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S-Bahnen des Kreises bald über die Schwabstraße hinaus?

Mit zusätzlichen Fahrzeugen und dem elektronischen Lotsen ETCS will die Region die Kapazitäten auf der Schiene erhöhen – Erneut Absage an zweite Stammstrecke

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Kreis Ludwigsburg. Der Stuttgarter OB Fritz Kuhn, Verkehrsminister Winfried Hermann und der Vorsitzendes des Regionalverbandes, Thomas Bopp, wollen heute die größte Reform in der Geschichte des Verkehrs- und Tarifverbundes Stuttgart (VVS) vorstellen. Aus bisher 52 Zonen sollen sieben werden, was zu günstigeren Tickets und mutmaßlich mehr Fahrgästen im ÖPNV führen würde. Die Kosten für das Werk: mehr als 42 Millionen Euro pro Jahr.

Dabei fahren die S-Bahnen in der Region, obwohl sie seit Jahren konstant unpünktlich unterwegs sind, bereits Fahrgastrekorde ein. An normalen Werktagen nutzen mehr als 420 000 Menschen die roten Züge – unter dem Strich sind es 25 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Rappelvoll wird es in den S-Bahnen vor allem in der Hauptverkehrszeit morgens zwischen sieben und acht Uhr, wenn fast 70 000 Menschen in die Waggons drängen, was 20 000 mehr als in der Rushhour am frühen Abend sind.

Der Verkehrsdirektor des Stuttgarter Regionalverbands, Jürgen Wurmthaler, sagte im Ausschuss gestern: „Die S-Bahn verfügt über die erforderlichen Kapazitäten, um die Nachfrage zu bedienen.“ Ihm ist wie den politischen Parteien allerdings ebenso klar, dass das Angebot in den kommenden Jahren dringend ausgebaut werden muss.

Der Blick fällt dabei auch in den Landkreis Ludwigsburg auf die drei Linien aus Bietigheim-Bissingen (S 5), Marbach (S 4) und Ditzingen sowie Korntal-Münchingen (S 6). Eine dieser Nordlinien könnte über den Endhaltepunkt an der Stuttgarter Schwabstraße hinaus in den Stadtteil Vaihingen zur Universität geführt werden und so mithelfen, eine besonders belastete Strecke zu entlasten. In der Region ist dieser Vorschlag Konsens. Der Stuttgarter FDP-Politiker Armin Serwani etwa sagte am Mittwoch im Verkehrsausschuss: „Eine dieser Linien muss in Zukunft weiter fahren.“

Allerdings hängt das Projekt laut Wurmthaler von der „Digitalisierung der Schiene“ ab. Gemeint ist der Einsatz der modernen Signaltechnik ETCS, die es ermöglicht, S-Bahnen dichter zu takten. Doch der Verband und die Bahn streiten sich darüber, wer die Kosten übernehmen muss.

Auf dem Wunschzettel der Region ebenfalls ganz oben: zusätzliche Züge. Derzeit verfügt die S-Bahn über 157 Exemplare der Baureihen ET 430 und ET 423. Weitere Anschaffungen könnten mehrere positive Effekte auslösen – und zwar den Einsatz von Langzügen mit rund 3000 zusätzlichen Plätzen. Wurmthaler: „Das wäre ein gehöriger Schub.“ CDU und Grüne führen zudem an, dass mehr Fahrzeuge auch zu einem durchgängigen Zehn-Minuten-Takt (statt 15 Minuten) führen könnten.

Herrschende Meinung ist in der Region darüber hinaus, dass Tangentialverbindungen die Stammstrecke unter dem Stuttgarter Hauptbahnhof entlasten würden. Als Beispiel nannte die Linke gestern den Ausbau der Schusterbahn zwischen Ludwigsburg und Esslingen. Feststeht aber auch, dass die Umsetzung all dieser Vorhaben noch Jahre dauern wird. Kurzfristig will die Region ab Dezember deshalb die Kapazitäten auf der S 2 und im Schülerverkehr auf der S 60 erhöhen.

Was nicht kommen wird, ist eine zweite Röhre auf der Stammstrecke nach Münchener Vorbild. Der CDU-Regionalrat Rainer Ganske nannte solche Überlegungen gestern „unrealistisch“. Dafür macht sich nur die FDP stark. Serwani: „Was München kann, hätten wir auch gekonnt.“