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„Warum kein Anwohnerparken?“

Mit dem Ausbau von Wüstenrot mit 5000 Mitarbeitern wird der Verkehr zunehmen. Der Parkdruck in der Südstadt jedoch sei hausgemacht, sagt das Unternehmen. Firmenparkplätze gebe es genug. „Warum macht Ludwigsburg in dem Gebiet kein Anwohnerparken?“, fragt Standortentwickler Jörg Tigges.

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Das neue Wüstenrotzentrum an der Südstadt. Im hinteren Bereich stehen zwei Parkhäuser und zwei Bürogebäude (Bauabschnitt I), der Abriss der Bestandsgebäude für Bauabschnitt II hat gerade begonnen. Links vorne entsteht der neue Haupteingang. Im Westen rechts die historische Baumallee Richtung Kornwestheim, links der Zubringer zur B 27. An der Einfahrt zum Autokino im Osten des Campus entsteht ein neuer Kreisverkehr als Zufahrt zum Campus.Foto: Janna Werner

Ludwigsburg. Der neue Campus der Wüstenrot&Württembergischen AG (W&W) hat seinen Namen verdient. Noch ist lediglich der erste Bauabschnitt und damit nur ein Drittel der Fläche bebaut. An den Außenflächen wird noch gewerkelt, der Staub der Häuser, deren Abriss begonnen hat, legt sich noch über das Areal. Doch die Architektur vermittelt eine klare Botschaft: W&W will hier Aufenthaltsqualität mit dem High-Tech-Büro der Zukunft vereinen.

Auf rund 5,6 Hektar ist auf Kornwestheimer Gemarkung eine Art modernes W&W-Dorf im Werden – mit 4000 „Bewohnern“ sowie weiteren 1000 in dem alten Hochhaus auf Ludwigsburger Areal. Derzeit sind 1200 auf dem neuen Campus zu Hause. Nach Kornwestheim verlagert werden 2000 Mitarbeiter vom Stuttgarter Westen sowie 500 aus Karlsruhe. Der Abbruch der alten Gebäude soll im Oktober beendet sein. Im Februar 2019 soll die Erschließung des Bauabschnitts II beginnen, bis 2023 alles fertig und bezogen sein.

Doch die Begeisterung der benachbarten Südstädter ob dieses Projekts hält sich in Grenzen. Nach einem Gutachten der Stadt Kornwestheim wird der Verkehr an mancher Stelle um 50 Prozent zunehmen. Die neuralgische Kreuzung Hohenzollern-/Friedrichstraße werde nicht viel mehr belastet, so Kornwestheim per Gutachten. Die Autofahrer bevorzugten ohnehin die Einfahrten über Richard-Wagner- und Elmar-Doch-Straße, von Osten her dienten Eisenbahnstraße und -brücke (Elmar-Doch-Straße) als Zubringer zur Hohenzollernstraße, die zu W&W führt.

Quartier mit Parkplatzsuche und Durchgangsverkehr belastet

Dieser Weg durch die Wohnstraßen wird von den W&W-Mitarbeitern gerne mit der Parkplatzsuche verbunden. Man könne diese nicht zwingen, auf dem Firmengelände zu parken, sagt Jörg Tigges von W&W. Der Standortentwickler und Prokurist sitzt im Bistro im Eingangsbereich eines der Campus-Gebäude und schaut auf die neuen Parkhäuser. Die Stadt Ludwigsburg habe es in der Hand, sagt er: „Warum macht die Stadt kein Anwohnerparken? Das wäre eine schnelle Lösung.“ Laut W&W wird der Shuttlebus vom neuen in den alten Teil von 800 Mitarbeitern täglich genutzt. Für 5000 W&W-Angestellte sollen 2850 Stellplätze zur Verfügung stehen, über 1000 mehr als vorgeschrieben.

„W&W nimmt die Diskussion um die Parksituation in der Südstadt ernst“: In einer Stellungnahme erstellt W&W eine Liste. Zwei neue Parkhäuser mit 880 Auto- und 111 Radstellplätzen, dazu 239 im Keller – ein Parkhaus mit 427 Autoplätzen entsteht noch –, das Autokino mit 850 Plätzen, ein Parkdeck an der Wüstenrotstraße und kleinere Stellplätze. Hinzu kommen 30 E-Bike-Ladestationen.

