Ludwigsburg. Auf dem Markt der Lebensmittelgeschäfte gibt es seit Jahren rasante Verschiebungen. Während die Verkaufsfläche der einzelnen Betriebe zwischen 2006 und 2015 von durchschnittlich 768 auf 936 Quadratmeter stark angewachsen ist und weiter wächst, hat die Anzahl der Lebensmittelgeschäfte im gleichen Zeitraum abgenommen. Vor allem kleine Lebensmittelgeschäfte, die oftmals zentral in den Ortskernen liegen, haben in den vergangenen Jahren aufgeben müssen.
Mittlerweile liegen der Stadt Ludwigsburg mehrere Anfragen für Erweiterungen vor – darunter für die Lidl-Filialen in der Reuteallee und in der Oststraße. Weitere Unternehmen, darunter Aldi und Alnatura, suchen nach neuen Standorten in der Stadt. Damit die Verwaltung ein Instrument hat, um mit diesen Anfragen umzugehen und den Einzelhandel zu steuern, hat sie ein Stadtentwicklungsbüro mit einer Nahversorgungsuntersuchung für Ludwigsburg beauftragt. Die Ergebnisse wurden am Dienstag im Wirtschaftsausschuss vorgestellt.
Alles in allem steht Ludwigsburg beim Thema Lebensmittel- und Drogeriehandel gut da. Das Angebot ist vielfältig, die Kaufkraft der Bevölkerung bleibt daher auch zu 100 Prozent in der Stadt. Bei Drogerie- und Parfümerieartikeln zieht Ludwigsburg sogar Kaufkraft aus dem Umland an. Allerdings ergibt sich bei den Drogerien schon das Problem, dass nach der Insolvenz von Schlecker fast alle Geschäfte in der Innenstadt und im Breuningerland liegen.
Auch bei den Lebensmittelgeschäften sieht die Situation bei genauerer Analyse nicht mehr ganz so optimal aus. Viele Supermärkte und Discounter haben ihren Standort außerhalb der Wohngebiete. Sie erzeugen also Verkehr, gleichzeitig sterben die kleinen Zentren der Ludwigsburger Stadtteile aus. Nur noch 76 Prozent der Ludwigsburger wohnen 500 Meter oder weniger von einem Lebensmittelgeschäft entfernt. Das ist in Deutschland ein unterdurchschnittlicher Wert.
Für die Bewertung, wo dringender Handlungsbedarf herrscht und wo nicht, haben sich die Experten aber nicht nur die Abstände der Lebensmittelgeschäfte zu den Wohngebieten angeschaut, sondern auch das Einzugsgebiet der Supermärkte. So reicht der Einzugsbereich des Kauflands in der Schwieberdinger Straße weit bis in den Stadtteil Pflugfelden hinein. Obwohl es dort keinen Supermarkt gibt, sieht das Nahversorgungsgutachten in Pflugfelden dementsprechend auch keinen dringenden Handlungsbedarf.
Ganz im Gegensatz zu anderen Gebieten der Stadt: Im Schlösslesfeld, in der Weststadt, in Eglosheim Nord, in Hohen- eck, Neckarweihingen und Poppenweiler sollten laut der Studie Neuansiedlungen oder Erweiterungen bestehender Lebensmittelgeschäfte unterstützt werden. Dabei geht es immer darum, vor allem Standorte zu sichern, die direkt in den Wohngebieten liegen und über kurze Wege erreichbar sind. Zurückhaltend bleibt die Studie bei Standorten, die überhaupt keine Anbindung zur Wohnbebauung haben. Dazu zählen das Kaufland an der Schwieberdinger Straße, das Breuningerland oder die Aldi-Filiale an der Marbacher Straße. Für diese Geschäfte wird eine Festsetzung beim bisherigen Bestand empfohlen. Sie hätten damit keine Entwicklungsmöglichkeit mehr. Auch eine Erweiterung des Lidls an der Reuteallee wird skeptisch bewertet. Der Markt liegt am Rand der Wohnbebauung, weit entfernt von den beiden Zentren in Eglosheim.
Das Gutachten wagt auch einen Blick in die Zukunft. Bei weiter steigender Kaufkraft und Einwohnerzahl könnte Ludwigsburg bis 2025 weitere Geschäfte vertragen. Von drei zusätzlichen Supermärkten und ein bis zwei Drogerien ist die Rede. Die Verwaltung will die umfassende Studie jetzt dafür nutzen, weiteren Einfluss auf die Entwicklung der Nahversorgung zu nehmen.

