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Orgel in der Ludwigsburger Friedenskirche: Der Königin der Instrumente geht die Puste aus

Sanierung der fast 120 Jahre alten Walcker-Orgel kostet eine halbe Millionen Euro - Kirchengemeinde startet Spendenaktion - Projekt wird Jahre dauern

Sie wollen die Orgel in der Friedenskirche retten (von links): Birte Frucht, Pfarrer Martin Wendte, Monika Lauster, Bezirkskantor Martin Kaleschke und Ulrich Seiler. Fotos: Andreas Becker
Sie wollen die Orgel in der Friedenskirche retten (von links): Birte Frucht, Pfarrer Martin Wendte, Monika Lauster, Bezirkskantor Martin Kaleschke und Ulrich Seiler. Foto: Andreas Becker
Der Spieltisch der Friedenskirchen-Orgel.
Der Spieltisch der Friedenskirchen-Orgel.

Ludwigsburg. Wenn der Organist die Tasten drückt, dann klingt es manchmal nicht so, wie er es gerne hätte. Bisweilen sogar richtig schräg. „Die Pfeifen sind aber tipptopp“ sagt Bezirkskantor Martin Kaleschke. Es liegt eher am System und da müssen jetzt die Fachleute ran. Eine halbe Millionen Euro kostet die Sanierung der Orgel in der Friedenskirche.

Instrument ist eine Besonderheit in der evangelischen Landeskirche

Nun startet die evangelische Friedenskirchengemeinde ein durchaus ehrgeiziges Spendenprojekt, denn Risse im Holz, Undichtigkeiten in der Windkammer und Probleme im elektrischen System machen ein Handeln notwendig. Das von der Ludwigsburger Orgelbaufirma Walcker im Jahr 1903 gelieferte Instrument ist dabei dem Bezirkskantor zufolge von „sensationeller Qualität“ und deshalb eine Besonderheit in der evangelischen Landeskirche.

Rund 2400 Blasebalge müssen mit Hand neu bezogen werden

Die Walcker Opus Nr. 1052 gibt oben im Chor der einstigen Garnisonskirche mit ihrer sakralen Holzoptik und den 2800 Pfeifen ein durchaus majestätisches Bild ab. Sie erfüllt den Raum zuverlässig mit feierlich-sphärischen Klängen im Stil der Romantik, doch jetzt nach fast 120 Jahren ist es an der Zeit, etwas gegen den Verschleiß zu tun. Der „Königin“, wie sie auch genannt wird, geht nämlich die Puste aus. So müssen rund 2400 kleine Blasebalge sämtlich von Hand neu mit Leder bezogen werden und es gilt außerdem, das Instrument bei der Signalübertragung wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Das heißt, die in den Jahren 1956 und 1971 vorgenommene Umstellung von pneumatischer auf elektrische Steuerung wird rückgängig gemacht. Die Orgel wird also wieder in die Zeit versetzt, als die Firma Walcker auf der Höhe ihres Könnens war und für das württembergische Militär dieses imposante Instrument lieferte.

Kirchengemeinde muss zunächst die Hälfte der Sanierungskosten aufbringen

„Was wir hier tun ist kein Sprint, sondern ein Projekt von Jahren“, sagt Pfarrer Martin Wendte, der sich regelmäßig mit dem aus Martin Kaleschke, Birte Frucht, Ulrich Seiler, Marius Wevers und Monika Lauster bestehenden Orgelausschuss trifft. Es gilt, ein Projekt auf den Weg zu bringen, für das die Kirchengemeinde erst einmal die Hälfte der Finanzmittel aufbringen muss, bevor sie überhaupt an einen Sanierungsstart denken kann. So werden Ideengeber, Mithelfer und Förderer gesucht. Gestartet werden überdies Orgelpfeifenpatenschaften und Benefizveranstaltungen. Die Gemeinde hat dabei eigentlich keine Wahl, wie Martin Kaleschke deutlich macht. Denn eine neue Orgel würde das Dreifache kosten und die Bestehende ist aufgrund ihres Alters und ihrer exzellenten Qualität ohnehin von unschätzbarem Wert.

Förderverein soll auch Nicht-Kirchengänger ansprechen

Werte sind das eine, Investitionen das andere. Die Kirchengemeinde hat dafür laut Pfarrer Wendte kaum Mittel übrig, denn investiert wird vor allem in Menschen. Außerdem dürfen für Orgelprojekte keine Kirchensteuermittel verwendet werden. Bleibt also der Aufruf zur Unterstützung für ein Instrument, das auch mit Emotionen verbunden ist. Es wird bei Hochzeiten und anderen familiären Anlässen gespielt und mit ihm verbinden sich Erinnerungen an eindrucksvolle Konzerte.

„Wir werden auch einen Förderverein gründen“, kündigt Wendte an und hofft, dann auch Menschen zu gewinnen, die keine Kirchgänger, aber der Kirchenmusik durchaus zugetan sind.

Info: Mehr über künftige Aktionen zugunsten der anstehenden Orgelsanierung erfahren Interessierte auf den Internetseiten www.friedenskirche-lb.de. und www.meinespenden.de/orgel.

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