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Gastronomie
Ratskellercafé jetzt unter neuer Regie

Bäckermeister Florian Lutz empfängt im neu gestalteten Ratskellercafé. Foto: Holm Wolschendorf
Bäckermeister Florian Lutz empfängt im neu gestalteten Ratskellercafé. Foto: Holm Wolschendorf
Hell und freundlich ist das Ratskellercafé nach der Renovierung geworden. Seit wenigen Wochen ist es neu eröffnet, nun unter der Regie der Ludwigsburger Bäckerei Lutz. Sie ist neuer Pächter des Cafés, das zuvor 22 Jahre lang von der Eglosheimer Konditorei Mohrenköpfle betrieben wurde.

Ludwigsburg. So einen Gastronomiebetrieb wie das Ratskellercafé zu renovieren ist eine Gratwanderung. „Der barocke Charakter sollte erhalten bleiben, aber es darf auf keinen Fall altbacken sein“, umschreibt Bäckermeister Florian Lutz die Ausgangslage. Und so ist es hell geworden im Café an der Wilhelmstraße. Die neue Theke strahlt weiß, die Wände ebenfalls. Den Thekenbereich schmückt eine cremefarbene Tapete mit Barockmuster, an anderer Stelle prangt ein Schriftzug in Blattgold, und Tagesangebote werden auf einer Schiefertafel mit barockem Goldrahmen angezeigt. Das Mobiliar ist größtenteils geblieben. Die Marmortische ebenso wie Stühle, Sessel und Sitzbank – alle neu bezogen.

Die Ratskeller-Immobilie mit Café und Restaurant gehört zum Tafelsilber der Stadt. Der Verkauf der Immobilie war in der Vergangenheit immer wieder mal thematisiert worden, stand aber letztlich nie ernsthaft zur Debatte. Anfang der 90er Jahre hatten sich Stadt und Gemeinderat dazu entschlossen, das Gebäude grundlegend zu sanieren. Rund zehn Millionen Mark (rund fünf Millionen Euro) wurden investiert. Der damalige Oberbürgermeister Christof Eichert sprach von einem „entscheidenden Magneten“ für die Innenstadtachse. Die Gastronomie wurde aufgeteilt in Café und Speiserestaurant.

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Jörg Adamek, Inhaber der Konditorei Mohrenköpfle, hatte das Café von Stunde null an gepachtet und mit viel Herzblut geführt. Vergangenes Jahr hatte er sich aus persönlichen Gründen dazu entschieden, den Betrieb zum Jahresende abzugeben und sich ausschließlich auf das Mohrenköpfle zu konzentrieren. Er sprach seinen Kollegen Florian Lutz an, der bereits seit Jahren das Ratskellercafé mit Brot und Brötchen belieferte. Am Ende wurde die Neuvergabe der Pacht ausgeschrieben, Adameks Wunsch-Nachfolger, die Bäckerei Lutz, erhielt den Zuschlag. Der Lockdown wurde zum Umbau genutzt, und als die Gastronomie wieder öffnen durfte, öffnete auch der Ratskeller wieder seine Türen.

„Wir wollen das Ratskellercafé bestmöglich weiterführen“, sagt Lutz, der zwar die Optik modernisiert, Bewährtes aber beibehalten hat. „Wir haben allen Mitarbeitern ein Übernahmeangebot gemacht.“ Und so treffen Stammgäste immer noch auf viele bekannte Gesichter im Service-Team. Auch auf das beliebte Frühstück muss niemand verzichten, das gibt es jetzt sogar bis 17 Uhr. Kaffee („bio und fairtrade“) und Kuchen spielen natürlich eine zentrale Rolle, und nach wie vor gibt es einen Mittagstisch sowie den ganzen Tag über kleine Gerichte.

Florian Lutz ist mit dem Start nach der Neueröffnung „sehr zufrieden“. Auch die Wochenenden seien „stark“. Noch nicht ganz zufrieden ist der Bäckermeister allerdings mit dem Schall. Im Café mit der meterhohen Decke kann es bisweilen recht laut werden. „Wir werden an den Vorhängen noch was machen müssen, und am Eingang zur Terrasse einen schweren Vorhang als Windschutz für den Winter aufhängen.“ Damit, so hofft er, könne etwas Schall geschluckt werden.

Erbaut wurde der Ratskeller übrigens 1727/28. In den folgenden Jahrzehnten wechselte das prominente Privathaus öfter den Besitzer. Im Februar 1790 kaufte Prinz Friedrich, der spätere König Friedrich I., das Haus, lebte dort mit seinen Söhnen Wilhelm und Paul. Weshalb das Gebäude bald Prinzenpalais genannt wurde. Übrigens: Auch der Komponist Carl Maria von Weber ging dort ein und aus. Der Musiker war Privatsekretär von Prinz Louis, dem Bruder des Königs. Die Stadt kaufte das Gebäude am 24. Januar 1899.