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Nach 22 Jahren: Pächter-Wechsel im Ratskeller-Café

Die Renovierungsarbeiten laufen bereits.Foto: Holm Wolschendorf
Die Renovierungsarbeiten laufen bereits.Foto: Holm Wolschendorf
So sah das Ratskeller-Café vor der Sanierung aus.Foto: LKZ-Archiv
So sah das Ratskeller-Café vor der Sanierung aus.Foto: LKZ-Archiv
Jörg Adamek hört auf eigenen Wunsch auf und möchte sich auf sein Stammhaus, das Café Mohrenköpfle, konzentrieren – Bäckerei Lutz übernimmt

Ludwigsburg. „Das war mein Lebenswerk.“ Die Traurigkeit in Jörg Adameks Stimme ist nicht zu überhören. Zum Jahreswechsel beendet er die Pacht des Ratskeller-Cafés in der Wilhelmstraße, die Ludwigsburger Bäckerei Lutz übernimmt.

„Das fällt mir sehr schwer“, sagt Adamek. Lange habe er das Für und Wider abgewogen. Letztendlich sei es eine Entscheidung aus privaten Gründen gewesen: Es wäre an der Zeit gewesen, zu investieren. Die Theke neu machen, das Mobiliar ersetzen. „Wenn man so große Summen in die Hand nimmt, dann plant man für mindestens zehn Jahre. Aber dazu bin ich in letzter Konsequenz nicht bereit.“ Er sei nun 52, das Café hat an 360 Tagen im Jahr geöffnet. Jeden Tag steht er im Stammhaus, dem Café Mohrenköpfle in Eglosheim, in der Backstube. Das alles zusammen ist ein Kraftakt. „Man muss das mit vollem Einsatz machen, und ich weiß nicht, ob ich das die nächsten Jahre noch so schaffe.“ Mit Corona habe die Entscheidung nichts zu tun.

Um die zahlreichen Stammgäste und um das Personal tue es ihm leid. „Wir hatten unsere Gäste ins Herz geschlossen. Viele kennen wir seit Jahren.“ Der Café-Betrieb wird im Ratskeller weitergehen. Die Bäckerei Lutz wird neuer Pächter und hat bereits mit der Renovierung begonnen. Auch ein Teil des Personals werde übernommen.

Jörg Adamek will sich „mit Herzblut und Liebe“ auf die Basis seines Betriebs konzentrieren, das Café Mohrenköpfle. Seit 83 Jahren gibt es den Betrieb, und der Chef hofft, ihn eines Tages an seinen Sohn übergeben zu können. Der ist momentan Geselle im Bäckerhandwerk.

Die Ratskeller-Immobilie mit Café und Restaurant gehört zum Tafelsilber der Stadt. Der Verkauf der Immobilie war in der Vergangenheit immer wieder mal thematisiert worden, stand aber letztlich nie ernsthaft zur Debatte. Anfang der 90er Jahre hatten sich Stadt und Gemeinderat dazu entschlossen, die Immobilie grundlegend zu sanieren. Rund zehn Millionen Mark (rund fünf Millionen Euro) wurden investiert. Der damalige Oberbürgermeister Christof Eichert sprach von einem „entscheidenden Magneten“ für die Innenstadtachse. Die Gastronomie wurde aufgeteilt in Café und Speiserestaurant. Doch während das Café immer uneingeschränkt in Betrieb war, gab es im Restaurant mehrfach einen Pächter-Wechsel.

Erbaut wurde der Ratskeller übrigens 1727/28. In den folgenden Jahrzehnten wechselte das prominente Privathaus öfter den Besitzer.

Im Februar 1790 kaufte Prinz Friedrich, der spätere König Friedrich I., das Haus, lebte dort mit seinen Söhnen Wilhelm und Paul. Weshalb das Gebäude bald Prinzenpalais genannt wurde. Übrigens: Auch der Komponist Carl Maria von Weber ging dort ein und aus. Der Musiker war Privatsekretär von Prinz Louis, dem Bruder des Königs.

Die Stadt kaufte das Gebäude am 24. Januar 1899.