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Schädlingsbekämpfung

Müllkrise in Ludwigsburg: Kommen jetzt die Ratten?

Stadt hat den Nagern vor allem am Bahnhof und seiner Umgebung den Kampf angesagt – Freie Wähler fordern Verwaltung auf, Abfall beseitigen zu lassen

Werden sich die Ratten durch den nicht abgeholten Müll vermehren? Archivfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Werden sich die Ratten durch den nicht abgeholten Müll vermehren? Archivfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Ludwigsburg. Als Ratte fühlt man sich in Ludwigsburg momentan pudelwohl. Wohin man schaut, überquellende Mülltonnen sowie mit Krallen und Zähnen leicht zu öffnende Mülltüten, die mit den feinen und erlesenen Abfällen einer Wohlstandsgesellschaft locken.

Das völlige Versagen des Müllentsorgers Alba, dem es auch nach bald drei Wochen nicht gelungen ist, den Rest- und Biomüll in Ludwigsburg und anderen Kreisgemeinden ordnungsgemäß abzuholen, lässt bei manch einem die Sorge vor einer Rattenplage wachsen.

Die Furcht ist nicht unbegründet. Immer wieder hatte die Stadt in den vergangenen Jahren mit einer massenhaften Vermehrung der Tiere zu tun gehabt, die sich vor Jahrtausenden darauf spezialisiert haben, im Schatten der menschlichen Zivilisationen zu leben und sich massenhaft zu vermehren. Vor allem am Marktplatz hat es immer wieder Probleme gegeben. Deswegen musste vor einiger Zeit vorübergehend sogar der Kindergarten in der Oberen Marktstraße geschlossen werden. Zuletzt wurden vermehrt Ratten in Eglosheim und am Monrepossee gemeldet.

Glücklicherweise ist es Winter

Trotz des vielen Mülls, der weiter in den Straßen steht, hat die Stadtverwaltung bisher aber keine Hinweise auf eine verstärkte Ausbreitung der Tiere. „Dies liegt mit Sicherheit aber auch an der kalten Jahreszeit. Bei wärmeren Temperaturen hätten wir wahrscheinlich größere Probleme“, so eine Sprecherin der Stadt gegenüber unserer Zeitung.

Der Schwerpunkt der städtischen Rattenbekämpfung liegt derzeit am Bahnhof. Dort wurden flächendeckend Köderboxen ausgelegt. Auch der Marktplatz und seine Umgebung würden „regelmäßig von einer Fachfirma kontrolliert und die Köderboxen mit Rattengift bestückt“, teilt die Verwaltung mit. Dort wurden auch spezielle Abfallkörbe aufgestellt, die im unteren Bereich Rattengift enthalten.

Darüber hinaus werde bei jedem Hinweis aus der Bevölkerung eine Schädlingsbekämpfungsfirma beauftragt. Die lege dann in den jeweiligen Bereichen Rattengift in den Kanalschächten aus.

Den Freien Wählern im Gemeinderat geht das nicht weit genug. Laut dem Fraktionsvorsitzenden Reinhardt Weiss droht der Stadt eine flächendeckende Rattenplage. Das sei gefährlich: „Denn die Tiere übertragen Krankheiten vor allem über ihren Kot. Und sie halten keine Winterruhe.“

Die Stadt winkt ab

Daher fordert die Wählervereinigung, dass die Technischen Dienste Ludwigsburg (TDL) bei der Müllbeseitigung einspringen, wenn Alba das Problem nicht kurzfristig selbst lösen kann. Der Einsatz der TDL sollte Alba dann in Rechnung gestellt werden. „Das wäre ein Segen für die Gesundheit der Bevölkerung und das Stadtbild“, meint Weiss.

Die Stadt winkt bei dem Vorschlag ab. Weder hätten die TDL geeignete (Müll-)Fahrzeuge noch genug Mitarbeiter, um den Rest- und Biomüll in den Straßen zu entsorgen. Das Team der TDL habe gerade genug mit dem Winterdienst zu tun. Höchstens die herumliegenden Müllsäcke könnte die Stadt einsammeln. Das macht in den Augen der Verwaltung aber keinen Sinn, weil Alba die Tonnen früher oder später abholen muss und dann auch die Säcke mitnehmen soll. „Sonst wären wir ja zwei Mal unterwegs. Erst die TDL und dann Alba.“

Die Ratten dürfte das freuen.

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