Ludwigsburg. Lange hat sich die Stadt zurückgehalten, jetzt nimmt sie erstmals Stellung: Wie geht es weiter mit der Mobilen Jugendarbeit, nachdem der Landkreis sich aus Trägerschaft und Finanzierung zurückgezogen hat? 250.000 Euro kostet das 35 Jahre alte Angebot mit vier Sozialarbeitern pro Jahr – Geld, dass der Kreis, der über 50 Millionen Euro sparen will, nicht hat. Der Ausstieg wurde von der Haushaltskommission schon im Juli genehmigt, aktuell der Ausstieg im Rahmen einer Streichliste von 43 Millionen Euro vom Kreistag beschlossen. Ab 1. Januar 2026 ist Schluss. Die Personalkosten allerdings bleiben dem Kreis erhalten – die vier Angestellten werden an anderer Stelle beschäftigt.
Nun ist die Stadt Ludwigsburg gefragt, die Dutzende E-Mails von ehemaligen und aktuellen Nutzern der Einrichtung am Bahnhof erhalten hat. Oberbürgermeister Matthias Knecht hatte, auch auf Anfrage unserer Zeitung, stets auf die anstehenden Beratungen im Herbst verwiesen.
„Wir erkennen die Bedeutung an“
Jetzt ergreift die Erste Bürgermeisterin Renate Schmetz als zuständige Dezernentin das Wort. Zwar gehöre die Mobile Jugendarbeit zum Träger der öffentlichen Jugendhilfe, also zum Landkreis mit dem Jugendamt. Der Zusatz allerdings lässt aufhorchen: „Wir erkennen die Bedeutung eines tragfähigen Angebots mobiler Jugendarbeit als Ergänzung der kommunalen Jugendförderung an“, teilt sie per Presseverteiler mit.
Die Stadt habe viel Erfahrung und Kompetenz in Sachen offener Jugendarbeit im Sozialraum, mit Jugendcafés und Jugendtreffs im geschützten Raum, so Schmetz weiter. Bisher war befürchtet worden, die Stadt werde das bisherige Kreismodell aufgeben und in ihren Jugendtreffs aufgehen lassen. So besteht etwa das Projekt Connect mit jungen Geflüchteten in der Villa Barrock weiter, nachdem der Gemeinderat gegen die Streichung gestimmt hat – das Angebot kostet die Stadt immerhin 73.000 Euro.
Petition mit 2580 Unterschriften
Zielsetzung sowie Klientel unterscheiden sich allerdings stark. Die Mobile Jugendarbeit bietet Lern- und Bewerbungshilfen und bietet neben Freizeitangeboten und Treffmöglichkeit auch Begleitung an. Gegen die drohende Schließung gab es Proteste und eine Demonstration, auch hat sich die Kampagne „MJA unkürzbar“ gegründet. Die parallele Petition „Erhaltet die Mobile Jugendarbeit Ludwigsburg“ auf change.org hat aktuell (Stand Montag) 2580 Unterzeichner.
Allzu viel Hoffnung will die Stadt trotz grundsätzlichen Bekenntnisses nicht aufkommen lassen. „Die öffentliche Erwartungshaltung an die Stadt Ludwigsburg, die Aufgaben des Landkreises zu übernehmen, ist mit Blick auf die oben dargelegten gesetzlichen Zuständigkeiten nicht gerechtfertigt.“ Jetzt hat sich der Kreis aber nunmal ausgeklinkt. Die Stadt dazu: „Dabei werden wir die städtischen Handlungsspielräume ausloten mit dem Ziel, im Rahmen unserer Möglichkeiten partnerschaftlich zu den Angeboten für die Jugend beizutragen.“
Zeitgleich hat Knecht für Herbst ein weiteres Sparpaket im Rahmen von Win LB angekündigt, das neben Kultur und Sport auch das Soziale in den Blick nehmen soll. Mit Blick auf Ebbe in der Kasse ist der Zusatz für den nötigen Gemeinderatsbeschluss zentral: „Sofern hierfür zusätzliche Mittel im städtischen Haushalt zur Verfügung stehen.“
Gemeinderat muss entscheiden
Zuständig für einen Entschluss, die Mobile Jugendarbeit zu übernehmen, ist der Gemeinderat – beraten wird wie angekündigt im Herbst. Hier seien die Stadträte gefragt, so die Verwaltung: „Sollte sich der Gemeinderat trotz massiver Haushaltsschwierigkeiten zu einer freiwilligen Selbstverpflichtung bereiterklären“, so die Stadt, werde sie mit dem Kreis den nahtlosen Übergang klären. Welches Modell sie zu welchem Preis vorschlagen wird, ist unklar. Der Landkreis hatte bisher immer betont, die Stadt sei lange vor dem endgültigen Beschluss in die Diskussionen um die Modalitäten eingebunden gewesen.




