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Kunstzentrum Karlskaserne

Familientag bei den Festspielen

Bereits im vergangenen Jahr geplant und pandemiebedingt ausgefallen, ging am Sonntag der neue Mehrgenerationentag der Ludwigsburger Schlossfestspiele (LSF) über die Bühne. Wobei dieser nicht mehr im Forum, sondern im Innenhof der Karlskaserne zu suchen ist.

Leyla und Kamissa malen an der Staffelei. Foto: Andreas Becker
Leyla und Kamissa malen an der Staffelei. Foto: Andreas Becker

Überhaupt präsentiert sich das Familienevent in vielerlei Hinsicht als neu: Anstelle einer Parade musikalischer Darbietungen von Kinder- und Jugendorchestern lud die Veranstaltung unter dem Namen „We Are Family“ zum Mitmachen ein: An vier verschiedenen Stationen konnten Jung und Alt Workshops besuchen. Die Themen reichten von „Streichinstrumente zum Anfassen“ über Siebdruck bis hin zu „HipHop-Urban Style“ und Familientheater – mehr Runderneuerung als Facelift ist diese Neukonzeption des LSF-Familientags.

In enger Zusammenarbeit mit allen Institutionen, die aus der Karlskaserne schon das ganze Jahr über einen Hort für junge Kreativität machen, ist ein Programm erarbeitet worden, das möglichst viele Sparten der Kunst umfassen und zur Interaktion auffordern soll. „Wir möchten die Menschen zur Teilhabe animieren, ein Angebot machen, aktiv zu werden“, sagte Nadja Rüde, die bei den LSF als Referentin der Intendanz im Fachbereich Education wirkt und das Konzept des neuen Formats gemeinsam mit LSF-Intendant Jochen Sandig und Chefdramaturgin Dr. Bettina Sluzalek entwickelt hat.

Auf einer flachen Bühne gab es „Faszination Flamenco“ mit Suzann Bustani von der Tanz- und Theaterwerkstatt zu erleben, bevor Meike Brandenbusch, Renate Bogenschütz, Mareike Wedler und Frithjof Vollmer im Auftrag der Jugendmusikschule im „SägeWerk“ ihre Streichinstrumente erklärten. Wenigstens spielte das Wetter mit, dachte man sich, als es dem letzten der drei Timeslots entgegenging. Vielmehr: Es war vielleicht sogar ein wenig zu gut. Besonders viel war jetzt nicht mehr los an diesem späten Sommersonntagnachmittag. Das mag am hochsommerlichen Wetter gelegen haben und an der dadurch angeheizten Konkurrenz anderer Aktivitätsangebote, die nun alle gleichzeitig wieder offenstehen.

Wie in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens stellte allerdings zu einem guten Teil wohl auch die Schnelltestpflicht eine große Hürde dar. Wie die Maskenpflicht hatte man diesen zur Auflage gemacht, als „We Are Family“ vor zwei Wochen endlich in den Vorverkauf gegeben werden konnte – nebenbei bemerkt ein Vorverkaufszeitraum, der für Veranstalter jegliche Planung schwierig macht.

Der Neustart der LSF sieht auch bei ihrem Familientag geglückt aus, „auch 30 strahlende Kinderaugen sind strahlende Kinderaugen“, drückte Rüde ihre Zufriedenheit über die Premiere aus. Ab und an griff Sandig selbst zum Leierkasten und zog über den Platz. Vollste Zufriedenheit auch bei Thora Gerstner und Mark Knüttgen, die für die Kunstschule Labyrinth „Malen und Zeichnen an Staffeleien“ anboten: „Schön war, dass wir ohne Zeitdruck arbeiten konnten – viele haben mehrere Bilder gemalt“, so Gerstner.

Während die „Urban Style“-Gruppe von Karoline Liermann zu alten A-Tribe-Called-Quest-Klängen Tanzschritte einfach durchs Zusehen aufzufassen schien, schleuderte die neunjährige Layla Kenserski blaue Temperafarbe gegen die große Papierbahn auf ihrer Staffelei: „Das verläuft so schön“ hat die Nachwuchskünstlerin beobachtet – und das ohne, dass ihr jemand von Jackson Pollock erzählt habe, wie Gerstner versicherte. Wichtiger sei die Erfahrung, aus den Grundfarben alle gewünschten Töne des Farbspektrums mischen zu können.

Sandig hatte unterdessen den Leierkasten gegen eine Boombox eingetauscht und ließ mit „We are family“ den unsterblichen, von Chic produzierten Sister-Sledge-Hit von 1979 über die Fläche der Karlskaserne wehen, gegenüber pumpten sich unter der großen Kastanie die Teilnehmer des Theaterworkshops „Riesenhaft und Klitzeklein“ von Gabriele Sponner und Markus Manthey (Theater inklusiv) gegenseitig mimisch auf, um gleich darauf die Luft rauszulassen – ein Riesenspaß für Groß und Klein, stellte die siebenjährige Kamissa Buckley fest, die mit ihrer Mutter gekommen war.

Ganz niederschwellig folgt der LSF-Mehrgenerationentag dem Beuys’schen Diktum, demzufolge jeder ein Künstler ist. Tatsächlich in der Tradition von Beuys sieht sich der südkoreanische Künstler Brad Hwang mit seiner Umarmungsmaschine, die er als Ergebnis seiner LSF-Residenz aus einer alten Düngemaschine und Teilen von Massagesesseln gebaut hat.

Ursprünglich als Teil von „We Are Family“ konzipiert, feierte das Mitmach-Format „Spoken Moments Poetry“, eine Verbindung von selbst geschriebener Poesie mit Musik von Schubert und Prokofjew, seine Premiere nun auf der Digitalen Bühne und ist ab sofort abrufbar.

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