Ludwigsburg. Ihren Höhepunkt erreicht die Talkrunde am Dienstagabend als es um den Klimawandel geht. Bereits vor der Diskussion hat eine Leserin eine Frage eingereicht. Die richtet sich an den AfD-Mann Martin Hess. Was er gegen die Folgen der Klimaerwärmung tun will, möchte die Frau von ihm wissen.
Auf diese Frage scheint Hess nur gewartet zu haben. Denn er ist der Meinung, dass „man den Klimawandel nicht aufhalten kann“. Man könne sich nur auf dessen Folgen einstellen. Denn der weltweite CO2-Ausstoß werde zunehmen, egal was Deutschland unternehme. Niemand könne die Hauptverursacher USA, Indien und China stoppen. In Richtung der Grünen-Kandidatin Sandra Detzer sagt er: „Sie deindustrialisieren unser Land und der Klimawandel geht weiter.“
Grüne wehrt sich gegen Schwarzmalerei
Diesem Fatalismus kann Detzer nichts abgewinnen. „Wir müssen jeden Cent nutzen, um den Klimawandel abzuschwächen.“ Steffen Bilger (CDU) setzt auf neue, in Deutschland entwickelte Technologien, die den Klimaschutz voranbringen und fordert - wie alle Kandidaten - in den Innenstädten mehr Grün und mehr Schatten.
FDP-Kandidat Oliver Martin kann nicht verstehen, warum alles so langsam vorangeht. „Seit Jahren diskutieren wir. Aber wir müssen endlich etwas machen.“ Er wundert sich darüber, dass zum Beispiel kein Gebäude des Landes begrünt oder mit Photovoltaik ausgestattet ist. Als Beispiele nennt er das Staatsarchiv oder den Turm der Theaterakademie. Ein bisschen Teer weg und schon könnten Efeu oder wilder Wein die Fassaden emporklimmen.
Auch SPD-Kandidat Macit Karaahmetoglu kann mit der Einschätzung von Hess nichts anfangen. „Das würde bedeuten, dass wir in den Tod tanzen, das kann nicht sein.“ Er will bei den Industrienationen ansetzen, die für 80 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich seien.
Angriff auf die AfD
„Mit den Rechten gibt es keinen Klimaschutz“, ist für Nadja Schmidt (Linke) klar. Das sollten die Wähler der AfD ihren Kindern und Enkeln erklären.
In anderen Bereichen liegen die Überzeugungen ebenfalls weit auseinander wie die von Ulrike Trampus und Stephan Wolf aus der Chefredaktion der Ludwigsburger Kreiszeitung moderierte Runde zeigt. Auf die Frage, für welches Projekt sich die Kandidaten nach ihrer Wahl als erstes in ihrem Wahlkreis einsetzen würden, gibt es sehr unterschiedliche Antworten. Karaahmetoglu will sich um den Industrie kümmern und die Energiepreise senken, Nadja Schmidt die eigene Abgeordenten-Diät auf den Durchschnittslohn verringern und den Rest für soziale Projekte im Wahlkreis spenden.
Sandra Detzer wiederum will sich um die Wiederauflage eines Bundesprogramms kümmern, mit dem Fördergeld für die Sanierung des Ludwigsburger Forums beschafft werden soll. Oliver Martin stören dagegen die vielen Fördertöpfe und die damit verbundene Bürokratie. Er will sich stattdessen dafür stark machen, dass die Kommunen einen höheren Anteil aus den Steuereinnahmen des Bundes erhalten. Denn: „Das größte Problem ist die Unterfinanzierung der Städte.“
Steffen Bilger setzt auf das Thema Verkehr. Bei Infrastrukturprojekten gebe es einen Stillstand. Er will Bundesmittel für die S- und die Stadtbahn freimachen, aber auch Geld für ein neues Frauenhaus zur Verfügung stellen.
Hess will die Lea verhindern
Und Hess? Das Thema, das die Menschen in seinem Wahlkreis am meisten beschäftige, sei die geplante Landeserstaufnahmestelle (Lea) für Tausende Flüchtlinge auf dem Schanzacker, ist er sicher. „Weder Asperg noch Tamm noch Ludwigsburg können das verkraften.“ Aus Gründen der Sicherheit und um Geld zu sparen, will er sich dafür einsetzen, dass die Lea nicht gebaut wird.
Auf den öffentlichen Nahverkehr blicken die Kandidaten ebenfalls unterschiedlich. Im urbanen Raum, also zum Beispiel in der Stadt Ludwigsburg, sei dieser gut ausgebaut, so die einhellige Meinung. Der Bus sei teils aber unbeliebt, so Bilger, was für eine Stadtbahn spreche. Detzer fordert mehr Barrierefreiheit. Hess glaubt nicht daran, dass der öffentliche Nahverkehr im ländlichen Raum je konkurrenzfähig zum Auto - in seinen Augen mit Verbrennermotor - sein wird. Oliver Martin mahnt ebenfalls die Barrierefreiheit an und Nadja Schmidt beklagt die Verspätungen. Wichtig sei es, das Personal vernünftig zu bezahlen. Im ländlichen Raum kann Schmidt sich Ruf-Busse vorstellen. Laut Macit Karaahmetoglu darf es nicht sein, dass der ländliche Raum vernachlässigt wird. Das Angebot dort solle zumindest einen Mindeststandard erreichen.
Info: Der komplette LKZ-Talk ist im Internet unter www.lkz.de/livestream zu verfolgen.




