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Freiwilliges Kulturelles Jahr
Kreative Phase zwischen Abitur und Studium

Anna Holzhammer (links)und Emma Schick haben im Bundesfreiwilligendienst Kultur Erfahrungen gesammelt.
Anna Holzhammer (links)und Emma Schick haben im Bundesfreiwilligendienst Kultur Erfahrungen gesammelt.
Elisabeth Schmelzer war Teil des Teams Kunstschule. Fotos: Holm Wolschendorf
Elisabeth Schmelzer war Teil des Teams Kunstschule. Fotos: Holm Wolschendorf
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Ob Freiwilliges Kulturelles Jahr oder Bundesfreiwilligendienst Kultur: Es gibt viele Bezeichnungen für das, was Emma Schick, Elisabeth Schmelzer und Anna Holzhammer in den vergangenen Monaten gemacht haben. In Kultureinrichtungen haben sie praktische Erfahrungen gesammelt.

Ludwigsburg. Bei einem Treffen wird schnell deutlich, dass die drei jungen Frauen die Zeit nach ihrem Abitur im vergangenen Jahr sinnvoll für den Bundesfreiwilligendienst Kultur genutzt und wertvolle Erfahrungen gesammelt haben. Was hat sie dazu bewegt, sich in einer Ludwigsburger Kultureinrichtung zu engagieren? Welche Projekte haben sie umgesetzt?

Projekt über Verfolgung

Jugendlicher in NS-Zeit

Emma Schick, die im Staatsarchiv tätig war, ist während dieser Zeit tief in ein dunkles Kapitel der deutschen Vergangenheit eingetaucht. Die 18-jährige Stuttgarterin hat eine eigene Führung entwickelt, die sich an Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren richtet. Unter dem Titel „Vernichtete Jugend – Verfolgung Jugendlicher im Nationalsozialismus“ erhalten die Teilnehmer anhand von Akten einen Einblick in die Schicksale junger Menschen aus Ludwigsburg und Umgebung. In einem Spiel erleben sie selbst, wie es war, einen Antrag auf Wiedergutmachung zu stellen. „Ich habe mir dafür Akten angeschaut, in denen Betroffene oder deren Angehörige Wiedergutmachung beantragt haben“, so Emma Schick. Diese Schriftstücke schildern das Erlebte aus der Sicht der Betroffenen. Bei dieser Führung geht es auch um den Ludwigsburger Hans Alfred Groß, der aufgrund seiner jüdischen Herkunft im Alter von 20 Jahren deportiert und schließlich im April 1945 bei der Evakuierung des Konzentrationslagers Buchenwald von einem SS-Mann erschossen wurde.

Unterstützt wurde Emma Schick von Dr. Elke Koch, die das archivpädagogische Programm betreut. „Ich durfte während meines Freiwilligen Sozialen Jahrs Kultur in alle Bereiche des Staatsarchivs hereinschauen“, so die 18-Jährige. Sie archivierte Akten von beendeten Gerichtsverfahren, hat aber auch Führungen für die Schüler von Grundschulen und weiterführenden Schulen begleitet. „Es war interessant und hat Spaß gemacht“, zieht sie eine positive Bilanz. Zudem war sie als Landessprecherin Freiwilliges Soziales Jahr Kultur in Baden-Württemberg tätig. Die Akten werden Emma Schick wohl auch weiterhin begleiten: Die 18-Jährige will Jura in Heidelberg studieren.

19-Jährige wurde zum Teil des Teams Kunstschule

Elisabeth Schmelzer war auf der Suche nach etwas Sinnvollem, das sie vor ihrem Studium machen kann – und wurde durch eine Bekannte auf das FSJ-Angebot in der Kunstschule Labyrinth aufmerksam. Der Anfang, so räumt sie ein, sei anstrengend gewesen. Doch schon nach wenigen Wochen habe sie sich an die Arbeitszeit von 39 Stunden plus die Zeit für die Anfahrt gewöhnt.

Das Spektrum der Tätigkeiten reichte von der Unterstützung des Sekretariats bis zur Öffentlichkeitsarbeit und dem Erstellen von Beiträgen für die Social-Media-Kanäle sowie Einsatz bei Veranstaltungen. Bei den Festspieltagen und auch bei der Hip-Hop-Streetdance-Show wurden viele helfende Hände benötigt. „Es war schön, Teil der Festspieltage zu sein“, zieht die 19-Jährige aus Ditzingen eine positive Bilanz. „Der Abschied ist mir schwergefallen“, erzählt die junge Frau.

Es sei etwas ganz anderes, ob man als Besucherin bei einer Kulturveranstaltung dabei sei, oder als Mitwirkender hinter die Kulissen schauen zu können. Sie hat durch ihre FSJ-Stelle bei der Kunstschule Labyrinth auch gemerkt, dass ihr die Arbeit mit Kindern sehr viel Spaß macht. Elisabeth Schmelzer hat sich für den Studiengang Europalehramt an Grundschulen mit dem Schwerpunkt Französisch entschieden.

Bufdi entwickelt Konzept für Klangstraße

Anna Holzhammer aus Bietigheim-Bissingen hat lange Geige gespielt und interessiert sich für Musik. An der Jugendmusikschule praktische Erfahrungen zu sammeln, lag für sie fast schon auf der Hand. In der pädagogischen Einrichtung hat sie bei Verwaltungstätigkeiten geholfen, war aber auch in die Organisation von Veranstaltungen, wie den Tag der offenen Tür und Konzerten der Fachgruppen, involviert. Allerdings, so erzählt sie im Gespräch, sei sie eher zufällig auf die Stelle gestoßen. „Ich fand es toll, in einer ähnlichen Einrichtung mitwirken zu können, die ich selbst besucht habe, allerdings in Bietigheim-Bissingen“, so die 18-Jährige. Ihr habe es viel Spaß gemacht, Kindern Freude an Musik zu vermitteln.

Beim Tag der offenen Tür konnten die kleinen Besucher zwischen zwei und sechs Jahren auf einer Klangstraße, die Anna Holzhammer konzipiert hatte, Musik hautnah erleben. Der Nachwuchs durfte trommeln, auf dem Tambourin spielen und Instrumente ausprobieren, die auch bei der Musikalischen Früherziehung zum Einsatz kommen.

Ihre berufliche Zukunft sieht die junge Frau allerdings auf einem ganz anderen Feld: Sie will Physik studieren.