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Nahverkehr

Mit Maske im Bus, aber alle dicht gedrängt

Immer mehr klagen über volle Busse, vor allem zu Schulbeginn und zum Schulende. Das Land stellt nun Gelder für Städte und Landkreise in Aussicht. Ob sich daraus auch für Ludwigsburg die Situation verbessert, bleibt abzuwarten.

Am Freitag nach Schulschluss – alles drängt zum Bus. Hier die Bushaltestelle am Bahnhof in Richtung Schlösslesfeld und Oßweil.Foto: Holm Wolschendorf
Am Freitag nach Schulschluss – alles drängt zum Bus. Hier die Bushaltestelle am Bahnhof in Richtung Schlösslesfeld und Oßweil. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Freitag, 13 Uhr am Bahnhof. Im Bus 431 sind alle Sitzplätze belegt, viele Schüler stehen bereits im Gang. Noch gibt es ein paar Stehplätze, Abstand halten ist kaum mehr möglich. Bereits am Arsenalplatz drücken weitere Fahrgäste herein, dicht gedrängt steht man und hält sich, fast Kopf an Kopf, irgendwo fest. Der Bus fährt weiter zur nächsten Haltestelle. Ein Zustand, den auch Schüler nicht für zumutbar halten, gerade in Zeiten, in denen eine zweite Coronawelle erwartet wird. „Das ist fast immer so“, sagt eine Schülerin.

Max schreibt der LKZ, dass er auf Bus und Bahn angewiesen ist, um in die Mathilde-Planck-Schule am Römerhügel zu kommen. Er fährt mit dem Bus 423 und ist überhaupt nicht zufrieden. „Der Schulbus ist regelmäßig mehr als voll“, so sein Eindruck. Morgens, aber insbesondere auch zum Schulschluss.

Die Klagen reißen nicht ab, auch andere Fahrgäste sorgen sich. So vorbildlich alle im Bus die Maske tragen – etwas auf Abstand zu gehen ist nicht möglich. „Oft genug ist der Bus so voll, dass die Türen kaum mehr geschlossen werden könnten“, berichtet eine Leserin, die von Eglosheim mit dem Bus 425 unterwegs in die Stadt war – und zwar nachmittags um 15.45 Uhr. Sie beklagt auch die Unzuverlässigkeit, mit der die Busse fahren. „Die Zustände im öffentlichen Nahverkehr in Ludwigsburg sind nicht mehr zumutbar. Teilweise steht man 45 bis 50 Minuten an einer Haltestelle und wartet auf einen Bus, der eigentlich alle zehn Minuten fahren müsste“, berichtet sie.

Die Probleme sind längst auch in der Kommunalpolitik angelangt, erst jüngst verlangten Stadträte im Mobilitätsausschuss, mehr Schulbusse einzusetzen.

Abhilfe könnte die Initiative des Landes schaffen. Verkehrsminister Winfried Hermann will Förderzusagen für Verstärkerbusse, wie sie jetzt schon im Rahmen des vom Land aufgelegten Corona-Sonderprogramms eingesetzt werden, bis Ende des Jahres verlängern. „Stadt- und Landkreise sollten dieses Angebot noch stärker nutzen, um die Lage im Schülerverkehr zu verbessern“, so Hermann. Viele Städte und Landkreise nutzten das Angebot. Wer zusätzlich Schulbusse einsetzt, bekomme dies entsprechend gefördert.

Hermann verweist darauf, dass es auch ein Thema des Gesundheitsschutzes sein muss. „Zum Schutz vor Corona-Infektionen soll mit den Verstärkerbussen verhindert werden, dass Schulkinder in den Bussen zu eng zusammenstehen.“

Schon jetzt fahren in Ludwigsburg zu den Spitzenzeiten Verstärkerbusse, laut der Geschäftsführerin der Ludwigsburger Verkehrslinien (LVL), Carry Buchholz, fahren diese im Linientakt mit. Ob weitere Busse eingesetzt werden können, müsse mit dem Landratsamt beraten werden, zumal der Landkreis sich an den Kosten beteiligen muss. Das Land steuert nur 80 Prozent der Ausgaben bei. „Wir sind im Gespräch mit dem VVS und dem Landkreis“, so Buchholz.

