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Falschparker werden abgeschleppt

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Die Stadt zieht die Reißleine: Ab sofort gibt es in der Fußgängerzone nicht nur Knöllchen, die Autos werden auch abgeräumt

Ludwigsburg. Über Jahre hat die Stadt „verschärfte Maßnahmen“ angekündigt, um das Wildparken rund um den Marktplatz – und öfter auch mal mitten darauf – zu unterbinden, jetzt greift sie durch: Ab sofort wird in der Fußgängerzone, zu der dieser Bereich gezählt wird, abgeschleppt. Das ist laut Stadt die Konsequenz aus einem jahrelangen Kampf gegen die Autos: „Trotz verstärkter Kontrollen und einem draus resultierenden Verwarnungsgeld von 30 Euro parken täglich Autofahrer ihr Fahrzeug unerlaubt in der Unteren Marktstraße und rund um den Marktplatz.“

„Die Beschwerden aus der Bevölkerung haben deutlich zugenommen“, erklärt der Justiziar der Stadt, Wolfgang Müller. Nach LKZ-Informationen war die Maßnahme im Rathaus bisher umstritten, wollte man doch die Besucher nicht verärgern. Nun haben auch die Kirchen laut Müller darauf gedrängt, sonntags durchzugreifen, weil die Autos zum Gottesdienst teils bis zum Marktbrunnen standen. „Diese haben jetzt ihre Schäfchen informiert.“ Allerdings: Sonntags sind der städtische Vollzugsdienst und der kommunale Ordnungsdienst unterwegs, unter der Woche ist für den städtischen Vollzugsdienst aber um 19 Uhr Schluss. Ob danach weiter kontrolliert – und abgeschleppt – wird, kann Müller auf Anfrage derzeit nicht sagen.

Was hatte die Stadt nicht alles versucht: Doppelschichten am Wochenende, um das Falschparken schon im Keim – also bei der Anfahrt – zu ersticken. Kaum wurde keine Präsenz gezeigt, bot sich dasselbe Bild: Einer nach dem anderen zog schön säuberlich mit seinem Auto in die nicht vorhandenen Schrägparkplätze. Große Blumenkübel, ab Frühling zwischen den Bäumen auf der Unteren Marktstraße platziert, wurden – da aus leichtem Plastik – nach und nach geschickt vor Bäume und Laternenmasten gestellt, um Platz zu schaffen für die Autos.

„Dieser spezielle Innenstadtbereich ist den Fußgängern vorbehalten und auch abends oder nachts kein Gelegenheitsparkplatz“, klingt nun die Donnerstimme aus der Verwaltung angesichts des steigenden Trends zum Wildparken: „Deshalb hat sich die Stadtverwaltung dazu entschlossen, die Falschparker dort ab sofort abzuschleppen.“

Das kommt nicht ganz unerwartet: In einer Art Testlauf, der angekündigt worden war, war die Stadt im Mai 2016 mit dem städtischen Vollzugsdienst und dem kommunalen Ordnungsdienst konsequent gegen Falschparker vorgegangen. Das Hauptaugenmerk lag bei absoluten Haltverboten, engen Stellen mit erschwertem Durchkommen für Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge und Behindertenparkplätzen, die unberechtigt belegt waren. Damals wurden sechs Fahrzeuge abgeschleppt und 107 Strafzettel verteilt.

Bei der zweiten Aktion – ohne Vorwarnung – am 22. September waren es 133 Strafzettel, zehn Autos wurden abgeschleppt. Fünf weitere Fahrer kamen rechtzeitig, so dass ihre Autos wieder abhängt wurden. Was übrigens trotzdem kostet, denn ausgelöst werden muss das Auto allemal, egal ob es auf dem Abschleppwagen steht oder im Hof der Firma. Da kommen auf die Fahrer Rechnungen von knapp 200 Euro zu.

Der Druck steigt: Blieben die Strafzettel für Falschparker im Parkverbot 2015 und 2016 mit rund 70 000 etwa auf dem gleichen Stand, sah das mit dem Abschleppen anders aus. 2015 wurden über das Jahr 97 Fahrzeuge von Parksündern vom Abschleppdienst entfernt, 2016 waren es bereits 140.

Im Gemeinderat umstritten, pocht die Stadtverwaltung auf die Lenkung des Parkverkehrs. Und bevorzugt die – preiswerteren – Parkhäuser vor den Parkplätzen. Wie berichtet, wurde jetzt die Erhöhung der Parkgebühren an den Straßen beschlossen. Gleichzeitig wurde die Zahl der Kontrolleure um 1,5 Stellen erhöht, die Zeiten wurden bis 19 Uhr ausgeweitet. Unklar ist weiter, ob und wann angesichts der öffentlichen Diskussion auch die sonntags oft zugeparkte Wilhelmstraße in den Fokus der Abschleppdienste kommt.