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Umwelt

Infektion an der großen Kastanie

Im Arsenalgarten stehen große Bäume, einer davon hat einen ungewöhnlichen Befall – Stadt schickt Proben ins Labor

Hat eine der großen Kastanienbäume im Arsenalgarten Pseudomonosa? Wenn ja, dann ist das ein Problem nicht nur für diesen Baum. Foto: Ramona Theiss
Hat eine der großen Kastanienbäume im Arsenalgarten Pseudomonosa? Wenn ja, dann ist das ein Problem nicht nur für diesen Baum. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Etwas schmierig, weich fühlt sich die Stelle an der Rinde einer großen Kastanie an, die im Arsenalgarten in der Innenstadt steht und prächtig Schatten spendet. Der Befall, sagt ein kundiger Beobachter, der auch Mitglied im Naturschutzbund ist, sei beunruhigend. Möglicherweise handele es sich um die Bakterienkrankheit Pseudomonosa, die in dieser Heftigkeit und für den süddeutschen Raum selten sei. Bislang hat man diese Baumkrankheit mehr in den Ländern Belgien und Frankreich verortet, in Deutschland hat man sie verstärkt in Nordrhein-Westfalen registriert.

Die Bakterienkrankheit könnte, so befürchtet Leser Dieter Widhalm, den Bestand der Kastanien in Ludwigsburg gefährden. Zu allem Überfluss wird nicht nur auf europäischer Ebene überlegt, die Bakteriose als Quarantäne-Krankheit einzustufen – die Bakterien produzieren auch noch einen Stoff, der Coronatin heißt. So ähnlich das klingt, mit Corona oder Covid-19 hat das nichts zu tun. Für die Bäume kann die Krankheit aber sehr schädlich sein, sie können den Erreger ebenso wenig leicht loswerden wie die Menschen das Coronavirus. Jüngere Kastanien sterben rasch ab und sollten entfernt und verbrannt werden, ältere können vielleicht überleben, heißt es in einem Fachartikel.

Klima erhöht die Anfälligkeit für Krankheiten

Die Kastanien haben damit einen weiteren Feind, nach der Minimiermotte, die Ursache für braune und absterbende Blätter sind, und die Pilze auch die Pseudomonosa. Die veränderten Klimabedingungen und Witterungsextreme, so etwa das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft Brandenburg, sorgen für eine erhöhte Anfälligkeit. Denn das Bakterium gab es auch bislang, konnte den Bäumen aber wenig anhaben.

Die Stadt weiß Bescheid, die Abteilung Grünflächen und Ökologie des Fachbereichs Tiefbau hat sich die Kastanie angesehen und Proben genommen. Denn noch ist nicht sicher, ob es sich um die besagte Krankheit handelt. Die Symptome sind da, die Krankheit kann aber auch mit einer Algenpilzinfektion verwechselt werden, die ebenfalls die Rinde angreift. Für beide Krankheiten gibt es allerdings kein Pflanzenschutzmittel. Noch ist kein Spritzverfahren zugelassen, auch eine Bauminjektion hilft nicht. Wie die Stadt auf Nachfrage mitteilt, wurde die Probe in ein Labor geschickt. Von dort wartet man auf eine Antwort. Diese werde aber dauern, weshalb im Moment keine sicheren Angaben gemacht werden können. Einen ähnlichen Befall habe es auch schon auf der Bärenwiese an Bäumen gegeben, dort sei dann keine weitere Schädigung festgestellt worden. Widhalm hofft, dass man den Baum erhalten kann. „Auf jeden Fall müsste man da was tun“, sagte er. Die Rinde mit einem gelblich-braunen Schleim sei schon sehr typisch für die Krankheit.

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