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Serie: „Freizeit! Aber wie?“
So kommen Sie mit Volker Kugel zur Landesgartenschau in Ellwangen

Gartenexperte Volker Kugel kommt an keiner Pflanze vorbei: Fürs Foto zum Interview greift er zur Orchidee auf der Fensterbank des Redaktionsbüros. Sie blüht prächtig.
Gartenexperte Volker Kugel kommt an keiner Pflanze vorbei: Fürs Foto zum Interview greift er zur Orchidee auf der Fensterbank des Redaktionsbüros. Sie blüht prächtig. Foto: Holm Wolschendorf
Im Garten aktiv zu sein, ist für viele Menschen in der Freizeit wichtig. Gartenexperte und Ex-Blüba-Direktor Volker Kugel spricht über Trends und gibt Tipps.

Ludwigsburg. Herr Kugel, das Statistische Bundesamt hat herausgefunden, dass die Menschen in Deutschland durchschnittlich zwölf Minuten am Tag mit Gartenarbeit verbringen. Wie ist das bei Ihnen?

Bei mir ist es schon ein bisschen mehr, zumindest zu gewissen Zeiten. Ich schätze, im Durchschnitt komme ich auf etwa 25 Minuten. Im Garten zu sein, ist richtig gesund und tut gut.

Was gibt es gerade in Ihrem Garten zu tun?

Ich muss viel vorkultivieren, weil wir bald fünf Wochen lang im Urlaub sein werden. Da heißt es, alles fertigzumachen: Stauden pflanzen, ein paar Lücken füllen, die Kübelpflanzen vorbereiten, um sie bald ins Freie stellen zu können. Und mein Gemüse, das mache ich dann halt erst ab Anfang Juni.

Aber für Kübelpflanzen draußen ist es jetzt doch noch zu früh, oder?

Ja, solange die Nächte noch frostig sind, schon. Wenn ich sehe, dass viele Leute jetzt schon die Tomaten rausnehmen, frage ich mich schon, ob die das überleben. Auch beim Sommerflor muss man langsam tun – sonst verkaufen die Gärtner zwei Mal und der Hobbygärtner erntet einen Misserfolg. Das ist nicht gut für die Motivation.

Warum ist Gartenarbeit eigentlich eine so gute Freizeitbeschäftigung?

Gerade wer einen Schreibtischjob und viel sitzt oder Homeoffice macht, hat dadurch Bewegung. Wer einen Balkonkasten oder Rabatte bepflanzt, sieht erst nackte Erde und dann ein praktisches Ergebnis. Das tut wirklich gut.

Sie sind jetzt fast über drei Jahre als ehemaliger Direktor des Blühenden Barock in Ludwigsburg im Ruhestand. Wie ist es Ihnen seither ergangen?

Hervorragend. Ich habe mir vorgenommen, aktiv zu bleiben. Im Februar, März und April halte ich als Gartenexperte viele Vorträge und übernehme Gartenberatungen. Im SWR bin ich regelmäßig auf Sendung. Im Juni, Juli und August wird es dann wieder etwas ruhiger. In meinem eigenen Garten habe ich einen Teilbereich umgestaltet, dort will ich noch eine Doppelliege mit Drehfuß einbauen, als Nächstes ist das Fundament dran. Außerdem mache ich regelmäßig Sport im Fitnessstudio in Ludwigsburg. Auch fachlich halte ich mich weiter auf dem Laufenden.

Wie machen Sie das?

Ich lese, hauptsächlich Fachzeitschriften. Und ich suche nach seriösen Quellen im Internet. Doch dort findet sich auch mancher Unsinn. Kürzlich etwa behauptete dort jemand, der ausgab, vom Fach zu sein, dass Rosen bis zum 28. Februar geschnitten sein müssten, sonst würden sie zu 60 Prozent weniger blühen. Das ist natürlich Unsinn. Außerdem hat er im Video keine Rose, sondern eine Glanzmispel geschnitten.

