Logo

Theaterspaziergang

Über Mutterglück und Vaterstolz

Mutter werden mit einem Wunschkind – die Krönung der Liebe? Mit diesen und weiteren Betrachtungen über Mutterglück und Vaterstolz nahm das Oberriexinger Amateur-Theater unter der Dauseck am Mittwochabend 80 Gäste mit zur Hauptprobe für das neue Stück „Kindsglück“.

350_0900_16201_CONE14_06_2017Theiss_17.jpg

Ludwigsburg. Auf einem Streifzug durch Bönnigheims Altstadt entdeckten sie historische Originalschauplätze namhafter Frauen. Der knapp zweistündige Theaterspaziergang beginnt im Meiereihof mit der ersten von insgesamt sechs Szenen: Ein junges Paar sehnt sich nach einem Wunschkind. Sie werfen handgestrickte Samenfäden durch die Luft in eine genähte Gebärmutter, die an der Scheunenwand aufgehängt auf die Empfängnis wartet – ein Symbol für die körperliche Vereinigung von Frau und Mann. Schauspieler werden zur menschlichen Installation, um Schwangerschaft in der Neuzeit zu skizzieren: sieben Zyklen Sex, immer wenn der Zervixschleim tropft, jenseits von Lust und Laune. Erst dann erfüllt sich der Wunsch nach Mutterglück, Vaterstolz.

Jetzt schwelgt das Paar in freudiger Erwartung: „Getauft muss es werden, mit einem großen Fest.“ Die gute Hoffnung nährt auch der letzte Ultraschall. Schon wird der Kaiserschnitt als effektivste und schmerzlose Entbindungsmethode geplant. Die Gynäkologin gleitet im Klettergurt vom Scheunenboden herunter ins Geschehen. Dann öffnet sich das Scheunentor und es geht hinaus auf Bönnigheims abendliche Gassen. Um die Szenen an verschiedenen historischen Orten miteinander zu verweben, hatten Stücke-Schreiberin Barbara Schüßler sowie die Regisseurin Eva Mann und Co-Regisseurin Dagmar Brade eine Märchenfigur gewählt, die zum Thema Kindsglück bestens passt: Hans im Glück. Ob es Naivität war oder einfach die Weisheit innerer Zufriedenheit, die die Figur leitet auf dem Weg heim zur Mutter, darf der Zuschauer selbst interpretieren. Durch beständigen Kulissenwechsel bleibt das Stück temporeich und voller Abwechslung. Es streift Stationen am Kirchplatz unter der Linde, wo die Zuschauer einem Paar mit unerfülltem Kinderwunsch begegnen.

Ganz anders drinnen in der Kirche, wo eine Gedenktafel an das Kinderwunder von Bönnigheim erinnert. 1498 ging Barbara Startzmann, geborene Schmotzer, genannt „die Schmotzerin“, in die Ortsgeschichte ein. Sage und schreibe 53 Kinder soll sie geboren haben. Lag es am guten Wein, am milden Klima oder der Lust an den ehelichen Pflichten, denen sie mit ihrem Mann Adam so fleißig nachkam? Die Tragik der Geschichte: 19 Kinder wurden tot geboren. Das Älteste wurde gerade einmal neun Jahre alt. Fünf Darstellerinnen in historischen Gewändern setzen diese bemerkenswerte Frauengeschichte in Szene.

Sodann lockt Hans im Glück weiter zum Schloss. Hier wartet eine Frau der Neuzeit, zwischen Windeln und Karriere auf die Theaterbegeisterten, bevor es ins Schloss hinein geht: Klassentreffen ist angesagt, bevor später wieder draußen auch Sophie La Roche sich ins Stück integriert.

Seit März probt das in diesem Jahr neu zusammengestellte Ensemble die Szenen. Als Schauspieler wirken Menschen aus Bönnigheim sowie aus dem gesamten Kreis Ludwigsburg mit. Sie faszinieren ihr Publikum, erheitern, regen zum Nachdenken oder Aufatmen an. „Kindsglück“ ist eine moderne Inszenierung eines über Jahrhunderte hinweg stets aktuellen Themas.

Info: Die Premiere des Theaterspaziergangs am heutigen Freitag ist bereits ausverkauft. Die nächsten Aufführungen sind am kommenden Wochenende: Beginn am Samstag um 20 Uhr, Sonntag 19 Uhr. Weitere Aufführungen bis Ende Juli folgen. Mehr Informationen gibt es unter www.theater-dauseck.de.