Ludwigsburg. Was für ein Start bei dieser WM im Eisschwimmen für den Mann vom Schwimmverein Ludwigsburg! Martin Tschepe, Altersklasse 60, hat bei seinem ersten von fünf Start bei den Meisterschaften in Molveno, Norditalien, gleich den Titel geholt. Weltmeister über die 100 Meter Rücken. Martin Tschepe ist seit 1971 Vereinsmitglied - und als Teenager bei Wettkämpfen bevorzugt Rücken geschwommen. Allerdings in wohl temperiertem Wasser.
So kalt muss das Wasser sein
Beim Eisschwimmen zählen die Rekorde indes nur, wenn das Wasser kälter als fünf Grad ist. Im 50-Meter-Becken in Molveno hatte das Wasser - je nach Tageszeit - ein bis zwei Grad. „Das war richtig, richtig kalt“, erzählt der Mann vom SVL, der bei diesen Bedingungen auch die Mammutstrecke geschwommen ist: 1000 Meter Freistil. Seine 16:47 Minuten haben für Platz zwei in der Altersklasse gereicht. Vizeweltmeister. Martin Tschepe hat ferner den Vizetitel über 50 Meter Rücken und Platz drei über 50 Meter Schmetterling geholt.

Beim Eisschwimmen gibt es ein paar spezielle Regeln: kein Startsprung, keine Rollwenden, erlaubt sind nur eine Badehose (bei den Damen ein Badeanzug), eine Kappe sowie Schwimmbrille und Ohrenstöpsel. Eincremen mit Fett ist tabu - aus Sicherheitsgründen. Im Fall der Fälle muss es schnell gehen, die Helfer müssen einen Eisschwimmer zur Not ganz flott bergen können. Wer wegen Fetts auf der Haut glitschig ist wie ein Fisch, kann von den Helfern aber nicht gepackt werden. Deshalb diese Regel.
Deutsche Sportlerinnen und Sportler erfolgreich
Bei der WM in Molveno waren rund 750 Sportlerinnen und Sportler aus knapp 50 Nationen dabei, auch aus Ländern, in denn es keine Trainingsmöglichkeiten gibt, etwa Israel. An den fünf WM-Tagen wurden etwa 3500 Starter gezählt. Deutschland zählt zu den führenden Nationen. Die prestigeträchtigen 500 und 1000 Meter Freistil in der offenen Wertung haben Alisa Fatum-Böker und Andreas Waschburger für Deutschland gewonnen. Großes Ziel der International Ice Swimming Association (IISA) ist die Teilnahmen bei Olympischen Winterspielen.
Und warum tut man sich das an? 1000 Meter weit kraulen bei knapp über einem Grad Wassertemperatur? Was soll das? Martin Tschepe sagt mit einem Augenzwinkern auf die Frage nach den Warum: „Die kurze Antwort: Weil ich es kann.“ Die etwas längere: weil es „cool“ sei, immer wieder den inneren Schweinehund zu überwinden, die eigene Grenzen auszuloten. Der Mann vom SVL ist überzeugt: „Eisschwimmen ist gesund.“ Seit er vor rund zehn Jahren mit diesen Sport angefangen hat, sagt Martin Tschepe, sei er kaum mehr erkältet. Wer einsteigen will, sollte sich unbedingt vor dem ersten Ausflug ins Eiswasser von einem Arzt gründlich durchchecken lassen. Und dann: regelmäßig Eisschwimmen! Mindestens einmal in der Woche. Besser öfter. Martin und sein SVL-Eisschwimmer-Kumpel Bert Koch trainieren regelmäßig beim Bootshaus des Vereins, im Neckar.
So geht die Saison weiter
Was kommt nach dieser WM? Ist die Saison beendet? Nein, sagt Martin Tschepe. Er sei jetzt erst so richtig eingeschwommen. Am 22. Februar finden im Rahmen der Zollhaus Open in Sachen an der Grenze zu Tschechien in einen einzigen See die Deutschen Meisterschaften statt. Keine Frage: Der neue SVL-Weltmeister will auch bei den Deutschen im Eisschwimmen aufs Treppchen.



