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Salonwald

Operation am Augapfel Ludwigsburgs

Ab heute ist der Salonwald für zwei Tage gesperrt. Abgestorbene Bäume, die auf die Straße, auf Wege oder Bänke fallen könnten, werden gefällt. Um die Sicherheit von Menschen und Verkehr sicher zu stellen. Auf einem Rundgang durch den Wald erklärt Förster Samuel Ziegler, warum die Bäume weg müssen.

Ein orangefarbener Strich am Stamm bedeutet, der Baum muss weg. Er ist krank und könnte auf die Straße, auf Fußwege, Bänke oder Sportgeräte fallen. Fotos: Andreas Becker
Ein orangefarbener Strich am Stamm bedeutet, der Baum muss weg. Er ist krank und könnte auf die Straße, auf Fußwege, Bänke oder Sportgeräte fallen. Foto: Andreas Becker
Jeder kaputte Baum wird nicht nur mit farbigen Zeichen am Stamm markiert, sondern auch auf einer Karte am Tablet. So finden auch die Arbeiter jeden Baum.
Jeder kaputte Baum wird nicht nur mit farbigen Zeichen am Stamm markiert, sondern auch auf einer Karte am Tablet. So finden auch die Arbeiter jeden Baum.
Diese morschen Äste könnten bleiben, wenn die Bäume mitten im Wald stehen würden. Aber die Äste sind genau über dem Fußweg und könnten herunterfallen.
Diese morschen Äste könnten bleiben, wenn die Bäume mitten im Wald stehen würden. Aber die Äste sind genau über dem Fußweg und könnten herunterfallen.
Der gelbe Punkt auf der Rinde zeigt an, dass der Baum morsche Äste hat, die jemanden gefährden könnten. Deshalb müssen die Äste ab, der Baum darf aber bleiben.
Der gelbe Punkt auf der Rinde zeigt an, dass der Baum morsche Äste hat, die jemanden gefährden könnten. Deshalb müssen die Äste ab, der Baum darf aber bleiben.
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Ludwigsburg. Ein Vater mit seiner Tochter, Jogger und viele Menschen, die mit ihrem Hund spazieren gehen, sind an diesem Morgen unterwegs im Salonwald. Auch Förster Samuel Ziegler, der bei Forst Baden-Württemberg für das Revier Neckar-Enz zuständig ist. Er hat sich vor ein paar Tagen alle Bäume im Wald angeschaut und sie markiert. Etwa 30 haben einen orangefarbenen Strich bekommen. Ein Zeichen dafür, dass der Baum so kaputt ist, dass er gefällt werden muss. Ein paar wenige Bäume haben einen dezenten gelben Punkt bekommen. Diese sollen erhalten bleiben, ein paar abgestorbene Äste aber entfernt werden. „Mir ist klar, dass das hier eine OP am Augapfel von Ludwigsburg ist“, sagt Samuel Ziegler. Stadträte hätten sich etwa schon bei ihm gemeldet, weil sich Bürger wunderten, was die Markierungen zu bedeuten hätten. Die Ludwigsburger seien sehr bedacht, was ihren Salonwald angeht.

Aber die Bäume werden nicht ohne Grund gefällt. „Entlang der öffentlichen Wege, an Bänken und Trimm-dich-Geräten haben wir eine erhöhte Verkehrssicherungspflicht“, erklärt Ziegler. Das heißt, es werden die Bäume aus dem Wald entfernt, die eine Gefahr für Menschen auf Fußgängerwegen oder Autos, die zum Beispiel am Rand der Königinallee parken, darstellen. Ziegler deutet auf eine Esche, von der bereits ein Großteil abgestorben ist. Die könne stehen bleiben. Die Esche daneben, die eigentlich gesund aussieht, muss gefällt werden. Sie ist von einem Pilz befallen. „Je nachdem in welche Richtung sie fällt, liegt die Krone auf der Straße“, so der Förster.

