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Tierschutz

Strafanzeige gegen Rinderhalter

Wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ist gegen die Betreiber eines landwirtschaftlichen Betriebs in Ludwigsburg Strafanzeige gestellt worden. Die Soko Tierschutz klagt mit erschütternden Bildern den Unterbringungszustand von rund 30 Rindern an.

Dieser Bulle liegt in seinem Stall fast bis zu den Schultern in der Gülle. Fotos: Soko Tierschutz
Dieser Bulle liegt in seinem Stall fast bis zu den Schultern in der Gülle. Foto: Soko Tierschutz
Dieses Bild zeigt, wie tief die Tiere in der Gülle stehen.
Dieses Bild zeigt, wie tief die Tiere in der Gülle stehen.

Der Anblick dieser Fotos tut weh. Ein Bulle liegt bis zur Schulter in der Gülle, andere stehen knöcheltief in derselben. Der Stall ist über die Maßen verdreckt, „Kälber liegen auf viel zu kleinem Raum zwischen Landmaschinen und haben augenscheinlich keinen Zugang zu Wasser“, so beschreibt Friedrich Mülln, Vorstandsmitglied des Vereins Soko Tierschutz, die Zustände in dem Ludwigsburger Betrieb. „In kurzer Folge starben Tiere“, schreibt die Soko Tierschutz auf ihrer Facebook-Seite.

Der Betrieb ist dem Verein mit Sitz in Augsburg am vergangenen Wochenende gleich zweimal gemeldet worden. Daraufhin seien eigene Leute losgeschickt worden, um die Situation zu überprüfen. Am Sonntag wurde Anzeige beim Ludwigsburger Veterinäramt erstattet, am Montag Strafanzeige bei der Polizei.

Von der Gülleproblematik sind laut Mülln rund 30 Tiere betroffen. „Wir haben nicht in den ganzen Betrieb Einblick nehmen können“, sagt er. „Wir wollen keinen Hausfriedensbruch begehen.“ Doch das, was die Mitarbeiter der Soko Tierschutz zu Gesicht bekommen haben, war erschreckend genug. „Die Tiere selbst waren extrem verschmutzt, die Unterbringung vergammelt.“ Rund 40 Zentimeter hoch sei die Gülle gestanden, die Tiere mittendrin. „Die Tiere müssen trocken stehen“, sagt Mülln. Auf so glitschigem Boden rutschen Rinder schnell aus und verletzen sich erheblich. „Außerdem gibt es über den Kot massive Probleme mit Hufentzündung, infolgedessen lahmen die Tiere und bekommen schmerzhafte Wunden.“

Dass die Fotos tatsächlich aus dem Ludwigsburger Betrieb stammen, daran kann es laut Friedrich Mülln keinen Zweifel geben. Zum einen, weil sich die Soko Tierschutz selbst vor Ort umgesehen habe, zum anderen, weil Rinder Ohrmarken tragen, über die der Halter zweifelsfrei zu identifizieren ist.

Das Veterinäramt hat die Tierhalter bereits am Sonntag kontaktiert. Am Dienstagvormittag machten sich Tierärzte und Polizei ein eigenes Bild vor Ort. „Ich fürchte, die Situation hat sich bei der Kontrolle schon ganz anders dargestellt, weil die Tierhalter ja bereits am Sonntag vorgewarnt wurden“, so Mülln. Er vermutet, dass die ganze Angelegenheit für die Halter relativ glimpflich ausgehen könnte. „Wenn überhaupt, dann wird es wohl eine Geldstrafe geben.“ Dabei, so sagt Mülln, könne man laut Tierschutzgesetz „lang anhaltende Leiden und Schmerzen“ mit einer Freiheitsstrafe ahnden.

Das Landratsamt Ludwigsburg, zu dem auch das Veterinäramt gehört, äußert sich auf unsere Anfrage wie folgt: „Ja, es wurde ein Rinder haltender Betrieb in Ludwigsburg angezeigt. Sofortmaßnahmen wurden unverzüglich eingeleitet, Mängel bei der Haltung der Rinder werden wie gewöhnlich im Verwaltungs- und Bußgeldverfahren bearbeitet.“ Konkreter wollte sich das Landratsamt mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern. Bei „Sofortmaßnahmen“ wird Tierwohl „insofern sichergestellt, dass die betroffenen Tiere aus der misslichen Lage befreit werden oder sie mit den notwendigen Futtermitteln oder Wasser versorgt werden.“

Die Soko Tierschutz ist ein Verein, der sich in erster Linie auf die Aufdeckung von Missständen in der Nutztierhaltung spezialisiert hat. „Wir arbeiten sehr oft investigativ und bringen die Fakten an die Öffentlichkeit“, sagt Friedrich Mülln. Viele Informationen erhalte die Soko Tierschutz von Whistleblowern aus der Branche, wie beispielsweise Schlachtern oder Tiertransportfahrern. Mit einem eigenen Team werden die angezeigten Missstände überprüft.

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