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Corona

Wiedereinrichtung des Impfzentrums für Kreis kein Thema

Einen Monat nach Schließung der Impfzentren wird plötzlich wieder über sie diskutiert. Manch einer – wie Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) – würde sie am liebsten wieder öffnen. Im Kreis Ludwigsburg ist das momentan aber kein Thema, auch wenn die Hausärzte über die Belastung durch das Impfen klagen.

Bald kehrt wieder Leben zurück in diese Halle in der Ludwigsburger Weststadt. Archivfoto: Ramona Theiss
Bald kehrt wieder Leben zurück in diese Halle in der Ludwigsburger Weststadt. Archivfoto: Ramona Theiss

Landkreis Ludwigsburg. Für den Landkreis Ludwigsburg ist ein neues Impfzentrum momentan kein Thema. „Das Thema kommt überraschend. Wir haben das Impfzentrum erst vor einem Monat geschlossen“, so ein Sprecher am Dienstag gegenüber unserer Zeitung. Auch auf die Halle im Industriegebiet in der Weststadt hat der Landkreis keinen Zugriff mehr. Sie wird mittlerweile anders genutzt.

Es ist damit völlig unklar, wie lange die Einrichtung eines neuen Impfzentrums dauern würde. Ohne Vorlauf ginge das jedenfalls nicht. Einen detaillierten Zeitplan kann der Landkreis nicht nennen. „Neben der Örtlichkeit müsste auch das Personal organisiert und die Finanzierung geklärt werden“, erklärt der Sprecher.

Das Land hat Computer und Kühlschränke längst abgeholt

Selbst Einrichtung und Equipment des Zentrums sind größtenteils nicht mehr in Ludwigsburg. Wesentliche Elemente wie Computer und Kühlschränke hätte das Land schon abgeholt. Die Möbel wurden vom Landkreis teilweise eingelagert.

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte am Wochenende für Irritationen gesorgt, weil er die Impfzentren wieder hochfahren will. Als Grund dafür wird das stockende Impftempo genannt. Derzeit sind vor allem Hausärzte für den Fortgang der Impfkampagne zuständig. Unklar ist, ob sie den Ansturm bewältigen können, sollte sich der Großteil der Geimpften für eine Drittimpfung entscheiden und diese auch von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlen werden.

Unbestritten ist, dass bei den Hausärzten in puncto Corona tatsächlich nicht alles rundläuft. Auch in Ludwigsburg. Nicht alle Hausärzte wollen offen über die Belastung durch die Impfungen gegen Covid-19 sprechen. „Der Aufwand für uns ist enorm“, heißt es in einer großen Ludwigsburger Praxis. Was in den Augen vieler als „kleiner Piks“ abgetan werde, bedeute für die Sprechstundenhilfen zunächst viel Telefoniererei, bis genug Patienten am richtigen Tag zusammenkommen. Dann müsse der Impfstoff passgenau rechtzeitig vorher bestellt werden.

Zudem sei der Aufwand bei den Corona-Vakzinen um einiges umfangreicher als beispielsweise bei der jährlichen Grippeschutzimpfung. Auch bei der Drittimpfung müssen noch Aufklärungsbögen und Einwilligungserklärungen unterschrieben werden. Die Nachfrage ist da, Impftermine gegen Covid-19 sind in dieser Hausarztpraxis bis Jahresende keine mehr verfügbar.

Manche Hausärzte bieten weder Impfungen noch Tests an

Anders sieht es in der Ludwigsburger Schwerpunktpraxis, dem MVZ Dr. Kolepke und Kollegen, aus. Dort sind im November noch einige Impftermine frei. „Wir impfen auch alle diejenigen, die keinen Hausarzt haben“, so Dr. Roland Kolepke. Zudem gebe es auch in Ludwigsburg Hausärzte, die weder Impfungen noch Tests anbieten. „Das ist ihr gutes Recht“, sagt Kolepke. In seiner Praxis wurde eine extra Impfabteilung eingerichtet. Das Team dort sei bereits eingespielt vom Ludwigsburger Kreisimpfzentrum, wo Kolepke bis zur Schließung Ende September medizinischer Leiter war.

In der Praxis in der Erlachhofstraße werden am Tag etwa 100 bis 150 Menschen geimpft. Wie viele davon eine dritte Impfung abholen, kann Kolepke nicht sagen. Zusätzlich zu den Impfungen in der Schwerpunktpraxis sind Impfteams von dort im Landkreis unterwegs, aktuell zum Beispiel im Breuningerland. Niederschwellige Angebote, zum Beispiel während des Einkaufens, seien besonders gefragt. „Vor allem Jüngere wollen eine Impfung ohne Bürokratie und Terminvereinbarung“, so die Beobachtung von Kolepke.

Bisher komme man mit der Nachfrage nach Drittimpfungen in der Praxis noch klar, sagt der Ludwigsburger Arzt. Doch aktuell empfiehlt die Stiko die Drittimpfung auch noch nicht für alle Menschen, sondern nur für Menschen ab 70 Jahren, Bewohnern und Personal von Heimen und mit Johnson & Johnson Geimpften. Was passiert, wenn allen Menschen die Drittimpfung empfohlen wird, sei jetzt noch nicht abzusehen, so Roland Kolepke. „Es kann gut sein, dass dann wieder ein Impfzentrum erforderlich sein wird.“ Das sei aber nicht Entscheidung der Ärzte, sondern der Politik.

Ärzteschaft und Landkreis haben weniger Bedenken

„Wir gehen davon aus, dass insbesondere die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger entsprechend der Stiko-Empfehlungen eine Drittimpfung wollen. Hierfür sind wir als Ärztinnen und Ärzte im Kreis gut gerüstet“, sagt Dr. Carola Maitra, die Vorsitzende der Ludwigsburger Kreisärzteschaft. Was das für die niedergelassenen Ärzte im Kreis bedeutet, stand am Dienstagabend im Fokus einer aktuellen Pandemiesitzung der Ludwigsburger Ärzte.

Auch das Gesundheitsamt rechnet damit, dass die Arztkapazitäten im Landkreis für die Drittimpfungen ausreichen. Alles in allem sei die Bereitschaft der Ärzte groß, an den Impfungen mitzuwirken, heißt es im Landratsamt. „Wir gehen daher davon aus, dass die niedergelassenen Ärzte das hinbekommen.“

Ein anderer Weg zeichnet sich für Baden-Württemberg bisher auch nicht ab. Zwar seien Praxis- und Betriebsärzte momentan noch nicht in der Lage, die Impfungen flächendeckend zu übernehmen, heißt es im Gesundheitsministerium (Text unten links). An einer Reaktivierung der Impfzentren wird im Land bisher aber trotzdem nicht gearbeitet.

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