Gerade die Eschen haben derzeit mit dem Eschentriebsterben zu kämpfen, was durch einen Pilz ausgelöst wird. Dieser gehe auch an die Wurzeln. Es sei gut möglich, dass der kranke Baum oben in voller Blüte stehe. „Es kommt vor, dass scheinbar gesund Bäume einfach umfallen“, so Ziegler. Der Förster erkennt den Pilzbefall zum Beispiel an den Blattspitzen. Auch eine Bebuschung nahe am Stamm, die Bildung einer sogenannten Ersatzkrone, sei ein Zeichen für die Krankheit.

Wegen des Pilzes wird empfohlen, dass sich Förster im Juli besonders die Eschen anschauen. Zweimal im Jahr untersucht Samuel Ziegler jeden Baum im Salonwald. Einmal im belaubten Zustand – wegen der Eschen meist im Juli –, einmal im unbelaubten. „Wenn ich eine Gefahr erkenne, muss ich sofort handeln“, erklärt der Förster. Deshalb würden die Fällarbeiten jetzt sehr spontan kommen.

Auch eine Linde, die mitten im Salonwald steht, muss gefällt werden. „Im Bietigheimer Forst würde ich sie ja stehen lassen“, sagt Ziegler. Aber dort steht die Linde nicht, sondern in der Nähe einer Bank. Darauf könnte sie stürzen, das Risiko müsse ausgeschlossen werden. Ersetzt werden die Bäume im Wald nicht. Aber das ist auch nicht nötig. Denn es warten bereits kleine Pflanzen, die nur darauf warten, dass ein großer Baum entfernt wird, damit sie Platz und Licht haben.

Trockenheit der vergangenen Jahre macht Wald zu schaffen

Ein Grund für die anstehende Fällung ist die Trockenheit in den vergangenen Jahren, erklärt Samuel Ziegler. Dadurch werden die Bäume anfälliger, zum Beispiel auch für Insekten. Stand jetzt sehe es in diesem Jahr etwas besser aus. Doch für den Wald brauche es den Regen mehr verteilt. „Bis jetzt kam der Niederschlag immer ziemlich gehäuft“, so Ziegler. An den Reckstangen des Trimm-dich-Pfads steht eine Linde, die einen orangenen Strich bekommen hat. „Sie wächst der Eiche daneben in die Krone rein“, erklärt Samuel Ziegler. Eichen seien empfindlich, wenn ihnen Licht genommen werde. Um der Eiche Platz zu machen, komme die Linde weg. Die Eiche ist mit einem gelben Punkt markiert. Wer am Baum entlang nach oben schaut, sieht, dass schon öfters Totholz rausgeschnitten wurde. Das müsse auch jetzt wieder gemacht werden, um die Sicherheit am Sportgerät zu gewährleisten.

Doch an den Stangen kann derzeit sowieso niemand turnen. Das städtische Grünflächenamt hat das Sportgerät abgesperrt, weil der Stadt Eichenprozessionsspinner gemeldet wurden (wir berichteten). Als eine Joggerin Samuel Ziegler sieht, stoppt sie. Warum immer noch abgesperrt sei, möchte sie wissen. Das kann der Förster nicht sagen, weil der Salonwald zwar Staatswald, die Bänke und Sportgeräte jedoch Sache der Stadt sind. An der Eiche direkt neben den Stangen habe er kein Nest gefunden. Aber es gebe im Wald definitiv Eichenprozessionsspinner, die Absperrung ist also eine Vorsichtsmaßnahme.

Gefällte Bäume bleiben für Totholzbewohner liegen

Manche Bäume, an denen Ziegler Mängel auffallen, können auch stehen bleiben. Eine Lärche zum Beispiel, die zwar beschädigt ist, weil eventuell der Blitz eingeschlagen hat, aber ansonsten gesund ist. Auch eine Esche bleibt im Wald. Sie ist zwar krank, aber schief gewachsen. Samuel Ziegler sieht, dass der Baum in die Richtung weg vom Sportgerät fallen würde. „Wo es möglich ist, lasse ich die Bäume stehen“, sagt der Förster. Auch nachdem sie gefällt sind, bleiben einige Bäume im Wald. „Die, die für Totholzbewohner interessant sind, bleiben liegen“, so Ziegler. Ein kleiner Teil werde auch weiterverwertet, als Säge- und Brennholz.

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