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Ludwigsburger Musikimpulse

Keine Honorarverträge mehr für die Lehrkräfte

Die Jugendmusikschule möchte die Lehrkräfte der Ludwigsburger Musikschule künftig im Angestelltenverhältnis beschäftigen. Dadurch steigen jedoch die Kosten. Das soll aufgefangen werden – unter anderem mit höheren Elternbeiträgen.

Musikbildung ist schon in jungen Jahren wichtig. Bisherige Honorarlehrkräfte sollen nun soziale Absicherung bekommen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Musikbildung ist schon in jungen Jahren wichtig. Bisherige Honorarlehrkräfte sollen nun soziale Absicherung bekommen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Pandemie hat die Ludwigsburger Musikimpulse „richtig hart getroffen“, sagt Wiebke Richert, die Leiterin des städtischen Fachbereichs Kunst und Kultur. Denn die Lehrkräfte dürfen nicht in die Schulen und Kitas. Dort ermöglicht das Programm eigentlich Kindern eine musikalische Grundbildung. Doch in den vergangenen Monaten war dies nicht möglich. Das ist vor allem ein Problem für die Lehrkräfte, die bisher als Freiberufler auf Honorar dort arbeiten. Dies bedeutet: keine Kurzarbeit, keine soziale Absicherung. Das wird schon länger bemängelt, trifft die Freiberufler aber jetzt in der Pandemie besonders hart.

Die Jugendmusikschule (JMS) hat daher vorgeschlagen, die Lehrkräfte dieses Programms ab dem Schuljahr 2021/22 im Angestelltenverhältnis zu beschäftigen. Der Großteil der übrigen Lehrkräfte der JMS werden bereits auf diese Weise beschäftigt. Damit erhofft sich die JMS auch eine leichtere Werbung der Lehrkräfte für den Wiederstart. „Es ist keine einzige Lehrkraft mehr da, weil wir keine Kurzarbeit anbieten konnten“, so Christiane Schützer, die Leiterin der JMS. Der Markt für den elementaren Bereich sei sehr leer. Einige ehemalige Lehrkräfte arbeiteten mittlerweile zum Beispiel als Erzieher. Die JMS stehe mit ihnen allerdings im Kontakt, viele hätten bereits signalisiert, zurückzukommen, wenn das im Angestelltenverhältnis geht.

Durch die Festanstellung entstehen jedoch beim Personal Mehrkosten von 51000Euro. Aufgrund der angespannten Haushaltslage schlagen Stadtverwaltung und Jugendmusikschule nun vor, die Elternbeiträge in den kommenden drei Jahren gestaffelt zu erhöhen. „Aus Gründen der Einheitlichkeit“ sollen auch die Elternbeiträge der Kulturimpulse der Kunstschule Labyrinth erhöht werden. Auch wenn die Lehrkräfte dort weiter mit dem in der Kunstschule üblichen Honorarsatz bezahlt werden.

Bisher ist der Elternbeitrag 11,50Euro im Monat, bis zum Schuljahr 2023/24 soll er dann auf 15Euro angestiegen sein. Wenn die Kosten komplett auf die Eltern umgelegt werden würden, würden die Musikimpulse ab dem nächsten Schuljahr 15,80Euro im Monat kosten. Diese Kostensteigerung könne jedoch eine negative Auswirkung auf die Akzeptanz und Anmeldung im kommenden Schuljahr haben. Deshalb schlägt die Verwaltung und die JMS vor, einen Antrag beim städtischen Fonds Jugend Bildung Zukunft zu stellen. Seit dem Jahr 2005 ist der Fonds ein Instrument, mit dem die Stadt Projekte vor allem an Schulen und Kitas finanziell unterstützt.

Mit 27700Euro aus diesem Fonds für das kommende Schuljahr und zwischen 10000 und 20000Euro in den folgenden Jahren könnten die gestaffelten Elternbeiträge ausgeglichen werden. Ob das Geld aus dem Fonds zur Verfügung gestellt wird, entscheidet der Sozialausschuss Ende Juni. Der Ausschuss für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung (WKV) beschloss am Dienstag bereits, dass die Lehrkräfte zukünftig angestellt werden.

Als Genugtuung bezeichnete Michael Vierling die Lösung, die nun auf dem Tisch liege. „Der Fonds macht es außerdem möglich, dass die Belastung der Stadt nicht zunimmt“, so der Grünen-Stadtrat erfreut. Die Steigerung der Elternbeiträge sei „vertretbar und im sozialen Rahmen“, sagte Florian Lutz (Freie Wähler). Die SPD hätte es zwar gern gesehen, wenn die Stadt die Festanstellung auch ohne eine Erhöhung der Elternbeiträge realisiert hätte, aber der Vorschlag sei in Ordnung, so Daniel O’Sullivan. „Meine Bitte ist aber, die Lehrkräfte vollständig abgesichert und nicht geringfügig zu beschäftigen.“ Das sei nicht geplant, so Christiane Schützer. Sebastian Haag (FDP) machte auf andere Freiberufler in ähnlichen Situationen aufmerksam: „Wie viele kulturschaffende Lehrkräfte arbeiten in Ludwigsburg noch auf Honorar?“

Klaus Herrmann stellte die Frage, ob man ab 2023/24 nicht doch 15,80Euro von den Eltern verlangen könnte. „80Cent sind jetzt kein außerordentlich hoher Betrag“, so der CDU-Stadtrat. Das wolle man allerdings nicht, weil dann Familien, die wenig Geld haben, nicht mehr den kompletten Preis über das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes abrechnen können. Dieses fördert die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft, wie etwa in der Musikschule, in Höhe von 15Euro monatlich. „Wir wollen zumindest ein Programm, das wirklich komplett gedeckt werden kann“, so Richert. Für Familien mit der Ludwigsburg Card werden 50Prozent der Kosten übernommen. Im WKV wurde nun beschlossen, dass die Elternbeiträge im Schuljahr 2023/24 auf 15,80Euro steigen, sollte der Sozialausschuss der Förderung durch den Fonds Jugend Bildung Zukunft nicht zustimmen.

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