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Kostümgruppe hat Venezianische Messe geprägt
Venezianer flanieren im historischen Kostüm am Ludwigsburger Monrepos

Die Venezianer am Samstag bei ihrer Flanierstunde am Monrepos. Foto: Holm Wolschendorf
Die Venezianer am Samstag bei ihrer Flanierstunde am Monrepos. Foto: Holm Wolschendorf
Mit ihren aufwendigen Kostümierungen bereichern die Venezianer seit 30 Jahren das kulturelle Leben in Stadt und Kreis. Am Samstag feierte die Gruppe ihren Geburtstag standesgemäß im Seeschloss Monrepos. Bei einer Flanierstunde war der Truppe die Aufmerksamkeit der Parkbesucher gewiss.

Ludwigsburg. Das Seeschloss Monrepos ist ein Juwel der Rokoko-Baukunst. Am Samstag vermittelt das Gemäuer einen Eindruck davon, wie sich der württembergische Herzog Carl Eugen und sein Gefolge im 18.Jahrhundert die Zeit vor den Toren der Stadt vertrieben haben mögen. Die Kostümgruppe „Venezianer Ludwigsburg Herzog Carl Eugen 1767“ feiert ihren 30. Geburtstag – und so tummeln sich im herrschaftlichen Anwesen allerlei prächtig kostümierte Hofdamen und Adelige.

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Nach dem Sektempfang und dem Mittagessen steht eine Flanierstunde auf dem Programm. Bei solchen Gelegenheiten erregen die über 30 Vereinsmitglieder, die in stilechten Gewändern aus der Zeit Carl Eugens unterwegs sind, natürlich Aufmerksamkeit. „Wir freuen uns immer, wenn uns die Leute ansprechen“, betont Karin Kathmann, die 2014 den Vereinsvorsitz übernommen hat. Auch bei den wöchentlichen Treffen seien Neugierige stets willkommen. Die Venezianer üben montagabends gemeinsam Rokoko-Tänze ein, die Tanzgruppe ist neben der Flaniergruppe die zweite Vereinssparte.

Die Vereinsgründung vor 30 Jahren ging aus der Überlegung des damaligen Fremdenverkehrsdirektors Friedhelm Horn hervor, in Ludwigsburg eine Feier nach Vorbild des venezianischen Karnevals zu veranstalten – genauso, wie es Herzog Carl Eugen erstmals im Jahr 1776 auf dem Marktplatz getan hatte.

Großer Beitrag für Venezianische Messe

Horn hatte zu Beginn der 90er Jahre seinen Amtskollegen vom venezianischen Fremdenverkehrsamt nach Ludwigsburg eingeladen, der den Anwesenden den venezianischen Karneval im Ländle offenbar schmackhaft machte. „Die Ludwigsburger Geschäftsleute waren begeistert“, so Kathmann. „Horn warb dann für eine Vereinsgründung, um Druck auf die städtischen Entscheidungsträger auszuüben.“

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Diese Strategiezahlte sich aus. 1992 wurde der Verein gegründet. Die Mitglieder warben mit Veranstaltungen und Vorträgen erfolgreich um Sponsorenmittel, und so konnten die Ludwigsburger 1993 erstmals nach 200 Jahren wieder wie beim venezianischen Karneval feiern. „Wir können mit Fug und Recht behaupten, dass die Venezianer einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Venezianischen Messe geleistet haben“, betont die Vorsitzende.

Nach der Premiere erweiterte der Verein sein Profil und widmete sich verstärkt der Aufgabe, die Tanz- und Festkultur des 18.Jahrhunderts erlebbar zu machen. Die Kostümierungen spielen dabei eine zentrale Rolle und dienen in der Öffentlichkeit als spektakulärer Blickfang. Wie viele Kleider sie schon angefertigt habe, könne sie nicht sagen, meint Vereinsschneiderin Dagmar Güttinger. „Als ich 1997 angefangen habe, gab es schon einen Vereinsfundus“, erinnert sie sich. Doch für neue Mitglieder mussten die Kleider geändert werden oder gleich ein neues Kostüm her.

Alle Kleider selbst geschneidert

Güttinger machte aus der Not eine Tugend und eignete sich das Schneiderhandwerk selbst an. Im Seeschloss Monrepos hat sie nur ein einziges Kostüm ausgemacht, das sie nicht selbst geschneidert hat – die authentischen Kostümierungen auf der Geburtstagsfeier zeigen, welch beeindruckende Fähigkeiten sich die Vereinsschneiderin in den vergangenen 26 Jahren angeeignet hat. „So ein Kleid ist nicht so schnell gemacht, das braucht schon Zeit und Geduld“, sagt Güttinger. „Man entwickelt sich und bekommt ein Auge dafür, worauf man achten muss.“

Die Vereinschefin zieht drei Jahrzehnte nach der Vereinsgründung eine rundum positive Bilanz. Die Venezianer seien ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in der Region geworden, und die Venezianische Messe verdanke ihr barockes Gesicht nicht zuletzt dem Engagement der Kostümgruppe. Kathmann: „Wir sind das i-Tüpfelchen der Kulturlandschaft.“

Info: Die Tanzgruppe übt immer montags von 18 bis 20 Uhr im Ludwigsburger Albert-Knapp-Heim.