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Citylauf
Waren es genau zehn Kilometer beim Citylauf? Streit in Ludwigsburg um die korrekte Streckenlänge

Großes Getümmel beim Start in der Wilhelmstraße. Nach 20 Sekunden sind da die Spitzenläufer schon weit voraus.Archivfoto: Ramona Theiss
Großes Getümmel beim Start in der Wilhelmstraße. Nach 20 Sekunden sind da die Spitzenläufer schon weit voraus.Archivfoto: Ramona Theiss
In Zeiten von Satellitenfunk GPS wird mitgezählt: Die Strecke beim Ludwigsburger Citylauf vor elf Tagen sei zu kurz gewesen, moniert Lauftrainer Lothar Michel. Damit sei die Rekordzeit von Sieger Tom Förster mit 28:41 Minuten keine echte Bestzeit. Abweichungen bei einem Straßenlauf seien normal, kontert Veranstalter Roy Fischer. Der Citylauf sei nie offiziell vermessen worden.

Ludwigsburg. „Zunächst haben sich meine Athleten über die schnellen Zeiten gefreut“, sagt Lothar Michel über den Citylauf am 9. Juli. „Das wären zwei Vereinsrekorde beim SKV Eglosheim gewesen. Jetzt zählt es leider nicht – schade.“ Der Trainer für die SKV-Läufer im LAZ (Leichtathletikzentrum) Ludwigsburg und bis vor einem Jahr 30 Jahre Lauftrainer beim LAZ, beruft sich auf seine eigene GPS-Sportuhr, die „eine Länge von etwa 9,8 Kilometer auswies“. Die LAZ führt mit drei Fünfer-Teams auch die Mannschaftswertung an.

Kritik vom Lauftrainer: „Die Strecke sollte offiziell vermessen sein“

„Wenn diese Veranstaltung allerdings überregionale Bedeutung erlangen und Spitzenathleten anziehen soll, dann sollte die Strecke auch offiziell vermessen sein und die ausgeschriebene Länge von zehn Kilometern haben“, kritisiert Lothar Michel weiter.

Offiziell vermessen sei die Strecke nie worden, erwidert Roy Fischer von der Tempomacher Event GmbH. Je nachdem, welcher GPS-Tracker benutzt werde, werde es entsprechend viele Abweichungen geben. Er selbst sei die Strecke am selben Tag noch einmal mit dem Fahrrad abgefahren, ausgestattet mit GPS-Tracker am Lenker und GPS-Uhr am Handgelenk. Eine Runde sei exakt fünf Kilometer gewesen, die andere 4,98. „Das ist keine Stadionbahn, sondern ein Straßenlauf. Da gibt es immer Schwankungen.“

Die schnellen Zeiten führt Roy Fischer vor allem auf den neuen Streckenverlauf zurück. Schon im Vorfeld hatte er gesagt, er rechne mit Zeiten unter 30 Minuten, weil der lange Berg entlang des Schlosses gestrichen wurde. Der Kies im Blüba mache zwar müde Beine, für einen Spitzenläufer sei dies aber kein Hindernis.

Keine offizielle Vermessung, keine Anmeldung als bestenlistenfähiger Lauf

Und: Der Lauf war ausdrücklich nicht als bestenlistenfähig ausgewiesen. „Das ist bekannt.“ Jetzt geht es ins Detail: Dafür muss ein Offizieller ein Vermessungsprotokoll erstellen, das auch mit dem Rad hergestellt werden kann, oder eben mit dem Gerät mit Rädern am Boden. Aber es sind nur bestimmte, geeichte Geräte zugelassen. Darauf sei wie immer verzichtet worden, so Fischer. „Um bestenlistenfähig zu sein, musst du theoretisch auch eine blaue Linie führen.“ Im Blüba sei diese Ideallinie auf dem Kies nicht machbar, auf den Strecken wie dem Marktplatz nicht praktikabel. Da laufe jeder seine Linie. Auch am Wendepunkt sei es zu Abweichungen im Lauf gekommen. „Zudem geht es ständig rauf und runter.“

„Wir haben in der Ausschreibung leider nicht explizit nachgeschaut, ob die Strecke offiziell vermessen ist“, gibt Lothar Michel zu. „Das haben wir einfach angenommen, da Roy Fischer im Vorfeld mit Läufern der Deutschen Spitzenklasse als Teilnehmern geworben hat.“

Offizielles Vermessungsprotokoll arbeitet nicht mit GPS-Trackern

Bestenlistenfähige Läufe sind bei den Verbänden aufgelistet, der Württembergische Leichtathletikverband nennt rund 50 solcher Läufe pro Jahr. Voraussetzung ist allerdings unter anderem das genannte Vermessungsprotokoll – mit einem kostenpflichtigen Offiziellen samt Gerät. Gerade GPS-Tracker sind dafür nicht erlaubt, so der WLV und der Deutsche Leichtathletikverband (DLV), da sie von Temperatur, Geologie, Verschattungen oder Reflexionen gestört werden und nicht exakt arbeiteten. Der DLV: „Sie können aber zur Vorbereitung der Streckenvermessung ein sinnvolles Mittel für die Bestimmung der Linienführung sein.“

„Wir haben den Anspruch auf einen guten Straßenlauf, nicht auf einen bestenlistenfähigen Lauf“, sagt Roy Fischer. Er freut sich weiter über die zwei Läufer, die erstmals die 30-Minuten-Marke knackten. Tom Förster kam mit 28:41 ins Ziel, Sebastian Hendel mit 29:02. Der Sportler des Jahres, Kurt Lauer, mit sehr schnellen 30:20 läutete die LAZ-Serie mit Yassin Osman und Benjamin Mannsdörfer ein, die mit Abstand folgten. Auch Lothar Michel lobt den Lauf an sich: „Es ist schön, dass der Citylauf nach zwei Jahren Coronapause wieder stattgefunden hat.“ Trotz etwa einem Drittel weniger Teilnehmern hofft er, „dass der Veranstalter keine wirtschaftlichen Probleme bekommt und die Veranstaltung auch in den folgenden Jahren wieder stattfinden wird“.

Höherer Männeranteil resultiert in weniger Frauen auf dem Siegertreppchen

Bei den Frauen siegte die Gesamtsiebte Kristina Hendel mit 33:21. Schnell auch Anja Röttinger (LAZ) als Zweite, gefolgt von Marlena Götza. Kritik, dass zehn Männer, aber nur fünf Frauen bei der Siegerehrung und mit Preisgeldern bedacht werden, begegnet Roy Fischer mit den Sponsoren, die nicht mehr Läufer unterstützten – und dem Verhältnis Männer zu Frauen beim Lauf. „Das beträgt 4:1.“ Legte man die Geschlechterratio zugrunde, müssten es sogar weniger als fünf ‚Frauen auf dem Siegertreppchen sein. „Die Frauen werden in dem Sinne mit 2:1 überproportional berücksichtigt.“