Sie räumt ein, dass es durchaus einige kritische Linien gibt. So die Verbindung zum Schulzentrum am Römerhügel, wo bereits öfter gefahren wird. Ein Hängerzug, das heißt, ein Bus mit Anhänger und einer Kapazität von 199 Plätzen, fahre dort. Auch die Linie 451 nach Marbach habe Spitzen. Allerdings, so Buchholz, könne man derzeit nicht mehr Busse einsetzen. Auch seien die Busse insgesamt „nicht überlastet“, sagt sie, wohl wissend, dass zu Schulbeginn oft dichtes Gedränge herrscht.

Weil weitere Linienbusse kaum zu haben sind, Reisebusse die Anforderungen im Nahverkehr nicht erfüllen und stundenweise Fahrzeiten bei anderen Busunternehmen einzukaufen unrentabel wäre, verweist sie wie der Verkehrsminister auf die Schulanfangs- und -schlusszeiten. Diese sollten entzerrt werden, so der Appell von Buchholz an die Schulen.

Womit sie mit Verkehrsminister Hermann in einer Reihe kämpft. Hermann forderte auch die Städte und Verkehrsbetriebe auf, andere Wege zu gehen. „Da sich in der kalten Jahreszeit mehr und mehr Kinder und Jugendliche in den Schulbussen drängen werden, sollten die Schulen dringend die Möglichkeiten ausschöpfen, um die Unterrichtszeiten flexibler zu gestalten“, teilt er mit.

Erst jüngst haben sich die LVL neue Busse zugelegt, 88 Fahrzeuge sind täglich im Einsatz. Weitere zu kaufen, wäre ein wirtschaftlicher Faktor, außerdem dauere es ein ganzes Jahr, bis ein neuer Bus geliefert werden könnte, so die Geschäftsführerin. Vorhandene Busse, die im Linienverkehr eingetaktet sind, auf andere Zeiten zu verschieben, würde den gesamten Linienverkehr aus dem Takt bringen.

Ob sich auch die Schüler umorientieren und nicht immer den letztmöglichen Bus nehmen, der sie zum Unterricht bringt, ist fraglich. Die Busse davor, so die LVL, seien weniger ausgelastet. „Wir tun schon unser Möglichstes“, so Buchholz, die betont, dass ihnen sehr wohl bewusst sei, dass Fahrgäste in Zeiten von Corona Acht geben und genau hinschauen, vielleicht auch, dass man empfindlicher auf Nähe reagiere. Sie als Betreiber der Ludwigsburger Linien würden sich aber an die Vorgaben des Landes halten. Demnach gibt es im ÖPNV keine Abstandsregel, in den Bussen und Bahnen besteht lediglich eine Maskenpflicht. Auch seien die Busse noch nicht so stark ausgelastet, ist die LVL überzeugt. Weitere Zuschüsse vom Land gebe es erst, wenn alle Sitzplätze belegt seien und über 40 Prozent der Stehplätze.

Aus Sicht der Schüler und Fahrgäste ist die Regelung nicht einfach nachvollziehbar. In der Schule werde penibel darauf geachtet, dass der Abstand gewahrt wird und Hygienemaßnahmen, etwa für den Gang zum WC, genau vorgeschrieben sind. In den Bussen und in der Bahn gilt das nicht.

Ärger über die Wartezeiten kann die LVL-Geschäftsführerin dagegen gut nachvollziehen, zumal auch die Busfahrer den vielen Baustellen ausgeliefert sind. Sie führten zu „argen Verspätungen“, so Buchholz. Als die A 81 dicht war, hatten alle Busse durchschnittlich sogar 60 Minuten Verspätung. Als neulich das Keltengrab mit einem Schwertransport in Ludwigsburg eintraf, waren die betroffenen Straßen dicht. „Die Polizei hat uns erst zehn Minuten vorher informiert“, so Buchholz. Das Ende des Liedes: „Unsere Busse waren in Grünbühl gefangen“, wie sie es formuliert. Zwei Busse habe man noch mit Mühe durchbekommen, einer hing längerfristig fest.

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