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Junge Musiker auf musikalischer Reise

Bei der sechsten Auflage des „Schools Day“ der Ludwigsburger Schlossfestspiele begeistern rund 150 junge Musiker der Partnerschulen 600 Besucher im Forum.

Der strömende Regen mag eine Ursache gewesen sein: Mit rund 600 erwartungsfrohen Musikliebhabern präsentiert sich der Theatersaal im Forum eher halbleer als halbvoll, als Thomas Wördehoff das Publikum zum sechsten „Schools Day“ der Ludwigsburger Schlossfestspiele begrüßt.

Ob die Idee, Ensembles ausgewählter Partnerschulen im Rahmen der Schlossfestspiele eine professionelle Plattform zu geben, über die Ära Wördehoff hinaus Bestand hat, muss sich erst noch zeigen. Dessen Appell zum Erhalt, später nochmals vorgetragen von Ralf Kitzberger, dem Vorsitzenden des Freundeskreises der Schlossfestspiele, war den Anwesenden jedenfalls spontanen Applaus wert.

Zukunft des Schools Day unklar

Jochen Sandig, Ende 2016 vom Aufsichtsrat der Schlossfestspiele zum Nachfolger von Wördehoff bestimmt und am Dienstagabend inmitten der Reihen, wird den Wunsch vernommen haben. Bislang halte sich der designierte Festspielintendant allerdings noch bedeckt hinsichtlich seiner konkreten Planungen, so der Tenor unterschiedlicher Quellen. Vielleicht auch aus Respekt vor der Arbeit von Wördehoff, der das Profil der Festspiele nicht nur entschlossen entstaubt, sondern auch mutig geöffnet hat.

Die Argumente dafür liefern die rund 150 Schülerinnen und Schüler selbst. Bereits der Mädchenchor des Goethe-Gymnasiums weiß mit wirkungsvollen Choreografien auf klassisches Liedrepertoire zu begeistern. Das Publikum tobt nach jeder Nummer, von denen eine die andere noch übertrifft: Mit Debussys „Salut printemps“ begrüßen sie den Frühling, synchron und mit beherztem Schwung lassen sie einen zwanzigfachen Bogen aus Magnolienblütenblättern entstehen – was Miriam Müller, zum Solo vorgetreten, während ihres sicheren Vortrags noch ausbaut. In Mendelssohns „Gruß“ setzen die von Susanne Kovalev einstudierten und von Stefanie Franz am Klavier begleiteten Schülerinnen das Fugato in Armbewegungen um, eine Welle, die durch die Sopran- und Alt-Gruppen läuft und stellen sich dann in Herzform auf.

Mit einem „Ade“ auf den Lippen

Über die Stufen des flachen Podests hinweg ihr Reigen zweier konzentrischer, gegenläufig bewegter Kreise zu Schumanns „Waldmädchen“. „Zauberhaft“ hört man von hinten flüstern, bevor der enthusiastische Beifall aufbrandet. Klare Stimmen, klare Artikulation, kristallklar auch die Konturen ihrer Einsätze, ungeheuer leise, komplex und eindringlich ihre Schreitchoreografie auf Schumanns „Der Wassermann“ – mit einem letzten „Ade“ auf den Lippen gehen sie in zwei Gruppen ab.

Anschließend überzeugt das Weltmusikensemble SES der Jugendmusikschule Ludwigsburg (JMS) mit schottischem, türkischem, kurdischem und italienischem Liedgut, wobei insbesondere Sängerin Sila Yumrutepe, unterstützt von den JMS-Lehrkräften Susanne Godel (Blockflöte, Chalumeau) und Peter Pelz (Rahmentrommeln) sowie einer effektvollen Lichtdramaturgie, durch ihre ungeheuer souveräne, sehr komplett wirkende Bühnenpräsenz besticht.

Sowohl in der Türkei als auch unter sephardischen Juden bekannt ist die Melodie von „Daglar Gibi“ beziehungsweise „La Comedia la Manana“, Yumrutepe singt es in beiden Sprachen. Grandios das kurdische Volkslied „Rewend“, ein Klagegesang mit dem Titel „Nomade“ – Yumrutepe hat es in der Kindheit gelernt. Dass Musik selbst eine Art nomadischer Kunstform sei, „auf Reisen geht“ und auch dabei entstehe, ist ein Gedanke, den Wördehoff in seiner Moderation an diesem Abend mehrfach betont: „Die Idee, dass Kultur eine statische Anlegenheit ist, die eine Heimat hat, ist Mumpitz. Kultur ist immer gewandert“, betont er. Musik kenne keine Landesgrenzen.

Mit ihrer Version von „Bella ciao“ geht es in die Pause, nicht ohne daran zu erinnern, dass der Sommerhit von 2018 seine Laufbahn als Protestlied italienischer Partisanen begonnen hat. Mit den drei Sätzen des „Konzert für Marimba und Streicher“, das der französische Komponist und Percussionist Emmanuel Séjourné 2004 geschrieben hat, folgt ein fulminanter Programmhöhepunkt: Atemberaubend virtuos, mit katzengleicher Eleganz klöppelt Kaja Wlostowska die rasanten Läufe und Akkordfolgen aus den Holzlamellen ihres Instruments hervor, nahezu ebenbürtig agiert die 31-köpfige Streichergruppe des Stuttgarter Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums unter der Leitung von Gereon Müller – ein packendes Erlebnis. Dass der von Klaus Müller geleitete Schulchor und die von Michael Kallenberg betreute und am Bass unterstützte Schulband des Helene-Lange-Gymnasiums in Markgröningen mit ihrer Sängerin Naomi Shankaya ihr Programm rund um den Begriff Wasser aufgebaut hat – etwa das Spiritual „Wade in the Water“, Tom Jobims „Agua de beber“ oder TLCs „Don’t Go Chasing Waterfalls“, nicht zu vergessen „Bridge Over Troubled Water“ – offenbart nicht nur Stimm- und Instrumentenbeherrschung, sondern auch ein hübsches Quantum hellseherische „Sensibilität in der Dramaturgie“, so Wördehoffs Würdigung der Markgröninger Programmgestalter.

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