Logo

Maskenpflicht

Riesenansturm auf Gesichtsmasken

Ab Montag gilt auch in Baden-Württemberg eine Maskenpflicht für alle, die einkaufen gehen oder mit Bus und Bahn unterwegs sind. Egal ob in Apotheken, in Geschäften, in Änderungsschneidereien oder beim Drive-In in Eglosheim, der Ansturm auf die Gesichtsmasken ist enorm. Manche kleinen Anbieter kommen mit der Produktion nicht mehr hinterher.

Ohne aus dem Auto aussteigen zu müssen, bekommt man im Drive-In in Eglosheim Masken überreicht. Fotos: Holm Woslchendorf
Ohne aus dem Auto aussteigen zu müssen, bekommt man im Drive-In in Eglosheim Masken überreicht. Foto: Holm Woslchendorf
Schon vor dem Start des Verkaufs reihen sich die Autos die Teinacher Straße entlang.
Schon vor dem Start des Verkaufs reihen sich die Autos die Teinacher Straße entlang.

Ludwigsburg. „Tischdecken, Servietten – alles, was ich zuhause habe, habe ich schon vernäht“, sagt Ekaterini Trintafylidis. Die Schneiderin hat in den vergangenen Wochen viele Masken genäht und an die Kunden ihrer Änderungsschneiderei in der Weststadt verkauft. Doch jetzt ist für sie erst mal Schluss, denn der Stoff ist aus.

Seit am Dienstag bekannt wurde, dass auch Baden-Württemberg ab kommender Woche eine Maskenpflicht einführt, gibt es einen Ansturm auf den Mundschutz. Alle Verkaufsstellen berichten von einem gigantischen Ansturm auf die Masken.

Viele Änderungsschneidereien, wo die Masken in Eigenarbeit hergestellt werden, kommen mit der Nachfrage kaum noch nach. „Wir haben keine auf Lager, aber auf Bestellung bekommt man welche“, heißt es bei der Änderungsschneiderei Omar in der Körnerstraße. Bei Vasos Änderungsschneiderei in Oßweil habe es noch Masken auf Lager, sagt Inhaberin Vasiliki Tasouli. Eine Schneiderin aus der Oststadt sagt auf Nachfrage nur: „Bitte keine Werbung, ich komme nicht mehr hinterher.“

Der Stoffladen Wagner hat jetzt täglich 400 Kunden

Statt sich in den Kampf um die Masken zu stürzen, beginnen viele Menschen derzeit damit, sich die Schutzmasken selbst zu nähen. „Wir haben gerade täglich 400 Kunden, die alle nur das eine wollen“, sagt Teresa Stromski, Inhaberin des Handarbeitsladens Wagner in Ludwigsburg. Und zwar: Baumwollstoff. Bisher habe sie noch welchen auf Lager, auch wenn der Vorrat schon geschrumpft ist. Gummibänder hingegen sind ausverkauft. „Die gibt es auf dem Markt nirgends mehr“, so Stromski.

Auch die Apotheken sind Anlaufstelle für viele Ludwigsburger, wenn es um den Kauf von Schutzmasken geht. In den vergangenen Tagen sei die Nachfrage nochmals deutlich angestiegen. In der Mylius-Apotheke sind die Schutzmasken gestern ausgegangen. „Es ist aber genug lieferbar und eine Lieferung ist unterwegs“, so Alexander Meyer.

1000 Masken hat die Marktapotheke gestern Vormittag bekommen. „Das reicht vielleicht bis Samstag“, vermutet Eberhard Klünder. Die OP-Masken, von denen jeder Kunde in der Marktapotheke maximal fünf erhält, sind eigentlich nur einmal verwendbar. „Ich gebe aber immer den Tipp, dass man sie bei 70 Grad eine halbe Stunde in den Backofen stecken kann“, so Klünder. Dann seien sie wieder wie frisch.

