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Anklage

Spektakulärer Goldraub vor elf Jahren: Siebter Täter vor Gericht

Über elf Jahre nach dem filmreifen Überfall auf einen Goldtransporter auf der A81 kommt der Fall jetzt erneut vor Gericht. Nächste Woche startet der Prozess gegen einen siebten Täter. Von der Beute im damaligen Wert von 1,7 Millionen Euro fehlt bis heute jede Spur.

Der überfallene Goldtransporter, der damals bei Mundelsheim gefunden wurde.
Der überfallene Goldtransporter, der damals bei Mundelsheim gefunden wurde. Foto: LKZ
Einer der Haupttäter, Giwar Hajabi, 2011 vor dem Stuttgarter Landgericht. . .
Einer der Haupttäter, Giwar Hajabi, 2011 vor dem Stuttgarter Landgericht. . .
Das Türschild der Ermittlungsgruppe Gold. (Archivbild)
Das Türschild der Ermittlungsgruppe Gold. (Archivbild) Foto: LKZ

So einen kuriosen Überfall hat es in Ludwigsburg noch nie gegeben: Verkleidet als Polizisten verfolgen mehrere Männer im Dezember 2009 einen Goldtransporter aus Neumarkt in der Oberpfalz auf der A81 Richtung Stuttgart. An der Ausfahrt Ludwigsburg-Nord lotsen sie den Transporter in einer fingierten Polizeikontrolle von der Autobahn.

Unter einer Brücke an der B27 nehmen sie die beiden Fahrer fest, fesseln sie mit Handschellen und übernehmen den Goldtransporter samt Ladung – 120 Kilogramm Altgold im Wert von gut 1,7 Millionen Euro. Die beiden Fahrer lassen sie später in einem Wald in Heilbronn frei. Der leer geräumte Goldtransporter (Foto) wird am Abend an der Autobahn bei Mundelsheim gefunden. Einige der Täter, darunter der Rapper Xatar, flüchten nach der Tat über Moskau in den Irak. Im Mai 2010 werden sie nach Deutschland ausgeliefert, nachdem sie dort von Zielfahndern aufgespürt wurden.

Im Oktober 2010 beginnt der Prozess gegen Xatar und vier weitere Männer vor dem Landgericht Stuttgart. Ende 2011 wird der Rapper, der den Überfall gesteht, als einer der Drahtzieher zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Die anderen Angeklagten erhalten zwischen sieben und neuneinhalb Jahren Haft. Anfang 2012 wird ein sechster Komplize in einem Extraprozess zu vier Jahren Haft verurteilt.

Sechs Männer schon verurteilt

Doch damit nicht genug. Ab dem kommenden Freitag muss sich ein siebter Täter wegen Beteiligung an dem Überfall verantworten – mehr als elf Jahre nach der Tat. Laut Staatsanwaltschaft stand der heute 36 Jahre alte Mann von Anfang an im Verdacht, zumindest sein Fahrzeug für die Tat zur Verfügung gestellt zu haben oder gar ein weiterer direkter Tatbeteiligter gewesen zu sein. „Da sich der Verdacht damals jedoch nicht hinreichend erhärten ließ, wurde das Verfahren im August 2010 eingestellt“, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft gegenüber unserer Zeitung.

Schon in den Jahren 2011 und 2012 habe sich aber abgezeichnet, dass der jetzt Angeklagte wohl direkt bei der Tat beteiligt war. „Das Verfahren wurde daraufhin wieder aufgenommen und im Juli 2013 Anklage erhoben.“ Der 36-Jährige ist nach Auskunft der Staatsanwaltschaft der einzige Tatverdächtige, gegen den im Zusammenhang mit dem Goldraub noch ermittelt wird.

Ein achter mutmaßlicher Mittäter, der den Goldräubern den entscheidenden Tipp gegeben haben soll, war 2010 so schwer erkrankt, dass er für verhandlungsunfähig erklärt wurde.

Der jetzt Angeklagte ist russlanddeutscher Herkunft und wurde 1984 in Kirgistan geboren. Er lebt in Nordrhein-Westfalen und hat einen festen Wohnsitz, daher bestehe laut dem Landgericht auch keine Fluchtgefahr, weshalb der Mann auch nicht in Untersuchungshaft sitzt.

Von dem Gold fehlt bis heute jede Spur, Experten gingen damals aber davon aus, dass der Schwarzmarktwert der Beute weit unter den 1,7 Millionen Euro gelegen hat. Alle Angeklagten haben im Prozess über den Verbleib des Goldes geschwiegen. Sie wollen es einem unbekannten Mann übergeben haben und sollen dafür jeweils einige Tausend Euro kassiert haben.

Vor allem einem der Drahtzieher der Tat, dem Rapper Giwar Hajabi alias Xatar, hat der Rummel um den spektakulären Überfall und die anschließenden Haft in Stuttgart Stammheim nicht geschadet. Der gebürtige Iraner, der aus einer gebildeten Familie kommt und das Abitur gemacht hat, ist mittlerweile ein erfolgreicher Musiker und Produzent.

Großer Erfolg nach der Haft

Die Tat hat seinem Ruhm in der Szene eher genutzt als geschadet. Nach knapp fünf Jahren in Haft kommt er schon Anfang 2015 wieder aus dem Gefängnis. Sofort veröffentlicht er ein Album, im Herbst 2015 seine Autobiografie. Er ist auf der Frankfurter Buchmesse und bei Stern TV zu Gast. Als Produzent und Musiker ist er in Deutschland noch immer sehr gut im Geschäft. Mittlerweile hat er sein Selbstvermarktungstalent auch in anderen Bereichen, etwa einer Shisha-Bar, einem Köfte-Imbiss, mit einer eigenen Tabak-Marke sowie Schmuck- und Kleidungsdesign unter Beweis gestellt.

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