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Corona

Lehrermasken fallen bei Test durch

Die vom Land an die Lehrer verteilten Masken sorgen weiter für Unruhe. Der Philologenverband, der die Interessen der Gymnasiallehrer vertritt, hat jetzt zwei dieser Masken testen lassen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Filterwirkung beträgt laut dem Test nur 85 Prozent. Kultusministerin Eisenmann will jetzt dafür sorgen, dass die Lehrer FFP2-Masken erhalten.

Der Philologenverband im Land hat zwei der umstrittenen Masken von RYZUR aus China testen lassen – demnach halten sie nur 85 Prozent der Partikel zurück. Foto: Philologenverband/p
Der Philologenverband im Land hat zwei der umstrittenen Masken von RYZUR aus China testen lassen – demnach halten sie nur 85 Prozent der Partikel zurück. Foto: Philologenverband/p

Ludwigsburg. Nachdem die Masken, die vom Land seit Ende Dezember an den Schulen verteilt wurden, großes Misstrauen bei den Lehrern ausgelöst haben, hat der Philologenverband des Landes nun einen eigenen Test gestartet. Zwar war vom Sozialministerium immer wieder beteuert worden, dass die KN95-Masken, die zu Beginn der Coronapandemie im vergangenen Jahr aus China importiert wurden, sicher seien, der Test mit Natriumchlorid-Aerosol (Kochsalzlösung) hat nun aber ein anderes Ergebnis erbracht. „Die Filterwirkung im einschlägigen NaCl-Aerosol-Test beträgt nur 85 Prozent und verfehlt damit deutlich die europäischen Anforderungen an FFP2-Masken (94 Prozent) und auch die an chinesische KN95-Masken (95 Prozent). Eine parallel getestete FFP2-Maske aus deutscher Produktion hatte 97 Prozent Filterwirkung“, schreibt der Philologenverband in einer am Montag verbreiteten Mitteilung.

Und weiter: „85 Prozent Filterwirkung bedeuten 15 Prozent Durchlass. Das ist die fünffache Menge der von der deutschen FFP2-Maske nicht herausgefilterten drei Prozent Aerosole.“

Der Verband erwartet nun, dass das Land die 8,4 Millionen Masken, die bereits verteilt wurden, wieder zurückzieht und an die Lehrer schnellstmöglich vollwertige FFP2-Masken verteilt. „Insbesondere, wenn trotz einer Lockdown-Verlängerung die Schulen ab dem 11. Januar teilweise oder ganz geöffnet werden sollten. Dass das Land diese minderwertigen Masken überhaupt angeschafft und jetzt ohne eigene Prüfung an die Lehrerinnen und Lehrer ausgegeben hat, ist ein echter Skandal, da an den Schulen im Präsenzbetrieb die Abstandsregeln unmöglich einzuhalten sind,“ erklärt der Verbandsvorsitzende Ralf Scholl.

Sozialministerium ist verwantwortlich

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) war am Montag dann auch schnell bemüht, den Schaden zu begrenzen. „Als uns Sozialminister Lucha rund zehn Millionen FFP2-Masken aus dem Lagerbestand des Landes für Lehrkräfte anbot, sind wir natürlich davon ausgegangen, dass es sich um einwandfreie und zertifizierte Ware handelt. Das Testergebnis des Philologenverbands erweckt erhebliche Zweifel an der Qualität der Masken. Ich halte es deshalb für dringend geboten, dass wir unseren Lehrerinnen und Lehrern an den weiterführenden Schulen vollwertige FFP2-Masken zur Verfügung stellen“, ließ sie über ihr Ministerium verbreiten.

Eisenmanns Haus wies am Montag erneut alle Verantwortung von sich. „Das Kultusministerium hat lediglich den Versand organisiert, die Ware kam bereits konfektioniert aus dem Lager, das wiederum in der Ressortzuständigkeit des Sozialministeriums liegt. Da uns mehrere kritische Rückfragen zu den Masken erreicht haben, hatten wir das Sozialministerium wiederholt gebeten, Stellung zur Qualität der Masken aus dem Lager zu nehmen – zuletzt auf Ebene der Amtschefs“, heißt es in einer Mitteilung.

Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) hatte sich zum Jahresende noch beeilt zu versichern, dass es mit den Masken keine Probleme gibt. „Die Atemschutzmasken wurden ursprünglich aufgrund eines akuten Mangels in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen beschafft. Es ist doch klar, dass eine hohe Qualität für uns Priorität hatte“, so der Minister.

Laut Lucha wurden für die Atemschutzmasken aus chinesischer Produktion alle notwendigen Zertifikate vorgelegt. Vor der Verteilung seien sie außerdem stichprobenartig untersucht worden. „Die Prüfung hat ergeben, dass die KN95-Masken die Filtrationswerte nach den Prüfbedingungen einer FFP2-Maske erfüllen, so dass nicht nur auf Grundlage der vorgelegten Dokumente, sondern auch bei technischer Überprüfung ein faktischer Filtrationsschutz der Masken bestätigt werden konnte.“

Ursprünglich waren den Lehrern Masken der EU-Norm FFP2 versprochen worden. KN95 ist eine chinesische Norm, seit vergangenem Herbst dürfen Masken dieser Norm nicht mehr eingeführt werden. Allerdings dürfen die Restbestände noch verteilt werden.

Gefälschte Testsiegel im Umlauf

Schon kurz nachdem die ersten Masken verteilt worden waren, wurde von Lehrern – auch aus dem Kreis Ludwigsburg – Kritik laut. Die Masken riechen seltsam, ihre Filterqualität schien von Anfang an zweifelhaft, Allergiker klagten über Rötungen im Gesicht. Vor einigen Tagen wurde durch einen Bericht im Nachrichtenmagazin Spiegel bekannt, dass an mindestens einer Schule offenbar auch Masken mit einem gefälschten DEKRA-Aufdruck in Umlauf gebracht wurden. Die in dieser Sache zentrale Prüforganisation DEKRA warnte in dem Bericht vor einer Verteilung von Masken mit gefälschten Prüfsiegeln.

Auch gegen diesen Vorwurf wehrte sich das Sozialministerium. Die betroffenen Masken stammten wahrscheinlich aus den Beständen des Bundes und nicht aus denen des Ministeriums, so ein Sprecher.

In den vergangenen Tagen wurden immer wieder Probleme mit Masken der chinesischen Norm KN95 gemeldet. In Deutschland laufen mehrere Rückrufaktionen, weil die Masken nicht halten, was sie versprechen – nämlich 95 Prozent der Partikel zurückzuhalten.

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