Logo

Aktion

Sie bringen die Stadt zum Klingen

Den ganzen Samstag über treten Chöre in der Innenstadt auf – Gute Stimmung auf dem Marktplatz

350_0900_19543_16_06_18Theiss_39.jpg
Patrick Bopp beim Offenen Singen vor dem Marstall.
350_0900_19544_16_06_18Theiss_13.jpg
Das Wetter hat mitgemacht: Buntes Musiktreiben mit den Kinderchören auf dem Marktplatz – da stimmen auch die Zuhörer mit ein. Fotos: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Der Marktplatz wird zum Open-Air-Konzertsaal, in der Weinstube Klingel ertönen Volkslieder, und in den Kirchen bringen verschiedene Chöre geistige Musik zu Gehör. „Ludwigsburg singt“ hieß es am Samstag – und dieses Motto ist vom Auftakt am frühen Morgen bis zum Abend in die Tat umgesetzt worden.

„Wir möchten, dass Sie mit einem Lied auf den Lippen über den Marktplatz schlendern“, gab Brigitte Thönges von der Jugendmusikschule zu Beginn den Zuhörern mit auf den Weg. Etwa 150 Kinder standen bei der Eröffnung auf der Bühne am Marktplatzrand, dazu gehörten unter anderem Kinder der Jugendmusikschule. Zu den Mitwirkenden gehörten die Chöre von Friedens- und Pestalozzischule sowie der Katholische und der Kroatische Kinderchor. Die musikalische Leitung hatte Simone Jakob übernommen.

Im Publikum standen zahlreiche Kinder mit ihren Eltern, die begeistert mitsangen. Die strahlenden Gesichter der Kinder sprachen für sich. „Wir finden es wichtig, dem Kindergesang eine Öffentlichkeit zu geben“, sagte Christiane Schützer, Leiterin der Jugendmusikschule, die gemeinsam mit dem Stadtverband Musik zu den Hauptakteuren gehörte.

Singen Kinder heute noch? Für Brigitte Thönges trägt das Projekt Musikimpulse, dessen Leiterin sie ist, jedenfalls viel dazu bei. „Die Lust am Singen ist wieder eine Selbstverständlichkeit geworden“, hat sie festgestellt. Simone Jakob ist für die Singende Grundschule verantwortlich. „Wenn ich das Schulhaus betrete, kommen mir die Kinder schon singend entgegen“, schilderte sie ihre Erfahrungen. Und von der Schule wird die Lust am Singen wieder ins Elternhaus transportiert. Gemeinsam mit den Grundschulen musikalische Projekte zu verwirklichen, das ist deshalb ein Bestreben der Jugendmusikschule. So berichtete Christiane Schützer von einer geplanten Musical-AG an Pestalozzi- und Anton-Bruckner-Schule.

Doch Singen macht nicht nur Kindern Spaß. Viele Erwachsene folgten der Einladung von Patrick Bopp von der A-Cappella-Band Füenf und Leiter mehrerer Chöre, zunächst auf dem Marktplatz und später vor dem Marstall nur zu gerne. Gaby Knorpp vom Stadtverband Musik hatte den Kontakt zu ihm hergestellt. Auf einem Monitor wurden die Texte übertragen. Und so ertönten Hits wie „I’am Sailing“ oder Schlager wie „Rote Lippen soll man küssen“ inklusive des englischen Akzents á la Cliff Richard und „Country Roads“.

Und er sang nicht nur, er animierte die Teilnehmer auch, Musikwünsche zu äußern. „Es ist spannend zu sehen, welche Lieder gesungen werden“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Zum offenen Singen lädt er regelmäßig in Stuttgart, Tübingen und Waiblingen ein. Gemeinsames Singen liegt im Trend. „Singen befreit von Angst. Denn solange man singt, werden die Angstsynapsen blockiert“, so der Experte. Außerdem fördert der Gesang mit wildfremden Menschen das Gemeinschaftsgefühl, hat er festgestellt. „Man ist Teil einer Gruppe und klingt zusammen“, beschrieb er die Faszination. Die Leute gehen nach einer solchen Veranstaltung mit einem Lächeln und gut gelaunt nach Hause, hat er beobachtet.

Und so war es auch in Ludwigsburg, und zwar gleich an mehreren Orten. Den ganzen Tag über ertönte an vielen verschiedenen, durchaus ungewöhnlichen Stellen im Stadtgebiet vor allem Chorgesang. Die Zauberflöte, ein Projekt der Jugendmusikschule, war in der evangelischen Stadtkirche zu hören, in der katholischen Kirche gegenüber brachte der Kinderchor Slavuji kroatische Kirchenlieder zu Gehör. Gut besucht waren die Kirchen, in denen die Chöre sich vor allem geistlicher Musik widmeten. Das Chorforum Ludwigsburg sang „Die Schöpfung“ von Hadyn, während beim Auftritt des Eltern-Lehrer-Chores des Goethe-Gymnasiums Kompositionen mit Marien-Texten im Mittelpunkt standen. Auch zahlreiche andere Chöre traten auf: die Barberlights aus Remseck in der Kreissparkasse und im Modehaus Oberpaur. Im MIK haben die Poplibets des MGV Oßweils Auszüge ihres Jahreskonzertes gesungen. Die schönsten Wein- und Volkslieder ertönten vor der Weinstube Klingel, der Gewölbekeller des Palais Grävenitz bot die geschützte Umgebung für „Mann singt“.

Im Scala fand der Abschluss von „Ludwigsburg singt“ statt. Nach dem mitreißenden Auftritt des Weltmusikensemles der Jugendmusikschule wurden hier die Ergebnisse des Projektes des Workshops „Lieder einer Stadt“ präsentiert. Anlässlich des Stadtjubiläums werden Lieder gesucht, in der sich die kulturelle Vielfalt der Stadt spiegelt, in der Menschen aus 150 Nationen leben. Das Ziel, die Stadt zum Singen und Klingen zu bringen, ist jedenfalls am Samstag erreicht worden.