschaft die Zunftfahne der Fasnetzunft „Mistelhexen“ entrollt. Mit der rheinischen Frohnatur und Karnevalsanhängerin Renate Schmetz, die jedes Jahr für die Reise in den Norden eigens Urlaub nimmt, haben die Mistelhexen ohnehin eine Partnerin im Geiste.

Dank für Renate Schmetz‘ vergeblichen Kampf für den Umzug

Stefan Diefenbach bedankte sich ausdrücklich bei ihr: Sie habe sich trotz aller Schwierigkeiten bis zum Schluss für den Fasnetumzug in Neckarweihingen verkämpft. Der fällt wegen der Bundestagswahl am 23. Februar bekanntlich aus. Die Mistelhexen feiern trotzdem: Am 22. Februar geht es in der Willi-Krehl-Halle beim Kinderfasching und Brauchtumsabend richtig rund.

Als Wahrzeichen der Neckarweihinger Fasnet und der erfolgreichen Übernahme der Macht wurde im Anschluss der Narren(baum)besen gestellt. Und die Planungen für 2026 laufen bereits. Stefan Diefenbach: „Ein jeder Narr im Land hat es vernommen, viele werden 2026 wieder nach Neckarweihingen kommen.“

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