Alexander Meyer empfiehlt den Kunden der Mylius-Apotheke die wiederverwendbaren Stoffmasken. „Die sind einfach am wirtschaftlichsten, weil man sie waschen und immer wieder verwenden kann“, sagt er. Es gibt sie im Zweierpack, was für den Normalverbraucher, der etwa zweimal in der Woche einkaufen gehe, reiche. „Wer jeden Tag mit Bus oder Bahn fährt, braucht aber schon vier Masken“, so der Apotheker. In der Myliusapotheke gibt es auch FFP2-Masken, die auch dem Eigenschutz dienen. Die empfiehlt Meyer jedoch nur für jene Menschen, die zur Risikogruppe zählen.

Unternehmen verkaufen Masken online und zum Abholen

Auch bei Leder Wolf in Neckarweihingen werden seit zwei Wochen waschbare Stoffmasken gefertigt. „Wir produzieren laufend“, erklärt Geschäftsführer Peter Wolf. Trotzdem könne es eventuell zu Engpässen kommen, denn die Nachfrage sei „gigantisch“. Die Masken von Leder Wolf können entweder direkt im Internet bestellt oder in Neckarweihingen abgeholt werden. Davor muss jedoch per Telefon ein Termin ausgemacht werden.

Michael Scholz, Inhaber der Werbemittelfirma MS-Print, betreibt in Oßweil eine Abholstation. Dort ist das Lager noch lange nicht leer: 1,4 Millionen OP-Masken gab es dort gestern noch, auch FFP2-Masken habe er genügend, so Scholz. „ Und wir kriegen jeden Tag neue“, berichtet er.

Einen Riesenansturm gab es gestern auf einen neu eingerichteten Drive-In für Masken in Eglosheim. Den hat die Firma Photofabrics gemeinsam mit einer Ludwigsburger Facebook-Gruppe für Corona-Hilfe auf die Beine gestellt. Vor dem Firmengebäude von Photofabrics, wo die Masken produziert werden, reihten sich schon vor der Öffnung des Verkaufs um 12 Uhr die Autos. Mit solch einem großen Ansturm hatte Peter Sapper, Inhaber von Photofabrics, nicht gerechnet. „Wir werden wohl bald ausverkauft sein“, vermutet er.

Viele Menschen finden die Maskenpflicht nötig und sinnvoll

Relativ gelassen sind die Kunden, deren Autos in einer Schlange entlang der Teinacher Straße stehen. „Ich warte erst 20 Minuten“, sagt ein Mann, noch etwa zehn Autos sind vor ihm. Den Drive-In sieht er als einzige Möglichkeit, an Masken zu kommen. „Es ist mit den Masken ja ähnlich wie mit Socken und Unterhosen, man braucht mehrere“, sagt er. Ein paar Autos weiter sitzt eine Friseurin mit ihrem Mann. In ihrem Beruf brauche sie auf jeden Fall Masken. „Ich möchte waschbare, weil Wegwerfen für mich keine Option ist“, sagt sie.

Die Maskenpflicht sehen die meisten Wartenden als unumgänglich an. „Manche Leute scheren sich nicht um Empfehlungen, deshalb ist es gut, dass es jetzt verpflichtend wird“, sagt ein Mann. Auch eine Frau findet, dass sich zu wenige an die Empfehlungen halten und deswegen eine Pflicht der einzige richtige Weg sei. „Wir hätten aber mehr Vorlaufzeit gebraucht“, sagt eine Ludwigsburgerin. Jetzt sei es schwierig, auf die Schnelle an Masken zu kommen.

Die Masken bringen eigentlich nicht viel, sagt ein Mann ein paar Autos weiter. Er kaufe sich jetzt nur welche, weil es zur Pflicht wird. Sonst hätte er weiter auf eine Maske verzichtet. „Wir müssen das jetzt durchziehen“, sagt ein anderer Ludwigsburger. „Damit irgendwann mal wieder der normale Alltag kommen kann.“

Autor: