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Porträt

„Wir lachen viel und haben Spaß zusammen“

Ayham Alkoraydi floh vor drei Jahren mit seinem Bruder aus Syrien. Dass er nach einigen Stationen bei einer Pflegefamilie in Ludwigsburg unterkam, war ein großes Glück. Der 19-Jährige lebt seither bei Familie Sommerfeldt in der Innenstadt. Mittlerweile macht er eine Ausbildung zum Optiker und hat sich gut eingelebt. Nur das europäische Essen schmeckt ihm einfach nicht.

Optiker-Azubi Ayham Alkoraydi aus Syrien lebt seit zweieinhalb Jahren bei Martina und Reimar Sommerfeldt.Foto: Holm Wolschendorf
Optiker-Azubi Ayham Alkoraydi aus Syrien lebt seit zweieinhalb Jahren bei Martina und Reimar Sommerfeldt. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Woran sich Ayham einfach nicht gewöhnen kann, ist das Essen. „Die Deutschen benutzen Gewürze komisch, das passt in meinem Kopf nicht zusammen. Deshalb schmeckt es mir auch nicht“, sagt der 19-Jährige. Auch der schwäbischen Küche kann er wenig abgewinnen. „Schwäbisches Essen ist so schwierig wie der Dialekt“, sagt Ayham und lacht. Käsespätzle etwa mag er nicht, Maultaschen gehen schon alleine aufgrund des Schweinefleischs nicht. Also gibt es bei den Sommerfeldts oft Hühnchen und Rindfleisch. „Ab und zu muss er auch einfach so viel Hunger haben, dass er auch deutsche Küche essen kann“, sagt Reimar Sommerfeldt.

Die Familie und der Syrer haben sich gut damit arrangiert. Das Zusammenleben klappt sehr gut, sagen sie. Und selbst kulinarisch ist es ein gegenseitiger Gewinn. „Ayham mag Zimtsterne und Käsekuchen“, fällt Martina Sommerfeldt beispielsweise ein. „Und wir selbst verwenden durch ihn jetzt doppelt so viele Gewürze als zuvor. Und wie man einen Granatapfel öffnet, weiß ich jetzt auch“, sagt die 57-Jährige. Ayham kocht hin und wieder Gerichte aus seiner Heimat. Aber oft fehlt ihm die Zeit dazu, sagt er. Vor allem seit er die Optikerausbildung macht.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich Optiker werde“, sagt der junge Mann. Er hatte sich nach der Realschule eigentlich für eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann beworben – aber nur Absagen erhalten. Dann begegnete ihm auf der Straße die Inhaberin von Optik Welzer. In dem Geschäft hatte er bereits als Schüler ein Praktikum gemacht. „Sie fragte mich, ob ich eine Ausbildung suche“, erzählt Ayham. So kam eins zum anderen. „Dass er den Ausbildungsplatz bekommen hat, hat er selbst geschafft. Er hat einen sehr guten Eindruck im Praktikum hinterlassen“, betont Martina Sommerfeldt.

Ende November 2015 floh Ayham zusammen mit seinem Bruder vor dem Krieg in Syrien nach Deutschland. Schließlich landete Ayham in einem Hotel für Jugendliche in Kornwestheim. Er war zu diesem Zeitpunkt 16..Jahre alt. Dort lernte er Martina Sommerfeldt kennen, die im Jugendamt des Landratsamtes arbeitete und die Jugendlichen im Hotel betreute. Ayham merkte jedoch schnell, dass die Unterkunft nicht das Richtige für ihn war. „Alle sprachen arabisch, so kam ich nicht vorwärts“, sagt er. Der Syrer wollte schnell Deutsch lernen.

Er erfuhr von der Möglichkeit, in Pflegefamilien unterzukommen. Sommerfeldt half ihm dabei, eine zu finden. Er zog zu einem Paar nach Gerlingen, lebte aber nur für drei Monate dort. „Es hat einfach nicht funktioniert zwischen uns“, sagt Ayham rückblickend.

Also fassten Martina Sommerfeldt und ihr Mann den Entschluss, den jungen Syrer bei sich aufzunehmen. „Wir wollten das eigentlich nicht. Aber wir kannten Ayham ja schon. Und da meine Tochter erst ausgezogen war, hatten wir ein Zimmer frei“, sagt sie. Mittlerweile lebt er seit zweieinhalb Jahren bei den Ludwigsburgern.

Am Anfang steckten sie Freiräume und Nichtfreiräume ab, so Reimar Sommerfeldt. „Uns war klar, dass ihm seine Religion wichtig ist und er oft betet. Und er musste lernen, dass wir vor dem Essen beten.“ Es dauerte nicht lange, bis sie sich aneinander gewöhnt hatten. „Wir haben einen sehr lockeren und offenen Umgang miteinander“, sagt der 59-Jährige. Seine Frau fügt hinzu: „Wir lachen viel und haben Spaß. Ayham macht gerne Quatsch.“

Auch wenn ihm das Essen nicht wirklich schmecke und die Menschen hier anfangs sehr zurückhaltend seien, will Ayham Deutschland nicht mehr komplett verlassen, sagt er. Inzwischen hat er Freunde gefunden. Der 19-Jährige fotografiert und schauspielert gerne und geht ins Fitnessstudio. Bei der Arbeit kann der Azubi seine Pausen so legen, dass er in der Optikerwerkstatt regelmäßig in einer Ecke beten kann. „Alles läuft super“, sagt Ayham.

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