So wenig wie beim Parken „kann man die Leute zwingen, auf Bus und Bahn umzusteigen“, so Raumplaner Jörg Tigges. Derzeit gibt W&W einen ÖPNV-Anteil von 20 Prozent an, der soll durch die neue Bushaltestelle am nördlichen Haupteingang des Campus (Linie 427) gesteigert werden. Hier entsteht ein 36 Meter großer Kreisverkehr. Gegen diesen haben Anwohner Widerspruch eingelegt (wir berichteten).

Auch bei der Aufstellung des Campus-Bebauungsplans gab es Einsprüche. Zumindest in einem Teil hätte W&W diesen gerne entsprochen. Auch das Unternehmen präferierte eine weitere Zufahrt über die alte B 27 in Richtung Kornwestheim, sagt Tigges. Allein die Stadt Kornwestheim habe dies mit Verweis auf den Verlust von Bäumen in der Allee verweigert. Auch dem Vorschlag der CDU-Fraktion im Ludwigsburger Gemeinderat, die Eisenbahnstraße bis zum Domertaltunnel im Süden zu verlängern, kann Tigges durchaus etwas abgewinnen.

Das neue Arbeitskonzept soll ebenfalls dazu beitragen, Verkehr zu verringern. So ist Desksharing angesagt: Der Arbeitsplatz ist dort, wo sich ein Mitarbeiter mit Laptop einloggt. Dies soll auch ein Anreiz sein, ihren Home-Office-Anteil zu erhöhen. „Wir fördern das mobile Arbeiten.“

Für die Parkhäuser gibt es so auch keine Monatstickets, dafür aber Zuschüsse zum VVS-Jahresticket. Nach mehreren Gesprächen mit der DB habe sich der eigene S-Bahn-Anschluss zerschlagen, so Tigges. Am Platzmangel sei die Idee gescheitert, eigene Busse am Ludwigsburger Bahnhof einzusetzen. Die Diskussion um die Reaktivierung der Bahnlinie von Markgröningen bis Wüstenrot und Kornwestheim verfolgt er als „sehr interessierter Zuschauer“.

Für die avisierte Erweiterung des GdF-Knotens am Ende der Hohenzollernstraße ist W&W ebenfalls auf eine Einigung zwischen Ludwigsburg und Kornwestheim angewiesen, für das W&W-Areal nördlich des Hochhauses auf Ludwigsburg. Die Gebäude bis zur Wüstenrotstraße sollen abgerissen, das Gelände neu bebaut werden. Der Bebauungsplan von 1967 schreibe Gewerbe vor, W&W will laut Tigges keine Änderung einleiten. Auf diesem Campus II ist von einem Mix aus Büros, Läden, Restaurant wie auch Fitness die Rede – in Hand von W&W. Wie viele Mitarbeiter hier möglich sind, will er nicht sagen. Und wirft statt Tiefgaragen ein Konzept in den Raum, das in Ludwigsburg heiß diskutiert wird: „Warum keine Quartiergarage?“

Zukunft in Ludwigsburg: Neubau an der Hohenzollernstraße

Eine Bürgerinitiative für die Südstadt hat sich gegründet, für die Südstadt hat die Stadt ein STEP-Konzept samt 40-Prozent-Stelle ausgerufen. Dieses ist laut Baubürgermeister Michael Ilk allerdings noch im Werden. Ursprünglich sollte die Südstadt in Sachen Parkraum nach der Weststadt kommen – deren Konzept verschiebt sich nach Beschluss im Juni 2016 jedoch bis 2019. Damals hatte Ilk mit Blick auf Planungen für die Südstadt gesagt, „2017 sind wir damit dann auch so weit“.

Ein Stadtteilspaziergang – mit W&W-Hochhaus – soll einen Überblick über Verkehr, Parken und die Bebauung der Blöcke an der Stuttgarter Straße verschaffen.

info: Der öffentliche Stadtteilspaziergang mit OB Werner Spec startet am Freitag, 18. Mai, um 15 Uhr am Hohenzollernplatz.