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Umwelt

Hohe Kosten durch wilden Müll

Kaffeebecher aus Pappe, zerbrochene Flaschen und sogar Mist aus dem Hasenstall und Bauschrott: Der wilde Müll, den die Leute wegwerfen, kostet die Städte viel Zeit und Geld bei der Entsorgung.

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Viele Leute entsorgen ihren Hausmüll in öffentlichen Mülleimern. Foto: fotolia

Ludwigsburg. Das Phänomen, dass Leute einfach ihren Müll in städtischen Mülleimern oder noch schlimmer irgendwo im Gelände entsorgten, tauchte vor einigen Jahren massiv auf, als die Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises (AVL) die leerungsabhängigen Gebühren einführte – jede Leerung kostete Geld. Der Trend legte sich jedoch wieder, um nun wieder verstärkt aufzutreten.

„Es gibt leider die Tendenz, alles ungeordnet überall wegzuschmeißen“, sagt der städtische Umweltbeauftragte Eric Hirsch. Als eine der Hauptursachen hat er die „To Go“-Mentalität ausgemacht. Kaffee, Essen, Getränke werden in Einwegverpackungen mitgenommen, um sie dann zum Beispiel im Auto oder auf einem Parkplatz zu verzehren.

Nach den Wochenenden kommt der Müll von Partys im öffentlichen Raum dazu. In Steinheim wird zum Beispiel gerne auf den Schulhöfen oder auf der Aussichtsplatte Burgberg gefestet, kaputte Flaschen, Essensreste, Tempos, aber auch in Brand gesetzte Parkbänke sind das Resultat, der Bauhof muss danach aufräumen. Für die 72 Kilometer lange Reinigungstour durch die Stadt mit 215 Mülleimern und 30 Hundetoiletten braucht der Bauhof 1700 Arbeitsstunden im Jahr, berichtet Bauhofleiter Markus Wolf. Hätten früher zwei Leerungen der Container für wilden Müll gereicht, seien es inzwischen schon vier Leerungen. Der für Hundebeutel vorgesehene Container in Höpfigheim im Außenbereich sei regelmäßig mit anderen Dingen gefüllt. „Da haben wir schon Asbestplatten herausgefischt, die wir entsorgen müssen.“

Aber auch der Rasenschnitt oder sogar Abfälle aus dem Hasenstall werden wie in Höpfigheim auf der alten Kreisstraße in Richtung Großbottwar auf öffentlichen Wiesen abgeladen. „Da entstehen ganze Mulden, da kommen welche mit einem Arm voll Reisig und werfen es einfach in die Hecke“, berichtet Hirsch, der sich auch nicht so recht erklären kann, warum die Bürger so verantwortungslos mit ihrer Umwelt umgehen.

Von Grünschnitt in öffentlichen Hecken weiß auch der Marbacher Ordnungsamtsleiter Andreas Seiberling ein Klagelied zu singen, vor allem als der Häckselplatz in Erdmannhausen geschlossen gewesen war, sei das Grüngut einfach in der Nähe abgeladen worden. „Das ist nicht nachvollziehbar.“ Auch normaler Hausmüll werde gerne in den städtischen Abfalleimer entsorgt. „Noch schlimmer ist es, wenn die Mülltüten neben dem Abfalleimer abgeladen werden, weil dann in der Nacht die Krähen kommen und alles verteilen.“ Dies und Essensreste ziehen wiederum ein Rattenproblem nach sich. Rund 35 000 Euro kostet die Stadt Marbach die öffentliche Reinigung jährlich. Rund 6000 Arbeitsstunden investiert der Marbacher Bauhof.

„Das ist eine Dauereinrichtung geworden, dass die Leute einfach ihren Müll in die Gegend werfen“, sagt auch der Murrer Bürgermeister Torsten Bartzsch. Er sieht die Schuld auch bei den Käufern, die Kaffeebecher oder Pappgeschirr kaufen. Für den Müll, der durch die Fastfood-Kette im Murrer Gewerbegebiet produziert werde, habe man extra von der Blattert-Kreuzung bis zur Filiale zusätzliche Mülleimer aufgestellt. Das Unternehmen beschäftigt Mitarbeiter, die den Unrat aufsammeln. Die öffentlichen Mülleimer leert der Bauhof. Zwei Mitarbeiter sind den ganzen Freitagvormittag damit beschäftigt. „Es ist unverständlich, dass die Leute nicht einmal bereit sind, ein paar Meter zum Mülleimer zu laufen“, kommentiert Bartzsch.

Wer bei der Entsorgung von wildem Müll erwischt wird, muss je nach Art und Umfang des Mülls mit einem Bußgeld zwischen 35 Euro und 500 Euro rechnen.