Was treibt Sie als Gartenexperte derzeit am meisten um?

Die Auswirkungen des Klimawandels sind deutlich im Garten zu spüren: Es gibt Hitzetage mal zwei, die Trockenperioden haben sich verdoppelt. Und viele Gartenfreunde kaufen noch Pflanzen wie früher. Wer zum Beispiel Hortensien wählt, braucht sich nicht zu wundern, dass er diese drei Mal am Tag gießen muss. Dazu kommen Pilze, die der Thuja zu schaffen machen und der Dickmaulrüssler frisst die Blätter unserer Pflanzen an. Das Tier hätte sich früher nicht bei uns halten können. Man muss sich mit den Pflanzen einfach befassen, damit es mit dem Garten klappt.

Vergangene Woche wurde in Ellwangen die Landesgartenschau eröffnet. Waren Sie schon dort?

Mitte März habe ich mir das Gelände schon angeschaut und war positiv überrascht. Eine Idee war ja, die Jagst in die Stadt zurückzuholen. Der Fluss ist erlebbar geworden. Die Gartenschau beginnt in der tollen Innenstadt, dann geht es raus in die freie Landschaft. Auch gibt es sehr schöne Spielbereiche.

Worauf können sich die Leserinnen und Leser unserer Zeitung freuen, die Sie am 17. Juni und 15. Juli bei einem Ausflug zur Landesgartenschau nach Ellwangen treffen?

Ich verspreche mir tolle Erlebnisse. Wir werden zwar viel auf dem Gelände unterwegs sein, aber auf ebener Strecke. Man muss also kein Bergsteiger sein, um dabei zu sein. Ich laufe mit und die Leserinnen und Leser haben Gelegenheit, mir viele Fragen zu stellen, mich zu löchern, so lange sie wollen. Es wird ein schöner Ausflug, bei dem auch der Humor nicht zu kurz kommt.

Wenn Sie so die Landesgartenschauen im Laufe der Jahre betrachten. Welche Trends entdecken Sie?

Acht Jahre lang war ich ja als Geschäftsführer der Förderungsgesellschaft der baden-württembergischen Landesgartenschauen mittendrin im Geschehen. Die Zeiten, als etwas herablassend von der Blümchenschau gesprochen wurde, sind längst vorbei. Bis auf ein, zwei Ausrutscher, die ich nicht näher nenne, hat sich der Trend durchgesetzt, mit den Gartenschauen Dinge zu schaffen, die von Dauer sind. Es bleiben zum Beispiel Rad- und Fußwege sowie städtebaulich interessante und wichtige Projekte wie Wohnquartiere, Kitas oder Treffpunkte. Und die Blumen, die gehören zu so einem Fest natürlich unbedingt mit dazu.

1989 war in Bietigheim-Bissingen die letzte Gartenschau im Landkreis Ludwigsburg. Die Stadt Ludwigsburg hatte sich mehrfach vergeblich beworben.

2029 ist Vaihingen/Enz mit einer Gartenschau dran, 2033 dann Marbach und Benningen.

Und Ludwigsburg will möglicherweise dann für 2043 mit einer Bundesgartenschau wissen. Aktuell läuft ja die Studie zur Machbarkeit.

Ja, das ist ein spannendes Projekt, ich bin im Preisgericht für die Studie vertreten, darf aber nichts verraten. Interessant wird sein, Stuttgart, Esslingen und Ludwigsburg über den Neckar so zu verbinden, dass der jeweilige Charakter bleibt, aber der Fluss als Gemeinsamkeit sichtbar wird. Bei den Zugwiesen ist das ja hervorragend gelungen. Und auch bei der Remstalgartenschau hat man in Remseck zum Beispiel am Hechtkopf etwas Bleibendes geschaffen.

Infos zu den LKZ-Ausflügen nach Ellwangen gibt es hier: https://veranstaltungen.lkz.de