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Rekordhitze und Trockenheit
Für die Bäume in Ludwigsburg zählt jeder Tropfen Wasser

Wasser marsch in der Körnerstraße: Straßenbäume brauchen jetzt dringend Wasser, um die Trockenheit zu überstehen. Am heutigen Donnerstag werden erneut hohe Temperaturen erwartet. Fotos: Marion Blum
Wasser marsch in der Körnerstraße: Straßenbäume brauchen jetzt dringend Wasser, um die Trockenheit zu überstehen. Am heutigen Donnerstag werden erneut hohe Temperaturen erwartet. Fotos: Marion Blum
Die Hitzewelle bringt Rekord-Temperaturen mit sich. In Ludwigsburg soll das Themometer auf 36 Grad steigen. Auf Regenfälle, nach der die Natur lechzt, muss man weiterhin warten. Ist die Wasserversorgung in Ludwigsburg trotzdem sicher? Und werden öffentliche Grünflächen diese Hitzeperiode unbeschadet überstehen?

Ludwigsburg. „Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim besitzen ausreichend Trinkwasserspeicheranlagen, um die Wasserversorgung auch bei Störungen oder hohem Verbrauch aufrechtzuerhalten“, formuliert Stadtwerke-Sprecherin Astrid Schulte die positive Nachricht. Doch auch wenn aktuell keine Einschränkungen für den Wasserverbrauch gelten, sollten Gärten und Rasenflächen nicht tagsüber bewässert und auch private Pools nicht tagsüber befüllt werden. Dieser Appell soll dazu führen, die Trinkwasserspeicher, wie zum Beispiel am Salonwald und auf dem Fürstenhügel, nicht zusätzlich zu belasten, wenn die Nachfrage tagsüber ohnehin groß ist.

An heißen Tagen wird mehr Wasser verbraucht

Bei steigenden Temperaturen steigt auch der Wasserverbrauch – und zwar deutlich. Am bisher heißesten Tag des Jahres, am 19. Juli 2022, verbrauchte jeder Ludwigsburger durchschnittlich 210 Liter Trinkwasser. Dieser Wert lag deutlich über dem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 112 Litern pro Tag im Jahr 2021. Jede Dusche schlägt mit 50 bis 60 Litern zu Buche, jeder Durchgang in der Waschmaschine mit circa 50 Litern. Hinzu kommt das Gießen von Pflanzen auf dem Balkon oder im Garten, Zähneputzen, Toilettenspülung und vieles mehr.

An heißen Sommertagen gerät aber nicht nur die Wasseruhr in Privathaushalten ins Rotieren. Auch die Stadtbäume haben einen Riesendurst. Und den stillen die Mitarbeiter der Technischen Dienste Ludwigsburg, die dabei von externen Firmen unterstützt werden, mit 20000 bis 25000 Litern Wasser pro Tag, wie die städtische Pressestelle mitteilt.

Junge Bäume sind echte Sorgenkinder

Im Visier hat das Team der Technischen Dienste vor allem Jungbäume. Diese brauchen in den ersten drei Jahren, nachdem sie gesetzt worden sind, viel Wasser. Stauden und Gehölze werden nur in den ersten ein bis zwei Jahren gegossen. Die Wasserrechnung der Stadt Ludwigsburg kann sich jedenfalls sehen lassen: Der Verbrauch für die Bewässerung von Jungbäumen liegt bei mehr als 1,1 Millionen Litern Wasser pro Jahr. Weitere 440000 Liter kommen für das Gießen von Großbäumen hinzu. Werden Bäume normalerweise 15 Mal pro Jahr gegossen, so ist es in Hitzejahren häufiger der Fall, wie die Pressestelle weiter mitteilt. Damit Stauden, Gehölze und Hecken die heißen Sommertage schadlos überstehen, verbraucht die Stadt Ludwigsburg weitere zwei Millionen Liter Wasser. Um Wasser zu sparen und die Bäume effizienter zu versorgen, setzt die Stadt zudem gezielt Gießsäcke ein. Diese geben das Wasser konstant in den Boden ab.

Sportplätze werden regelmäßig bewässert

Außerdem setzt die Stadt Ludwigsburg zudem auf so genannte Klimabäume. Das sind Baumarten, die auch mit Trockenheit zurechtkommen. Damit die zehn Sportplätze mit Rasenflächen bespielbar bleiben und keinen nachhaltigen Schaden erleiden, werden diese momentan ein bis zwei Mal in der Woche beregnet. 170 Kubikmeter Wasser, das sind 170000 Liter, werden bei jedem Gießvorgang verbraucht. An einigen Bäumen geht der Klimawandel nicht spurlos vorüber: Sie überstehen die Trockenheit nicht und sterben ab. Das fehlende Wasser schwächt die Abwehrmechanismen älterer Bäume, die in der Folge anfälliger für Insektenbefall und Pilzkrankheiten werden. Auch wenn ein Baum scheinbar grundlos belaubte Äste abwirft, kann es sich um Trockenheitsschäden handeln, so die Stadtverwaltung.

Bäume und Grünflächen nicht zu gießen, um möglicherweise Wasser und somit Geld zu sparen, ist aus Sicht der Stadt Ludwigsburg keine Lösung: „Ein ausgetrockneter Boden kann kein Wasser aufnehmen. Vielmehr bedarf es einer gewissen Grundsättigung mit Wasser. Ist diese nicht vorhanden, richtet ein Starkregen bei einem trockenen Boden mehr Schaden als Nutzen an.“