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Studie

Schlechte Noten für Bürgerservice

In den vergangenen Jahren hat Ludwigsburg immer damit geworben, bei der Digitalisierung ganz vorne mitzuspielen. Eine Studie mit einem bundesweiten Städtevergleich kommt jetzt aber zu einem völlig anderen Ergebnis: Das, was im Rathaus geboten wird, ist allenfalls Mittelmaß, im Bereich Bürgerservice sogar unterdurchschnittlich.

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Ein sprechender Roboter bei den Bürgerdiensten oder ein „Digital Chief Officer“ als Beweis, dass die Digitalisierung im Rathaus hohe Priorität genießt – mit solchen Manövern hat die Stadtverwaltung in den vergangenen Jahren stets den Eindruck erweckt, dass es richtig vorangeht mit der Digitalisierung. Tatsächlich sind viele andere Städte auf dem Weg, ihren Bürgern das Leben mit neuen digitalen Dienstleistungen einfacher zu machen, aber deutlich schneller vorangekommen.

Das hat zumindest eine Untersuchung von „Haus & Grund Deutschland“ ergeben. Überprüft wurden dabei die digitalen Dienstleistungen der 100 größten Städte Deutschlands. Daraus wurde ein Ranking der digitalen Servicefreundlichkeit erstellt.

In diesem landet Ludwigsburg auf einem bescheidenen 53 Platz. Weit hinter anderen Städten aus Baden-Württemberg wie Heidelberg (Platz 15), Ulm (Platz 22), Heilbronn (Platz 27) oder Esslingen (Platz 35). Den Spitzenplatz holte sich Berlin, dicht gefolgt von kleineren Städten wie Schwerin und Augsburg auf den Plätzen zwei und drei.

Für das Ranking wurden die Internetauftritte der Städte überprüft und geschaut, welche Informationen, aber auch Dienstleistungen dort zu bestimmten Themenbereichen zur Verfügung stehen. Außerdem wurde ermittelt, wie gut ein Benutzer mit der jeweiligen Verwaltung übers Internet in Kontakt treten kann.

Gut bei „Wohnen“ und „Mobilität“

Ludwigsburg schneidet laut der Studie in den einzelnen Bereichen sehr unterschiedlich ab. Beim „Wohnen“ – also allen digitalen Dienstleistungen und Informationen, die mit diesem Thema zu tun haben – kommt die Stadt mit 53,1 von 100 möglichen Punkten auf Platz 18. Auch beim „Bauen“ kommt Ludwigsburg mit Platz 31 gut weg. Zum Thema „Mobilität“ ist auf der Homepage der Stadt offenbar auch einiges zu finden: Platz 28.

Noch besser wird von den Experten die Responsivität des Ludwigsburger Internetauftritts bewertet, also die Fähigkeit der Webseite, sich auf die unterschiedlichen Endgeräte – Computer, Tablet, Smartphone – einzustellen.

Wo Licht ist, da ist leider auch Schatten. Besonders schmerzhaft dürfte für die Verwaltung der 83. Platz in dem wichtigen Feld „Bürgerservice“ sein. Aus Baden-Württemberg hat nur Mannheim (Platz 90) seinen Bürgern noch weniger zu bieten. Esslingen (Platz 14), Heilbronn (Platz 27) oder Tübingen (Platz 28) scheinen ihre Hausaufgaben besser gemacht zu haben.

Schmerzhaft dürfte diese Bewertung für die Verwaltung auch deshalb sein, weil im Bereich Bürgerservice die Digitalisierung in den vergangenen Jahren stark vorangetrieben wurde. Ein Passterminal mit Selbstbedienung oder Überlegungen zum „digitalen Bürgerkonto“ gehören ebenso dazu wie die Digitalisierung der Ausländerbehörde.

Aber auch in anderen Bereichen hinkt Ludwigsburg anderen Städten weit hinterher. Beim Themenbereich „Freizeit & Familie“ landet die Stadt auf Platz 81, beim digitalen Service für Unternehmen sogar auf Platz 86. Hier ist Ludwigsburg Schlusslicht im Land.

Insgesamt kommt die Studie zu einem ernüchternden Fazit: Von digitalen Behördengängen wird viel geredet, doch die Möglichkeiten sind noch immer begrenzt. Aus Sicht von Kai Warnecke, dem Verbandspräsidenten von Haus und Grund, haben alle Städte Nachholbedarf. Bei den meisten sei das Angebot mangelhaft. Städte in den baltischen Staaten etwa seien deutlich weiter, auch die Österreicher erledigten 50 Prozent mehr Behördengänge online als die Deutschen, so Warnecke in einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur.

Nachholbedarf in Deutschland

„E-Government ist in Deutschland seit Anfang 2000 ein großes Wort. Es passiert aber nicht viel“, sagt Studienautor Hanno Kempermann von IW Consult, einer Tochter des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Sein Team hat Websites der Städte unter die Lupe genommen. Gesucht wurden insgesamt 125 Verwaltungs- und Informationsdienstleistungen – vom Wohngeldantrag bis zur Autozulassung. Auch die Nutzerfreundlichkeit ging in die Wertung ein.

Dass Deutschland bei digitalen Behördengängen den meisten EU-Staaten deutlich hinterherhinkt, hatte ein Bericht der EU-Kommission schon im vergangenen Jahr deutlich gemacht. Nicht einmal jeder zweite deutsche Internetnutzer macht von E-Government Gebrauch, im EU-Schnitt sind es fast zwei Drittel.

Aus Sicht von Haus und Grund sollten sich mehr Städte für ihre Online-Angebote zusammentun, anstatt jeweils ein eigenes Süppchen zu kochen. Viele Dienstleistungen seien ja vergleichbar.

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