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Kriminelle bauen Onlineshop nach
Kinderausstatter aus Ludwigsburg im Internet angegriffen

Inhaberin Joanna Priebe (links) und Mitarbeiterin Evangelia Kadigiannopoulou vor dem Geschäft in der Seestraße 12.
Inhaberin Joanna Priebe (links) und Mitarbeiterin Evangelia Kadigiannopoulou vor dem Geschäft in der Seestraße 12. Foto: Carolin Münch
Der Onlineversandhandel der Ludwigsburger Kleidungsmarke „Liebes von Priebes“ ist Cyberkriminellen zum Opfer gefallen. Wie ist es dazu gekommen?

Ludwigsburg. Inhaberin Joanna Priebe und ihre Mitarbeiterin Evangelia Kadigiannopoulou vom Kleidungsgeschäft „Liebes von Priebes“ staunten nicht schlecht, als vor drei Wochen die ersten Anrufe kamen: Ein Kunde suchte Trinkflaschen, ein anderer wollte etwas von Nintendo kaufen. Das Konzept von „Liebes für Priebes“ fußt auf zwei Säulen: dem Fachgeschäft in der Seestraße und einem Online-Handel. Auf letzterem vertreibt Priebes seit rund zehn Jahren eigene Baby- und Kinderprodukte – Trinkflaschen oder Produkte von Nintendo werden dort allerdings nicht verkauft.

Betrogene melden sich

Kurze Zeit nach diesen ominösen Anfragen meldete sich eine Münchener Firma und warnte: „Achtung, euer Onlineshop wurde gehackt.“

Priebe schüttelt den Kopf, wenn sie die Geschichte erzählt. Es dauerte nicht lange, bis auch die ersten betroffenen Kundinnen und Kunden ihre Schäden polizeilich meldeten. Diese hatten auf dem falschen Onlineshop Waren bestellt und diese bezahlt. Sie erhielten aber weder die bestellten Produkte noch ihr Geld zurück.

„Als die Chemnitzer Polizei anrief, war meine erste Reaktion pure Verwunderung, die sofort in Wut umschlug. Ich dachte: ‚Nicht das auch noch!‘ Plötzlich stehst du vor einem riesigen Berg an Fragen: Was ist als Erstes zu tun? Werde ich mit diesem Problem überhaupt alleine fertig?“

Die Inhaberin, die den Onlineshop selbst aufgebaut hat, zögerte nicht lang. Eine Recherche ergab Gewissheit: Ihr Onlineshop ist gespiegelt worden. Das heißt, er wurde eins zu eins nachgebaut und auf einer falschen Homepage hochgeladen. Neben ihren Produkten gab es plötzlich Marken-Kinderwägen für 70 Euro, Trinkflaschen und Nintendo zu Spottpreisen. Beide Onlineshops unterschieden sich nur anhand der Produktpalette, roten Grafikelementen und fehlerhaften Weiterleitungen, beispielsweise auf lidl.de. Die Hacker schalteten außerdem Werbung auf dem Online-Marktplatz eBay und lockten so nichtsahnende Kundinnen und Kunden auf ihre Fakeshop-Seite.

Joanna Priebe erstattet Anzeige

Priebe erstattete Anzeige wegen Datenklau bei der Ludwigsburger Polizei und informierte die Kriminalpolizei. Ihre Empfehlung: „Die Strafanzeige sollte man umgehend selbst über das Onlineportal der Polizei erstatten – das nimmt einem niemand ab. Auch das örtliche Kriminalamt ist hier ein hilfreicher Ansprechpartner. Zudem sollte man die Fake-Seite bei Google als betrügerisch melden, um andere Nutzer zu schützen.“

In einem zweiten Schritt ging sie gegen den falschen Onlinehändler vor: Sie informierte ihren Provider, den Anbieter ihrer Homepage, über den Fall und nahm Kontakt zu eBay auf, mit der Aufforderung, den falschen Shop möglichst schnell zu löschen. Über die Webseite www.whois.com suchte sie den Eigentümer des falschen Webshops beziehungsweise die Eigentümer von dessen Webadresse. Diese wurde am 24. August 2026 bei einem Provider in Miami gekauft. Zwei Tage später begannen die Kriminellen bereits ihre Verkäufe, bei denen sie sich als das Ludwigsburger Geschäft ausgaben. „Durch künstliche Intelligenz ist es viel einfacher geworden, Onlineshops nachzubauen“, berichtet Priebe.

Sie schickte eine bitterböse Mail nach Miami mit der Aufforderung, den anderen Nutzer sofort zu sperren und das falsche Onlinegeschäft zu löschen. Ein paar Stunden später wurde ihre Bitte umgesetzt. Der Spuk war damit vorerst beendet.

„Ich war drei Tage lang rund um die Uhr damit beschäftigt, alles wieder in Ordnung zu bringen“, berichtet Priebe. Doch es bleiben Sorgen: „Zu der emotionalen Belastung kommt sofort die Angst vor finanziellen Folgen: unvorhersehbare Kosten für teure Spezialisten, der Umsatzausfall durch die tagelange Sperrung des Shops, und finanzielle Einbußen, wenn Google unsere Webseite wegen des Fake-Shops abstraft. Diese Ungewissheit bleibt.“

Info: Wer als Käufer Zweifel an der Seriosität eines Onlineversandhandels hat, sollte die Adresse vor dem Kauf auf dem Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale prüfen: https://www.verbraucherzentrale.de/fakeshopfinder-71560