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Protest

Machtvolle Demonstration für den Erhalt der Rockfabrik

2000 Fans protestieren gegen die Schließung des Ludwigsburger Rocktempels – Fans und Rofa-Macher erwarten eine Stellungnahme von dem Vermieter

Lautstark der Protest, lautstark die Forderung: „Die Rofa muss bleiben.“Foto: Holm Wolschendorf
Lautstark der Protest, lautstark die Forderung: „Die Rofa muss bleiben.“ Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Als ein Junge am Samstagnachmittag mit seinem Vater über den sonnigen Rathaushof radelt, wundert er sich über die beachtliche Menschenmenge vor dem Rathaus. Was die ganzen Leute machen, will er von seinem Vater wissen. „Die wollen nicht, dass die Rofa geschlossen wird“, lautet die Antwort. Ob die Rofa cool sei, will der Junge wissen. „Ich finde die Rofa cool“, entgegnet der Papa.

Ende des Jahres soll Schluss sein

Das finden auch die nach Schätzung der Polizei rund 2000 Demonstranten, die lautstark gegen die Schließung des Ludwigsburger Rocktempels protestieren. Der Vermieter, Unternehmer Max Maier, will den Mietvertrag nicht verlängern. Ende Dezember, so der momentane Stand der Dinge, muss die Großraumdisco ihr Domizil in der Weststadt verlassen.

Gleich zu Beginn der Demo sorgt Eddy Freiberger für klare Verhältnisse. Er wolle weder Pyros noch Waffen sehen, so der Rockfabrik-DJ, die Polizei werde jeden einkassieren, der sich danebenbenehme. Nach der Kundgebung werde man dann durch die Innenstadt zur Rofa ziehen. „Lautstark, aber friedlich.“ Die mahnenden Worte sind freilich überflüssig. Die harten Rocker verhalten sich vorbildlich.

Sauer sind die Rofa-Fans aber schon, zum Beispiel Georg Hahnemann. „Wenn ich König von Deutschland oder Max Maier von Ludwigburg wär‘, würde ich die Rofa erhalten“, steht auf seinem selbst gebastelten Schild. „Das ist eine kulturelle Institution, in der Inklusion immer gelebt wurde – lange, bevor es das Wort überhaupt gab“, sagt Hahnemann. „Hier feiern alle Altersgruppen, Menschen mit Behinderung, Arme und Besserverdienende zusammen. Ich würde mich freuen, wenn die Stadt eine Lösung für den Erhalt der Rofa findet.“

Götz Arnscheid, der die Demo organisiert hat, zeigt sich angesichts der machtvollen Demonstration für den Erhalt der Rockfabrik überwältigt. Er wünscht sich wie alle Anwesenden eine Stellungnahme von Vermieter Max Maier. „Nur dann kann man seine Gründe für die Kündigung des Mietvertrags nachvollziehen und gegebenenfalls auch akzeptieren.“

In den folgenden Reden wird deutlich, welch große Wertschätzung die Rofa nicht nur bei ihren Gästen, sondern auch bei Musikern genießt. Die Rofa sei nicht nur irgendein Laden, „sie ist unser Herz, dass sie uns rausreißen wollen“, meint etwa Alex Krull, Sänger der Rofa-„Hausband“ Atrocity und des erfolgreichen Metal-Projekts Leaves‘ Eyes. In welchem Land er auch auf der Bühne stehe, die Rofa kenne man überall. „Und sie ist überall die Nummer eins“, so Krull. Seine Forderung: „Die Rofa muss bleiben.“

Auch Martin Kesici, der vor allem durch seine Auftritte in diversen TV-Formaten bekannt wurde, unterstützt diese Forderung. Er sei in den 80er Jahren in Westberlin groß geworden, sagt Kesici, „und wir haben schon damals gehört, dass die Rofa der geilste Laden in ganz Deutschland sein soll“. Nach dem Mauerfall habe ihn seine erste Reise nach Ludwigsburg geführt, und die Gerüchte hätten sich bestätigt. Bei seinen Stippvisiten im Ländle habe er immer tolle Menschen kennengelernt, jetzt wolle er selbst in die Region ziehen. „Und ausgerechnet jetzt soll die Rofa zumachen?“, fragt der Musiker und gibt die Antwort gleich selbst: „Das geht gar nicht.“

„So darf es nicht weitergehen“

Ebenfalls auf der Rednerliste steht ein Bosch-Mitarbeiter, der sich Ralf nennt. Auch bei Bosch gebe es viele Mitarbeiter, die nach Feierabend gerne ein Konzert oder andere Events besuchten, versichert er. Das werde aber immer schwieriger, meint Ralf und zählt gleich eine ganze Reihe von Clubs in der Region auf, die in den vergangenen Jahren schließen mussten. „So darf es nicht weitergehen. Die Rofa ist nicht nur in der Region, sondern in ganz Deutschland einzigartig.“

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