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Tiere

Unterstützung ist unbedingt erforderlich

Die Auswirkung der Coronakrise macht auch vor Tierheimen nicht halt – Bisher kein Zusammenhang mit Haustieren als mögliche Überträger

Die Türen des Tierheims Ludwigsburg bleiben vorerst geschlossen.Archivfoto: Holm Wolschendorf
Die Türen des Tierheims Ludwigsburg bleiben vorerst geschlossen. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Das Coronavirus hat die Menschen und ihren Alltag fest im Griff. Die Auswirkungen der Krise bekommen auch die Tierheime zu spüren. Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, musste auch das Tierheim Ludwigsburg auf zunächst unbestimmte Zeit für Besucher schließen. Um das regelmäßige Ausführen der Hunde aufrechtzuerhalten, ist das Gassigehen weiterhin erlaubt, wenn auch nur für die „Stammgassigeher“, wie Ursula Gericke, Leiterin des Tierheims Ludwigsburg, sie nennt. Für die Tiervermittlung finden zunächst telefonische Absprachen statt, zu einem Termin vor Ort wird nur eine Person eingeladen. Ziel ist, das Infektionsrisiko für die eigenen Mitarbeiter zu mindern und so die Versorgung der Tiere im Tierheim sicherzustellen.

Forschungslage nicht ganz klar

„Tierheime helfen in dieser Krise, wo sie können, und stehen für die in Not geratenen Tiere und ihre Halter ein. Sie haben aber selbst mit den Folgen von Corona zu kämpfen“, berichtet Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Wie aus der Pressemeldung hervorgeht, berichten einige Tierheime von zahlreichen Anfragen unwissender Tierhalter, die ihre Haustiere aus Angst vor einer Ansteckung abgeben wollen. „Es gibt aktuell keinen Beleg, dass Haustiere das Virus übertragen“, sagt Ursula Gericke. Auch seien im Tierheim in Ludwigsburg bisher keine Tiere von Haltern abgegeben worden, die sich in Quarantäne befinden. „Ich kann nicht sagen, dass wir aktuell vermehrt Tiere aufnehmen“, so Gericke weiter.

Doch können Katzen und Hunde das Coronavirus bekommen? Der Chef der Tierpathologie an der Freien Universität Berlin, Achim Gruber, gilt in Deutschland als ausgewiesener Kenner von Tierkrankheiten. Für Hunde gibt er laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sofort Entwarnung. Bei Katzen sei die Forschungslage deutlich unklarer, aber generell sieht Gruber auch bei ihnen keinen Grund zur Sorge – geschweige denn zur Panik.

Auch bei der Großzahl an infizierten Menschen seien bisher keine alarmierenden Folgen für ihre Haustiere aufgefallen – oder ein Zusammenhang mit ihnen als mögliche Überträger des neuen Virus auf den Menschen, sagt Gruber. Gruber rät laut dpa davon ab, Hunde zu isolieren oder sie testen zu lassen. „Bei Katzen können wir uns noch nicht ganz sicher sein“, sagt der Experte. Für Katzen gebe es eine erste, allerdings schwache Studie, die eine Rolle bei der Übertragung nicht komplett ausschließen lässt. „Aber das heißt noch lange nicht, dass Katzen erkranken – oder gar Menschen infizieren könnten.“ Und Tests? „Die sollten im Moment für Menschen eingesetzt werden“, betont Gruber.

Die Landesbeauftragte für Tierschutz Baden-Württemberg, Julia Stubenbord, sagt dazu: „Coronaviren sind in der Regel artspezifisch. Ihre Vertreter verursachen bei verschiedenen Wirbeltieren, Vögeln und Fischen sehr unterschiedliche Erkrankungen. So gibt es zum Beispiel das feline Coronavirus mit der Katze als Wirt, welches die sogenannte feline infektiöse Peritonitis, eine Bauchfellentzündung, auslösen kann, die für den Menschen aber vollkommen ungefährlich ist.“ Und: „Zurzeit ist auch nicht von einer Übertragung des Coronavirus von Menschen auf unsere Haustiere auszugehen. Haustiere können zwar durch engen Kontakt mit dem Menschen das Virus tragen, aber das Virus kann sich nicht im Haustier vermehren und das Haustier bildet auch keine Antikörper gegen Coronavirus“, so die Tierärztin. Eine Übertragung über das Fell der (Haus-)Tiere halten Experten laut Landesregierung zudem für unwahrscheinlich.

Erschwerte Vermittlung der Tiere

Laut Gericke würden zurzeit auffällig viele Wellensittiche ausgesetzt. „Zudem haben wir ein paar Kleintiere aufgenommen. Hunde allerdings nicht mehr als sonst auch“, so die Tierheimleitung. Der Betrieb im Tierheim Ludwigsburg laufe weiter, wenn auch eingeschränkt. „Wir haben vier Mitarbeiter aus reiner Vorsichtsmaßnahme nach Hause geschickt, um die Ansteckungsgefahr möglichst gering zu halten“, so Gericke. „Die verbliebenen Mitarbeiter sind widerstandsfähig. Ich bin mir sicher, dass wir das schaffen.“

Da die Pforten der Tierheime für Besucher geschlossen sind, sieht der Deutsche Tierschutzbund die Vermittlung der Tiere erschwert. Ursula Gericke sagt: „Wir haben in den vergangenen Tagen vermehrt Anrufe von Interessenten bekommen, die sich in Zeiten von Homeoffice besser in der Lage sehen, ein Tier einzugewöhnen.“ Mit diesen Angeboten gehe das Tierheim allerdings vorsichtig und zurückhaltend um. „Es kommen auch wieder andere Zeiten. Wir wollen für die Tiere ein dauerhaftes Zuhause finden“, so Gericke.

Schweren Herzens habe das Tierheim Ludwigsburg auch den am 5. April geplanten Ostermarkt absagen müssen. „Diese Entscheidung haben wir aber schon getroffen, bevor die landesweiten Anordnungen durchgesetzt wurden“, sagt Gericke. Ausschlaggebend sei gewesen, dass ein potenzieller Corona-Fall in Verbindung mit dem Ostermarkt weitreichende Folgen für den Tierheimbetrieb gehabt hätte. Potenzielle Quarantänemaßnahmen hätten die Versorgung der Tiere gefährden können.

Doch die Absage des Ostermarktes bedeutet für das Tierheim finanzielle Einbußen. Darauf weist auch der Deutsche Tierschutzbund hin: Statt mit Veranstaltungen Spenden einzusammeln, auf die sie dringend angewiesen sind, müssten viele Tierheime aktuell sogar mehr Tiere als sonst versorgen. Hier zeigen sich die Tierfreunde in Ludwigsburg laut Gericke bisher allerdings solidarisch. „Viele Leute rufen bei uns an, um sich zu erkundigen. Auch Spendengelder oder Futterspenden wurden uns bereits von einigen Anrufern angeboten.“ Diese Unterstützung sei gerade in Corona-Zeiten unabdingbar.

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