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Ringerjugend
Wie der KSV der Zwangspause trotzt(e)

Ein Gartengrundstück wird zum Outdoor-Trainingspark: Die Ringer des KSV Neckarweihingen beim Training. Foto: privat
Ein Gartengrundstück wird zum Outdoor-Trainingspark: Die Ringer des KSV Neckarweihingen beim Training. Foto: privat
Nach und nach läuft er wieder an, der Sportbetrieb in den hiesigen Vereinen. Aufgrund der niedrigen Inzidenz sind die Hürden für das Sporttreiben nicht mehr allzu hoch. Doch das war nicht immer so. Lange Zeit war der Lokalsport von Stillstand gezeichnet. Nicht so beim KSV Neckarweihingen. Der Verein hat ein besonderes Konzept für die Jugendringer konzipiert.

Ludwigsburg. Der Amateursport ist von der Coronakrise arg gebeutelt. Auch wenn die Trainingseinheiten mittlerweile wieder anlaufen, geht die monatelange Zwangspause nicht spurlos an den Vereinen und den Mitgliedern vorbei. Während viele Vereine während des ersten Lockdowns häufig noch auf Online-Trainingseinheiten setzten, schlief bei den meisten die Motivation nach und nach ein. Anders war es bei der Ringerjugend des KSV Neckarweihingen. Aktiven-Trainer Tim Schmidt und Jugendtrainer Tobias Ulamec arbeiteten gemeinsam ein Trainingskonzept aus, welches die jungen Ringer auch während der coronabedingten Zwangspause forderte und förderte.

Leistungsparameter als Grundlage

„Wir haben eine ganz willensstarke Jugend“, sagt Tobias Ulamec, der Diplom-Trainer ist. 12 junge Ringer im Alter von zehn bis 16 Jahren trainieren beim KSV zwischen fünf- und achtmal die Woche für jeweils rund zwei Stunden. „Viele ringen schon relativ lange auf hohem Niveau“, sagt Tim Schmidt. „Der KSV hat mit die erfolgreichste Jugend in ganz Baden-Württemberg.“ Da alle Ringer top motiviert sind, wollten sie auch während der Zwangspause – als das Training gerade in den Sporthallen nicht möglich war – weitertrainieren. „Da mussten wir uns etwas überlegen, wie wir unsere Jugend weiter beschäftigen können“, so Schmidt.

Mit Schmidt und Ulamec treffen zwei Ringerverrückte aufeinander, wie beide sagen. „Wir haben viele Ideen, oft ist auch etwas Verrücktes dabei“, sagt Schmidt. So fingen sie direkt zu Beginn der Pandemie an, ein Trainingskonzept zu erstellen, welches ein Training auch unter Berücksichtigung verschiedenster Eventualitäten ermöglichte. Die individuellen Leistungsparameter der jungen Sportler, zum Beispiel Pulswerte, Kraftwerte oder Körpervermessungsmerkmale, stellten die Grundlage für dieses Konzept dar. So erhielt jeder Jugendringer einen eigens auf seine Leistungen und Werte angepassten Trainingsplan. „So konnte auch während der Pause jeder an seinen ganz persönlichen Defiziten arbeiten“, sagt Ulamec. „Wir wollten immer so nah wie möglich am Optimum bleiben.“ In einem zweiten Schritt wurde bereits vor dem ersten Lockdown Trainingsmaterial verteilt. So bekamen die Ringer beispielsweise Hantelscheiben oder Ringermatten mit nach Hause, um nicht ganz auf das Training verzichten zu müssen.

Dabei stand nicht nur der Kraftaufbau im Fokus. In den Trainingsplänen enthalten sind auch Übungen rund um die Beweglichkeit, die Koordination, die Stabilität und die Regeneration. Neben Fotos und Übungserklärungen steht in den Trainingsplänen der jungen Ringer auch, warum diese Übungen wichtig für sie sind und was sie mit diesen erreichen können. „Sie sollen auch verstehen, warum sie das gerade eigentlich machen“, sagt Schmidt. Auch mithilfe von QR-Codes können die Ringer verschiedene Übungen generieren. „Trainingspläne gab es bei uns auch schon vor Corona. Aber jetzt haben wir alles zusammengefasst. Das haben wir ein Stück weit auch Corona zu verdanken, da die Zeit plötzlich da war“, sagt Schmidt. So bekam jeder Sportler klar gesagt, was er pro Woche zu tun hatte.

Die Kinder und Jugendlichen seien von Beginn an gewillt gewesen, auch unter den schwierigen Bedingungen weiter zu trainieren. „Teilweise mussten wir sie schon bremsen“, so Ulamec. Kurzerhand haben Schmidt und Ulamec auch ein Gartenstück in eine Art Outdoor-Trainingspark umgewandelt. Neben Ringermatten stehen den Sportlern dort beispielsweise auch Bänke aus Paletten zur Verfügung, an denen Sprünge trainiert werden können. So konnten die jungen Ringer unter freiem Himmel trainieren – je nachdem, was die jeweilige Coronaverordnung gerade zugelassen hatte. „Ringen geht einfach nicht kontaktlos“, sagt Schmidt. „Aber wir achten schon sehr darauf, dass wir kein Risiko eingehen.“

Verein steht hinter der Jugend

Und das Training während der Zwangspause hat sich gelohnt, wie Ulamec und Schmidt bestätigen. „Jeder ist gestärkt aus der Pause gekommen“, so Schmidt. Durch regelmäßige Leistungstests sei die Motivation durchgängig hoch geblieben. Auch die Eltern stünden ganz hinter ihren ringenden Kindern. „Die Leistungstests möchte natürlich jeder bestehen“, so die Trainer. Auch die Kaderathleten des KSV, die schon länger wieder trainieren dürfen, würden im Vergleich zu Sportlern von anderen Vereinen fitter dastehen. „Das Konzept soll auf jeden Fall leben, wir möchten das gerne weiterführen“, sagt Ulamec mit Hinblick auf die Lockerungen im Sport.

Ende August stehen für die KSV-Ringer die Deutschen Meisterschaften auf dem Programm. „Auch hierfür haben wir ein klares Konzept“, so der Diplom-Trainer. Doch er weiß auch, dass es ohne Vorbereitungsturniere oder Wettkämpfe deutlich schwieriger wird als sonst. Dennoch werden viele der jungen KSV-Sportler um Medaillen ringen, wie Ulamec und Schmidt sagen. Seit rund zwei Wochen darf nun auch wieder in der Halle trainiert werden. Auch wenn die Auflagen nicht mehr so streng sind, wird beim KSV dennoch auf feste Trainingspartner, das Einloggen per App zur Kontaktnachverfolgung und auf einen negativen Test gesetzt. „Wir wollen gerade vor den Deutschen Meisterschaften kein Risiko eingehen“, so Ulamec.

Bei all ihren Vorhaben habe der Verein Ulamec und Schmidt immer unterstützt. „Die Jungs merken so auch, wie wichtig sie für den Verein sind“, sagen die beiden. Das klingt fast nach einem zusätzlichen Motivationsschub für die jungen Ringer.

Info: Der KSV Neckarweihingen sucht jederzeit neue Sportler, die die Leidenschaft für das Ringen mitbringen. Auch Interessierte ohne Vorkenntnisse sind willkommen. Unter https://www.ksv-neckarweihingen.de/ gibt es alle Informationen rund um den Verein und das Training. Auch die verschiedensten Ansprechpartner sind dort zu finden. Interessierte melden sich per E-Mail an kontakt@ksv-neckarweihingen.de.